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Dialog auf allen Ebenen suchen

Am 27. Juni tagt die St. Galler Synode. Dann gibt Renato Tolfo das Amt des Synodalpräsidenten ab. Er hat sich für eine Kultur des Austauschs eingesetzt: «Wichtige Themen dürfen nicht zu Randthemen verkommen.»
Monika von der Linden

Herr Tolfo, in ein paar Tagen geben Sie das Präsidium der Synode ab. Wie empfanden Sie die zwei Jahre?

Renato Tolfo: Es war eine lehrreiche Zeit, geprägt durch viele Begegnungen. In der Vorbereitung der Synoden befasse ich mich intensiv mit möglichen Diskussionen und Einwänden zu den Traktanden. Dazu suche ich den Austausch mit dem Kirchenrat und dem Büro der Synode.

Nehmen Sie grossen Einfluss auf die Traktandenliste?

Tolfo: Sie wird von den Vorstössen der Synodalen und der Arbeit des Kirchenrates bestimmt. Als Präsident leite ich die Sitzung und bin verantwortlich für einen korrekten und fairen Ablauf.

Bei Amtsantritt sagten Sie, dass Sie ein Auge darauf haben wollen, was in der St. Galler Regierung oder im Kantonsrat entschieden wird. Ist Ihnen das gelungen?

Tolfo: Das Büro der (reformierten) Synode und der (katholische) Administrationsrat treffen sich jährlich mit Vertretern des Kantonsrats. Einmal brachte ich als Thema die SVP-Initiative «Landesrecht vor Völkerrecht» ein. Sie soll dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden. Es wurde ein Jurist eingeladen, der die gegenwärtige Situation und die Auswirkungen einer Annahme der Initiative darlegte.

Wie lautet Ihr Fazit?

Tolfo: Wir würden die Menschenrechtskonvention künden. Ich wollte, dass die Folgen klar werden und dass man nicht aus Gründen des Populismus für die Initiative redet. Es geht nicht um Gefühle, sondern um die Folgen.

Erreichte die Botschaft ihr Ziel?

Tolfo: Damals war Markus Straub aus Rüthi Kantonsratspräsident. Auch als SVPler nahm er mein Anliegen auf und unterstützte es. Das freute mich sehr. Von Seiten der Kirchen ist die Position völlig klar. Andere versuchten der Argumentation der Initianten etwas Positives abzugewinnen.

Jeder blieb also bei seiner Haltung?

Tolfo: Die Befürworter kennen nun die möglichen Folgen besser. Ich weiss aber nicht, ob sie deshalb ihre Position ändern.

War das Treffen erfolgreich?

Tolfo: Ja. Es ist gut, sich unter den drei Gremien auszutauschen. Solche Gespräche müssten vermehrt auch auf anderen Ebenen stattfinden. Vertreter und Vertreterinnen der Kirche können viele wertvolle Aspekte in die Diskussionen einbringen.

Würden Sie als Pfarrer für den Kantonsrat kandidieren?

Tolfo: Ich sehe mich nicht als Mandatsträger. An einer Podiumsdiskussion im Vorfeld einer Abstimmung würde ich teilnehmen. Ich bin politisch sehr interessiert, auch kommunal.

Soll die Kirche politisch sein?

Tolfo: Die Politik trägt Verantwortung für die Gesellschaft. Solange wir hinnehmen, dass es viele Verlierer des Systems gibt, schaffen wir den Nährboden für emotionale und hitzige Diskussionen. Budgetkürzungen betreffen meist Bildung und Sozialwesen, sind aber wirtschaftsfreundlich. Soziale Verantwortung heisst, sich um die Menschen zu kümmern, die es in irgend einer Art schwer haben. Hier schreit man laut nach der Kirche, es sei doch ihre Aufgabe. Nein. Das ist die Aufgabe von Bund, Kanton und Gemeinden, gemeinsam mit den Kirchen.

Es ist ein Kerngeschäft der Kirche, Schwachen zu helfen.

Tolfo: Ja, aber nicht nur unseres. Als Dekan habe ich einen Überblick über das Spendenaufkommen in den Kirchgemeinden. Bei der kleinsten sind es rund 10 000 Franken im Jahr. Damit werden viele wichtige Institutionen unterstützt, denen es an öffentlichen Geldern fehlt. Das wird zu wenig wahrgenommen.

Sie möchten die Wirtschaft stärker in die Pflicht nehmen?

Tolfo: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es der Gesellschaft gut, sagt man. Ich finde, es verhält sich eher umgekehrt. Das Wohlergehen der Mitarbeitenden ist ein wesentlicher Faktor, auf den besser geachtet werden muss. Der Druck ist oft so gross, dass immer weniger Zeit für Familie und soziales Engagement bleibt. In diesem Bereich müssten wir die Wirtschaft stärker in Pflicht nehmen.

Was verstehen Sie unter einer gerechten Verteilung der Mittel?

Tolfo: Wichtige Themen dürfen nicht zu Randthemen verkommen. Die Schere zwischen Reich und Arm wird immer grösser. Eine Gemeinde benötigt zum Beispiel nicht nur Wohnungen im oberen Preissegment, sondern auch welche für sozial Schwächere. Die Errungenschaften der Generationen dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Welche Erkenntnis nehmen Sie aus Ihrer Präsidialzeit mit?

Tolfo: Die Arbeit von Kirchenrat und Parlament sind auf gutem Kurs. Diese Kultur des Dialogs liegt mir sehr und ich wünsche mir, dass sie weiter gepflegt wird. Die Visitationen des Kirchenrats in allen Gemeinden werden wichtige Impulse für die Zukunft geben, wie die Behörden- und Freiwilligenarbeit noch mehr unterstützt werden kann. Viele Menschen engagieren sich in den Gemeinden mit Herzblut. Sie dürfen nicht ausgebrannt oder frustriert werden.

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