Der Schatz unterm Kirchendach

ALTSTÄTTEN. Im Dachstuhl der katholischen Kirche Altstätten lagern an die 20 Heiligenfiguren, die man der Öffentlichkeit zugänglich machen will. In einem Schaudepot will man sie ins beste Licht stellen. Damit wird auch der Dachstuhl selbst, ein Meisterwerk der Zimmermannskunst, Beachtung finden.

Max Tinner
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Herz-Jesu, St. Nikolaus & Co. An die 20 Heiligenfiguren lagern unterm Dach der katholischen Kirche und fristen hier ein Mauerblümchendasein. (Bild: Max Tinner)

Herz-Jesu, St. Nikolaus & Co. An die 20 Heiligenfiguren lagern unterm Dach der katholischen Kirche und fristen hier ein Mauerblümchendasein. (Bild: Max Tinner)

An die 20 Heiligenfiguren, manche kaum einen halben Meter hoch, andere fast lebensgross, sind im Dachstuhl der katholischen Kirche in einem Kabäuschen eingelagert. «Jammerschade», findet Werner Ritter. Für den Juristen und Präsidenten der Geschäftsprüfungskommission der Katholischen Kirchgemeinde Altstätten sind die Figuren so wertvoll, dass sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden sollten. Umso mehr freut er sich, dass der Kirchenverwaltungsrat beabsichtigt, ein Schaudepot bauen zu lassen, in dem die Figuren Interessierten bei Führungen im besten Licht gezeigt werden können.

Sie versilbern, wäre eine Sünde

Der Wert der Heiligenfiguren ist vor allem immaterieller Natur. Was sie in Franken und Rappen wert sind, lässt sich nicht beziffern. Die Figuren sind wohl in den Inventaren der Kirchgemeinde aufgeführt und dokumentiert, aber nicht in Franken und Rappen bewertet. Auch versichert sind sie lediglich im Rahmen des gesamten Kirchenschatzes, sagt Gebhard Buschor, der als Kirchenpfleger im Kirchenverwaltungsrat für solche finanzielle Aspekte zuständig ist. Es gebe wohl Preise, zu denen solche Figuren gelegentlich innerkirchlich gehandelt würden, erklärt Werner Ritter, und auch ihr kunsthistorischer Wert könnte geschätzt werden, aber nur mit einigem Aufwand. Denn fast alle der Figuren wurden einmal oder mehrfach übermalt, ganz der Mode der jeweiligen Zeit entsprechend und nicht immer fachgerecht. Besser zu Zeiten, in denen ausreichend Geld zur Verfügung stand, aus heutiger Sicht fahrlässig in eher mageren Zeiten. Darum lässt sich auch das Alter nicht ohne Weiteres feststellen. Im Allgemeinen habe Altstätten aber stets Geld für hochwertige Figuren gehabt. Genau will Werner Ritter es aber ohnehin nicht wissen. «Die Figuren zu versilbern, wäre eine Sünde», sagt er.

Unsere Kultur verstehen lernen

Stattdessen hofft er, dass sich die Bevölkerung im Rheintal anhand dieser Figuren ihrer eigenen Kultur bewusst wird. Denn erst mit dem Wissen aus der Religionsgeschichte könne man viele Aspekte unserer Kultur erst verstehen. «Ob man nun religiös ist oder nicht», betont Ritter. Heute, wo sich viele vor dem Islam fürchteten, sei das nötiger denn je: «Wie will man unsere Religion behaupten, wenn man noch nicht einmal ihre Geschichte kennt?»

Heilige des Monats

Aber auch Ritter ist nicht dafür, dass die Kirche mit Heiligenfiguren verstellt wird – so gross sie auch ist. Viel besser gefällt ihm die Idee Pfarrer Albert Wickis, einzelne Figuren für einige Wochen in die Kirche herabzuholen, quasi als Heilige des Monats. Weniger Freude daran hätte vielleicht Mesmer Peter Thür, denn die grösseren Figuren sind nicht nur lebensgross, sondern auch entsprechend schwer. Und der Aufgang im Turm in den Dachstuhl ist eng und steil. Da kann ihm das Schaudepot im Dachstuhl nur recht sein.

Ein Meisterwerk des Holzbaus

Damit käme auch der Dachstuhl selbst zu verdienten Ehren: Die Holzkonstruktion des Altstätter Baumeisters Johann Jakob Haltiner ist baugeschichtlich hochinteressant und findet in Fachkreisen grösste Beachtung.