Diepoldsau
Für 600'000 Franken: Der Tratthof soll saniert werden

Den bevorstehenden Pächterwechsel möchte die Ortsgemeinde Diepoldsau zur Sanierung des Tratthofs nutzen.

Andrea C. Plüss
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1963 zog der jetzige Pächter, Peter Kuster, mit seinen Eltern auf den Tratthof, den er Ende der 80er-Jahre übernahm.

1963 zog der jetzige Pächter, Peter Kuster, mit seinen Eltern auf den Tratthof, den er Ende der 80er-Jahre übernahm.

Bild: Andrea C. Plüss

Der Ortsverwaltungsrat unterbreitet den Stimmberechtigten am 13. Juni das Sanierungsprojekt zur Abstimmung. Beantragt wird ein Investitionskredit in Höhe von 600'000 Franken. Davon 100'000 Franken aus Eigenmitteln der Ortsgemeinde.

Im Zusammenhang mit dem Pächterwechsel, der im kommenden Jahr ansteht, hat der Ortsverwaltungsrat eine Zustandsanalyse der Gebäude in Auftrag gegeben. Dazu gehören ein Wohnhaus, der Laufstall und ein Maststall. Zudem holte der Rat die Expertise eines Agraringenieurs ein.

Komplettsanierung des Wohnhauses

Das Wohnhaus stammt aus dem Jahr 1960 und wurde 1975 erweitert. Abgesehen vom Einbau neuer Fenster und dem Ersatz der Heizung (2011) sind seitdem vonseiten der Ortsgemeinde keine Investitionen getätigt worden. Die Bausubstanz ist gut. Nun soll das Haus zeitgemäss erneuert werden. Vorgesehen sind eine neue Küche sowie neue Sanitär- und Elektroanlagen.

Die bestehende Ölheizung, die der langjährige Pächter Peter Kuster mit einer Holzheizung ergänzte, möchte der Ortsverwaltungsrat durch eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe ersetzen, die zusammen mit einer energetischen Sanierung der Gebäudehülle als zeitgemässe Alternative betrachtet wird.

Anschluss ans Trinkwassernetz

Als letzter Bauernhof auf dem Gemeindegebiet von Diepoldsau soll der Tratthof an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen werden. Bislang versorgt sich der Hof selbst mit Grundwasser, das in der hofeigenen Anlage aufbereitet wird. 2008 sei das Wasserrecht für die Ortsgemeinde um 20 Jahre verlängert worden, erläuterte Präsident Beat Hutter am Informationsanlass vom Donnerstagabend, er könne sich jedoch vorstellen, dass der Nutzungsumfang von 1000m3/Jahr bereits jetzt überschritten werde.

Der Anschluss ans Trinkwassernetz ist mit etwa 300000 Franken veranschlagt, wovon 75000 Franken von der Ortsgemeinde zu übernehmen wären und bereits im Investitionskredit von 600000 Franken enthalten sind. Die politische Gemeinde wird sich mit 150000, die Gebäudeversicherung mit 75000 Franken an den Gesamtkosten beteiligen.

Der im Jahr 1994 zu einem Laufstall ausgebaute Kuhstall entspricht den aktuellen Vorschriften. Kurzfristig sind dort keine grösseren Investitionen vorgesehen, lediglich punktuelle kleinere Reparaturen. Mittelfristig, in etwa zehn Jahren, könnten die Eternitplatten des Daches und der Wände ersetzt werden. Dies sei allenfalls auch in Etappen möglich, so Hutter.

Das älteste Hofgebäude, der Maststall, ist in schlechtem baulichen Zustand, sodass die Ortsgemeinde hier von Investitionen absieht. Der Holzbau entstand um 1880 als Güterschuppen am Bahnhof Heerbrugg. Dort wurde er in den 1920er Jahren demontiert und am jetzigen Standort wieder aufgebaut. Bevor das Wohnhaus entstand, diente der Schuppen den Bauern als Unterstand für Tiere. Sofern die Betriebsausrichtung zusätzliche Gebäude erfordere, könne der Pächter diese, in Absprache mit dem Ortsverwaltungsrat, auf eigene Kosten im Rahmen eines Baurechts erstellen lassen.

Finanziell nicht überborden

Der Ortsverwaltungsrat habe beim zur Abstimmung stehenden Projekt nicht alle finanziellen Möglichkeiten ausreizen wollen, so der Ortspräsident auf Fragen aus dem Plenum, warum man nicht eine ästhetisch ansprechendere Holzfassade ins Auge gefasst habe oder warum keine Photovoltaikanlage installiert würde. (Für eine solche werden jedoch Leerrohre eingezogen, um diese je nach Ausnutzung des Kostenrahmens bei der Sanierung oder später realisieren zu können). Mit dem erhöhten Pachtzins nach dem Pächterwechsel könne problemlos die Hypothek bedient werden, versicherte Beat Hutter. Die Sanierung diene der Werterhaltung des Objekts, das sich, gesetzt den Fall, sogar schlicht als Wohnhaus vermieten liesse.

So geht’s weiter Sofern die Ortsbürger dem Sanierungsprojekt am 13. Juni zustimmen, sieht der Zeitplan wie folgt aus: Juli: Baueingabe, September: Arbeitsvergaben, ab August bis Dezember: Anschluss ans Wassernetz der Gemeinde, Dezember: Übernahme vom alten Pächter, Januar 2022: Beginn Umbauarbeiten, Juli: neue Pächterfamilie zieht ein.