Stadtpräsidiums-Wahl Rheineck: Der unermüdliche Kämpfer aus der Mitte mit Tendenz nach rechts

«Man kann alles lernen», sagt Marco Ramsauer, der Stadtpräsident werden möchte. Rheineck würde er wie eine Firma führen – «unter dem Strich muss es stimmen».

Gert Bruderer
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Marco Ramsauer, in Rheineck Hafenmeister seit Anfang Jahr, kandidiert fürs Stadtpräsidium, obschon die überparteiliche Findungskommission ihn nicht zur Wahl vorschlägt. Ramsauer findet: «Manchmal muss man etwas wagen», wobei er seinen Wahlkampf auch als Kampf gegen die Findungskommission versteht. Der 43-Jährige sagt, er sei sehr volksnah, und er gehe gern auf Menschen zu. (Bild: Gert Bruderer)

Marco Ramsauer, in Rheineck Hafenmeister seit Anfang Jahr, kandidiert fürs Stadtpräsidium, obschon die überparteiliche Findungskommission ihn nicht zur Wahl vorschlägt. Ramsauer findet: «Manchmal muss man etwas wagen», wobei er seinen Wahlkampf auch als Kampf gegen die Findungskommission versteht. Der 43-Jährige sagt, er sei sehr volksnah, und er gehe gern auf Menschen zu. (Bild: Gert Bruderer)

Der 43-Jährige interessiert sich für Julius Cäsar und schaltet nur selten den Fernseher ein. Lieber liest der Metzger, der als Subunternehmer vierzig Mitarbeiter führt. Zu römischer und griechischer Geschichte hat er viele Bücher, andere haben betriebswirtschaftliche Themen oder betreffen die Philosophie. Schaut er zwischendurch doch einmal fern, interessieren ihn Dokus auf 3-Sat, die Tagesschau, DRS aktuell und die «Arena».

Während Metzgerlehre hat er auch serviert

«Ich fühle mich fit, sehr fit sogar», sagt der parteilose Doppelbürger von Buchs und Herisau, ein Heimweh-Ostschweizer, der sich mit «jahrelanger Auswärtsschafferei» und Weiterbildung hochgearbeitet hat und der unter der Woche täglich Krafttraining macht. Er mag italienische Küche, Musik, und ist, obschon in Buchs daheim, seit Anfang Jahr Hafenmeister in Rheineck. Für die Zeit von April bis September könnte er «einen Briefkasten am Hafen montieren».

Als Marco Ramsauer sich Mitte März im «Hecht»-Saal der Wählerschaft vorstellt, beginnt er mit seiner Mutter. Als Küchenhilfe kam sie nach Buchs, bei ihr wuchs er auf, unehelich und glücklich, wie er sagt.

Die Metzgerlehre führte ihn nach Balgach, und mit 18 hatte er in Grabs ein Zimmer. Weil der Stiftenlohn gerade für die Miete reichte, waren seine Wochenenden zum Servieren da. Nach Wangs war Landquart seine vierte Station, dort hatte es der junge Mann bei einem alten Metzger schwer. Ramsauer sagt, er habe kämpfen müssen, um gehört zu werden. Heute kämpft er ebenfalls, «es ist ein Kampf gegen die so genannte Findungskommission», die ihn nicht vorgeschlagen hat, er kämpft mit seinen Helfern, seinem «Heer», denn «manchmal muss man etwas wagen».

«Gesunde Mitte, mit Tendenz nach rechts»

Die Mutter seiner Mutter, die Oma also, hatte sieben Kinder und arbeitete, als Marco Ramsauer zur Welt kam, in einer Medikamentenfabrik in Egg im Akkord.

«Da sehen Sie, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm», sagt der akkorderprobte Bootsbesitzer, von dem ein Onkel, SVP-Vertreter, als Gemeinderat in Egg zu Hause ist. Ramsauer selbst vertritt die Ansicht, die Partei des Onkels überspanne dann und wann den Bogen gegen rechts, das gleiche mache, halt nach links, die SP.

Er selbst, bemerkt er, schätze «die gesunde Mitte, mit Tendenz nach rechts», so dass er sich politisch zwischen FDP und SVP angesiedelt sieht. Sind Ausländer das Thema, mit denen er im Berufsalltag grossmehrheitlich zu tun hat und die er als Arbeiter schätzt, blitzt unvermittelt die Haltung der SVP auf.

«Das Rathaus gehört dem Volk»

Vor Publikum spricht Marco Ramsauer mit fester Stimme. Gefragt, wie sein Verhältnis zu den Bürgern sei, entgegnet er: «Ich bin sehr volksnah, gehe gern auf Leute zu.» Er wiederholt den Satz bei anderer Gelegenheit.

Falls er als Präsident im Rathaus sitze, halte er die Tür geöffnet – «’s Rothuus ghört nöd dene, da ghört em Volk». Und dann, gerichtet an die Frau, die ihm die Frage stellte, sagt er lächelnd: «Wenn i Stadtpräsident werd, chömmed Sie als erschti.»

Seine Gattin, die wie er als Metzgerin den Lebensunterhalt bestreitet, hat das Lächeln auf dem Flyer kritisch kommentiert. Das Foto zeige zwar ein schönes Lächeln, doch «das bist nicht du», hat sie zu ihrem Mann gesagt. Dabei legt der besonders Wert darauf, auch wirklich so zu wirken, wie er ist.

«Akkordmetzger sind wie Gladiatoren»

Indem er einmal sagt: «Sie kennen sich da besser aus als ich», gesteht er eine Wissenslücke ein. Und keck von jemandem nach seiner Familienplanung gefragt, antwortet er frei heraus: «Wenn i gwählt werd, mached mer Chind.»

Ramsauers Alltag beginnt mit der Eingangskontrolle des Rohmaterials, umfasst die Eingliederung in Produktion und Zerlege-rei, die Zuständigkeit für alle eingehenden Bestellungen, die termingerechte Erledigung, die Verantwortlichkeit für Labeltrennung und Rückverfolgungsgarantie sowie die Führung des Personals in der eigenen Ramsauer Metzgerei Dienstleistungen AG.

Für Mitarbeitergespräche, Problem- und Konfliktlösung hatte sich der technische Kaufmann mit Weiterbildungen in Projektmanagement und Leadership vorbereitet.

Mit 25 übernahm Marco Ramsauer die Akkordkolonne und als stellvertretender Abteilungsleiter konnte er 2016 die Akkordler und Festangestellten zusammenführen, seither ist er deren Chef.

«Zwei Welten trafen aufeinander», sagt der Kandidat, Akkordmetzger seien wie Gladiatoren, «eine wilde Truppe, aber die stehen loyal hinter dir».

«Ich bin unermüdlich»

Ist Marco Ramsauer, ein Mann ohne jegliche politische Erfahrung, fürs Präsidentenamt wirklich geeignet?

Er überlegt länger, blickt nach oben, sagt: «Ich bin überzeugt, dass ich es kann, weil ich unermüdlich bin. Ich weiss, ich werde viel zu tun haben, aber das macht es erst interessant.»

Er nimmt noch einen Schluck Kaffee, es sei bestimmt der zehnte heute, und erklärt: «Was ich nicht weiss, dem gehe ich nach.»