Die Abwahl eines Umstrittenen

OBERRIET. Romeo Gächter ist als Präsident der Oberrieter Schulgemeinden abgewählt worden. Karl Loher hat die Kampfwahl knapp gewonnen. Eine Wahl nicht nur für Loher, sondern vor allem auch gegen die umstrittene Führung Romeo Gächters.

Claudio Donati
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Zum Schulpräsidenten Oberriets gewählt: Karl Loher (CVP, rechts) mit CVP-Gemeinderat Lothar Bandel. (Bilder: Claudio Donati)

Zum Schulpräsidenten Oberriets gewählt: Karl Loher (CVP, rechts) mit CVP-Gemeinderat Lothar Bandel. (Bilder: Claudio Donati)

Keine zwei Stunden nach seiner Abwahl hat Romeo Gächter noch keine Erklärung dafür, dass er als Präsident der Oberrieter Primarschulen (Eichenwies, Kriessern, Montlingen, Oberriet) sowie der Oberstufe Oberriet-Rüthi nicht mehr erwünscht ist. Über mögliche Gründe einer Abwahl habe er sich nie Gedanken gemacht, denn er sei davon ausgegangen, dass er die Kampfwahl gegen Karl Loher gewinnen würde. Am Ende fehlten 50 bis 100 Stimmen (Oberstufe: 1139:1080, Primarschulen 883:763).

Streitbar, umstritten, zerstritten

Statt so kurz nach der enttäuschenden Abwahl nach Ursachen zu suchen, möchte sich Gächter lieber bei jenen bedanken, die ihn wieder gewählt haben. «Die Hälfte fand, ich soll weitermachen», sagt er. Dieser Bruch bringe die Schule bestimmt nicht vorwärts. «Ich wäre gerne den bisherigen Weg weitergegangen», sagt Gächter. «Geradlinig und ehrlich.» Wenn es Fehler gegeben habe, dann vielleicht in der Kommunikation. Aber «rechtlich» habe er nichts falsch gemacht.

Gächters Sturz überrascht nicht, wenn man sich die aufwühlenden Ereignisse seiner Amtsperiode vor Augen hält, die manche personellen Konsequenzen hatte. Das Resultat: Streitbares Auftreten, umstrittene Entscheide und ein zerstrittener Schulrat, zumindest in der Oberstufe. Viel Unruhe in den ersten vier Jahren des neuen Schulgebildes mit einem vollamtlichen Präsidenten an der Spitze beider Schulräte. Die Oberrieter trauen Karl Loher zu, dass er die nötige Ruhe hineinbringen wird.

Gespräche statt Gerede

Er ist kein Mann lauter Worte. Das war er im Wahlkampf nicht. Auch nach seiner Wahl zum Schulpräsidenten spricht Karl Loher zurückhaltend und ohne Häme gegenüber Kontrahent Romeo Gächter. «Wenn es einen Sieger gibt, dann die Demokratie», sagt der Vermögensverwalter und fünffache Vater. Er war auch an diesem Sonntagnachmittag zunächst mit Familie und Hund spazieren. «Ein normaler Sonntag.»

Der 54-jährige Montlinger steht mit einem Glas Wein bei den CVP-Parteifreunden im «Löwen» und weiss, wie eng es war. Er werde versuchen, auch jene von sich zu überzeugen, die ihn nicht gewählt haben. Er ist nicht der Mann, der jetzt die ganze Organisation umkrempeln wird. «Die Schule als Gebilde funktioniert.» Sein vorrangiges Ziel sei, die Probleme in der Führung zu beheben, «näher bei meinen Leuten» zu sein, mit den Angestellten, den Lehrern und Schulleitern oft das Gespräch zu suchen. Es habe zu viel Gerede, zu viele ungute Gefühle gegeben. Jetzt brauche es wieder eine motivierte Stimmung.

In den Schatten gestellt: Abgewählter Schulpräsident Romeo Gächter. (Bild: unknown)

In den Schatten gestellt: Abgewählter Schulpräsident Romeo Gächter. (Bild: unknown)