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Der Rhein ist kein Wiesenbächlein

Beim zurzeit niedrigen Wasserstand macht es den Anschein, als könnte man über Kiesbänke und Niedrigwasserbereiche leicht den Rhein durchqueren. Das Rheinunternehmen warnt davor, es zu versuchen.
Max Tinner
Der Rhein bei Rüthi: Bei dem aktuell niedrigen Wasserstand rieselt der Fluss über breite Kiesbänke. Doch gleich daneben gibt es mannstiefe Rinnen mit starker Strömung. (Bild: Wisi Langenegger)

Der Rhein bei Rüthi: Bei dem aktuell niedrigen Wasserstand rieselt der Fluss über breite Kiesbänke. Doch gleich daneben gibt es mannstiefe Rinnen mit starker Strömung. (Bild: Wisi Langenegger)

Das seit Wochen überwiegend trockene Herbstwetter hat auch den Wasserstand im Rhein zurückgehen lassen. Als tiefsten Wert der letzten sieben Tage hat die automatische Messstation bei der Rietbrücke auf Höhe Diepoldsau am letzten Sonntag kurz vor 11 Uhr am Mittag lediglich noch einen Durchfluss von 82 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gemessen. Das entspricht in etwa dem minimalen Tagesmittel im Herbst 2003, als es den ganzen Sommer nicht geregnet hatte.

Ob dem Zufluss der Ill bei Rüthi dürfte es einige Zeit zuvor entsprechend weniger gewesen sein. Hier mäandriert der Rhein momentan zwischen hoch aus dem Wasser heraus ragenden Kiesbänken hindurch. Manchenorts scheint er seicht über Kiesbänke zu rieseln. «Mit rechten Stiefeln und an geeigneter Stelle käme man womöglich trocken von einem Ufer zum andern», mutmasste ein Rheintaler am Sonntagnachmittag am Wirtshaustisch.

Es nur schon zu versuchen, kann einen das Leben kosten

Aber der Rhein ist kein Wiesenbächlein. Claudio Senn, der stellvertretende Leiter des Rheinunternehmens, warnt mit Nachdruck davor, solches überhaupt nur zu versuchen: «Durch den Rhein zu waten ist niemals möglich und extrem gefährlich.» Selbst wenn der Rhein über einen Teil seiner Breite quer über Kiesbänke riesle, gebe es gleich daneben mannstiefe Rinnen. Hier herrsche eine starke Strömung, welcher niemand standhalte. Danach lähme die Wassertemperatur von nicht mehr als zehn Grad Celsius die Muskulatur. Man ertrinke. Nur schon der Versuch, bei Niedrigwasser durch den Rhein zu waten, kann einen also das Leben kosten.

Der niedere Wasserstand sei auch nicht ungewöhnlich, fügt Claudio Senn an. Bei einer längeren Schönwetterperiode komme es immer wieder dazu, besonders im Herbst, wenn bei vereinzelten Schlechtwettertagen dazwischen die Niederschläge in der Höhe bereits als Schnee liegen bleiben. Auch die Auswertung der Daten der Messstation bei Diepoldsau zeigt, dass die diesjährigen Tagesdurchschnittswerte für die Abflussmenge ziemlich genau dem Durchschnitt der letzten 30 Jahre entsprechen – bis hin zu den aktuellen Werten. Mit zeitweisen Abweichungen, versteht sich. Die grösste Abweichung ergab sich beim Hochwasser von Mitte Juni, das eines der vier stärksten der letzten 30 Jahre war. Vielleicht erscheint einem der aktuelle Niedrigwasserstand ja auch deshalb dermassen aussergewöhnlich.

Rhein-Messstation Diepoldsau: www.hydrodaten.admin.ch/de/2473.html

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