Die Ammannsschenke kredenzt

ALTSTÄTTEN. Zum zweiten Mal liess der Verkehrsverein Altstätten eine alte Tradition aufleben: Nach den Wahlen der Stadträte und des Stadtpräsidenten bekommen die Bürger die Ammannsschenke, einen feinen Altstätter Tropfen aus den beiden rund 300 Jahre alten Zinnkannen.

Max Pflüger
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Umrahmt von Männerchor-Liedern kredenzte der Verkehrsverein zum zweiten Mal nach 2009 die Ammannsschenke. (Bilder: Max Pflüger)

Umrahmt von Männerchor-Liedern kredenzte der Verkehrsverein zum zweiten Mal nach 2009 die Ammannsschenke. (Bilder: Max Pflüger)

Ende Dezember erhielten die Altstätter Ratsherren im Anschluss an die alljährliche Wahl der Stadtbehörden am 28. Dezember die sogenannte «Ammannsschenke». Jeder Gewählte erhielt ein Mass Wein, rund 1,3 Liter, sowie Wurst und Brot. Ausgeschenkt wurde der Wein aus den beiden Zinnkannen, die der Zinngiesser Lucas Walt um 1720 gegossen hatte. Die beiden Kannen sind heute im Museum Prestegg ausgestellt und wurden am Neujahrstag eigens für die Ammannsschenke nach den Wahlen im vergangenen Herbst zum zweiten Mal aus den Vitrinen genommen.

An der Neujahrsbegrüssung 2009 liess der Verkehrsverein Altstätten nach den Kommunalwahlen 2008 den alten Brauch erstmals wieder aufleben. Mit einer kleinen Änderung: Zur Ammannsschenke waren nicht nur die Gewählten geladen, sondern alle Einwohner der Stadt. Und so auch dieses Jahr wieder. Die Altstätter folgten der Einladung. Es kamen sogar mehr als an einer «gewöhnlichen» Neujahrsbegrüssung. Sei es aus Liebe zur traditionellen Ammannsschenke oder aus Interesse an der ersten offiziellen Ansprache des neuen Stadtpräsidenten Ruedi Mattle.

Regenschirme für alle

Verkehrsvereinspräsident Wolfgang Kessler begrüsste neben den Altstätter Bürgerinnen und Bürgern die neugewählten Altstätter Behörden sowie die Altstätter Nationalräte Margrit Kessler und Markus Ritter. Allen Scheidenden und Neugewählten dankte er für ihr Engagement und überreichte ihnen einen Altstätter Stadt-Regenschirm sowie die dazu passende Igea-Einkaufstasche.

Visionen gemeinsam entwickeln

Dann übergab er das Wort dem frischgebackenen Stadtpräsidenten. Ruedi Mattle entwickelte in seiner ersten Amtsrede als Stadtoberhaupt seine Vorstellungen von strategischer Führung: Es sei wichtig, das Ziel zu kennen, um den Weg zu bestimmen.

Wo wird Altstätten in zwanzig oder dreissig Jahren stehen? Wie viele Einwohner wird die Stadt haben? Wie sieht die Zentrumsfunktion der Stadt aus? Wie wird die steuerliche Belastung dannzumal aussehen? Gehört ein Hallenbad oder ein Museum dazu?

Mattle will aber nicht Kaffeesatzlesen. All diese Fragen will er zusammen mit dem Stadtrat und der ganzen Bevölkerung diskutiert haben. Er will gemeinsame Visionen entwickeln und aus diesen dann künftige Legislaturziele ableiten.

Dabei zähle aber nicht seine Einzelmeinung, sondern ein von allen Altstätterinnen und Altstättern zusammen erarbeitetes und getragenes Konzept, das aus – von der Gesamtheit getragenen – Kompromissen bestehen müsse. Alle seien zum Mitdenken eingeladen. Das sei es, was er unter strategischer und transparenter Führung verstehe.

Grabenkämpfe überwinden

Der evangelische Pfarrer Hansurs Walder nahm die Gedanken Mattles auf und verband sie mit der Weihnachtsbotschaft «Friede auf Erden!». Er forderte in einer kurzen Andacht die Altstätter auf, die bestehenden Gräben zuzuschütten und gemeinsam an einer friedvollen und gesegneten Zukunft zu arbeiten. Ohne Vergebung sei kein Neuanfang möglich.

Und in Würdigung der Reihenfolge der Weihnachtsbotschaft «Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden» stellte Walder fest, dass der Friede erst möglich sei, wenn Gott die geschuldete Ehre erwiesen werde. Nicht der eigene Ruhm soll im Zentrum stehen, sondern die Verneigung vor Gott in Ehrfurcht.

Zauber der Musik

Umrahmt wurde die besinnliche Feierstunde im Göttersaal der Prestegg von Liedern des Männerchors unter der Leitung von Wilfried Rohner. Unter seiner Leitung hatte der Chor ein ansprechendes Rahmenprogramm zusammengestellt, das die Männer nicht nur im Göttersaal, sondern später auch beim Apéro im Waffensaal mit viel Engagement vortrugen.

Hier, im Waffensaal des Museums, stiessen die Altstätterinnen und Altstätter anschliessend an den offiziellen Teil der Neujahrsfeier miteinander auf ein gesegnetes 2013 an. Die Neujahrsbegrüssung wurde zum gesellschaftlichen Ereignis. Und wer weiss, vielleicht wurden beim Anstossen sogar erste Brücken geschlagen.

Erster magistraler Auftritt des neuen Stadtpräsidenten Ruedi Mattle.

Erster magistraler Auftritt des neuen Stadtpräsidenten Ruedi Mattle.