Der Wald ist kein Streichelzoo: «Nie ein Rehkitz anfassen!» und Hunde an die Leine nehmen

Ab Mai und bis Mitte Juni werden Rehkitze geboren. Neugierige Spaziergänger sind eine Gefahr für die Jungtiere.

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Zurzeit werden im Rheintal viele Rehkitze gesetzt. In den ersten Lebenswochen sind sie besonders schutzbedürftig.

Zurzeit werden im Rheintal viele Rehkitze gesetzt. In den ersten Lebenswochen sind sie besonders schutzbedürftig.

Bild: Archiv/ky

(ys) Die Rehe setzen (gebären) ihre Jungen meist am Waldrand oder im hohen Gras. Die grösste Gefahr stellt für die Rehkitze die Landwirtschaft dar: Oft werden die im Gras liegenden Rehkitze von Mähmaschinen getötet. «Nicht nur Rehe, auch Hasen sind dieser Gefahr ausgesetzt», sagt Mirko Calderara, der als Wildhüter des Kantons St.Gallen unter anderem für das Unterrheintal zuständig ist.

Die grösste Todesgefahr geht vom Mähen aus

Der erste Schutzreflex von Wildtieren ist es, sich zu ducken. Was dem Gejagten gegen Fressfeinde Zeit verschafft, ist als Strategie gegen die tödliche Gefahr der Maschinen nutzlos. Bisherige Versuche, Rehkitze mit sogenannt intelligenten Mähmaschinen zu orten, sind gescheitert – die Arbeit wird verunmöglicht, wenn jeder Maushügel anschlägt.

Dem Wildhüter werden selten Mähunfälle gemeldet. «Das hängt niemand an die grosse Glocke», sagt Calderara, «es ist nicht abschätzbar, wie hoch die Dunkelziffer ist.» Die zurzeit effizienteste Methode zum Schutz der Jungtiere sei der Einsatz von Drohnen, die aber erst in einzelnen Gemeinden im Kanton eingesetzt würden.

Auch achtlose Spaziergängerinnen und Spaziergänger können das Leben der Rehkitze gefährden. Wichtigste Verhaltensregel:

«Nie ein Rehkitz anfassen!»

Der Geruch des Menschen kann dazu führen, dass das Junge von der Mutter nicht mehr angenommen wird.

Ein Rehkitz ist nicht allein, es hat eine Mutter

Auch wenn ein junges Reh scheinbar allein im Gras liege: «Es ist nicht allein, es hat eine Mutter», sagt Calderara, «wenn es in Gefahr ist, fängt es an zu fiepsen, und die Mutter ist nullkommaplötzlich bei ihm.» Deshalb sei es angezeigt, das Rehkitz an seinem Platz zu belassen. Und sich ihm überhaupt nicht zu nähern:

«Alles, was Stress verursacht, kann dem Tier schaden.»

Ein wehrlos in der Wiese liegendes Rehkitz wäre eine leichte Beute für Füchse, wenn es nicht einen natürlichen Schutz hätte: Es verströmt in den ersten zwei Lebenswochen keinen Eigengeruch. Das schützt Jungtiere auch vor streunenden Hunden, die ebenfalls der Nase nach jagen: «Allerdings kann es sein, dass ein sich im Gras tollender Hund dennoch auf ein Rehkitz trifft.» Deshalb rät Calderara Hundebesitzern, ihren Vierbeiner an die Leine zu nehmen, «wenn sie nicht absolut darauf vertrauen können, dass der Hund auf Kommando gehorcht.»