Der Regen zieht viele Schnecken an

Schleimig, gefrässig und ein rotes Tuch für Gärtner – die Spanische Wegschnecke frisst sich derzeit wieder massenhaft durch Beete mit Kopfsalat, Blumen und Gemüse.

Susi Miara
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Im Schutz der Dunkelheit machen sich ganze Schnecken-Horden auf den Weg in die Gärten. (Bild: Rahel Friedauer)

Im Schutz der Dunkelheit machen sich ganze Schnecken-Horden auf den Weg in die Gärten. (Bild: Rahel Friedauer)

Der nass-kalte Juli kommt der Nacktschnecke besonders zugute. «Je feuchter der Untergrund, desto schneller kann sie kriechen», erklärt Johannes Greiner, Technischer Berater bei der Syngenta Agro AG in Dielsdorf. Knapp 90 Prozent der Schäden in Gemüsebeeten könne man der Spanischen Wegschnecke zuschreiben. Sie wurde in den 60er-Jahren in die Schweiz eingeschleppt und hat hier fast keine natürlichen Feinde. Kröten, Vögel und Igel, die sonst gerne Schnecken vertilgen, machen einen Bogen um den Kriecher. Dieser sondert nämlich so viel Schleim ab, dass die Nützlinge daran ersticken würden.

Grosse Schäden richten aber auch die Nachtschnecken an. «Die 0,5 bis ein Zentimeter grossen Schnecken leben unter der Erde und kommen nur nachts zum Fressen», erklärt Greiner. Ein paar Exemplare schaffen problemlos in nur einer Nacht einen kleinen Kopfsalat .

Bis 400 Eier pro Jahr

Schnecken bestehen zu 85 Prozent aus Wasser, können ihren Feuchtigkeitshaushalt jedoch nicht aktiv regulieren. Deshalb sind sie nur bei ausreichender Luftfeuchtigkeit oder Regen aktiv. So verlassen sie ihren Unterschlupf nur nachts oder aber an Regentagen. Tagsüber verstecken sie sich in Spalten im Boden, unter Bodenkluten, unter Steinen, in dichten, feuchten Pflanzenbeständen, unter Blättern, die auf dem Boden liegen, oder in feuchten Komposthaufen. Sie sind jedoch nicht in der Lage, sich aktiv in den Boden einzugraben.

Schnecken sind Zwitter, befruchten sich aber nicht selbst. Zuerst sind alle Schnecken männlich. Die Männchen tauschen untereinander Samenpakete aus. Danach entwickeln sich die Schnecken zu Weibchen und die dann gebildeten Eier werden mit dem Samen des anderen Männchens befruchtet. Die Eiablage erfolgt in Häufchen von 50 bis 70 Stück in die Erde oder an anderen Orten, die vor Austrocknung geschützt sind. Je nach Art bilden Schnecken ein oder zwei Generationen pro Jahr und können bis zu 400 Eier legen. Die Überwinterung erfolgt als Schnecke oder als Eigelege. Bereits bei vier bis fünf Grad werden Schnecken wieder aktiv.

Schnecken bekämpfen

«Es gibt über 100 Hausrezepte, wie man die Schnecken bekämpfen kann», sagt Johannes Greiner. Die bewährteste Methode ist, die Schnecken am Abend, frühmorgens und an Regentagen einzusammeln. Um mit einem Schlag gleich 20 bis 30 Schnecken einsammeln zu können, hat sich die Salat-Falle bewährt: Abends einzelne Salatblätter unter einem nassen Sack im Garten «verstecken» und einfach abwarten.

Schon am nächsten Tag haben sich unter dem Sack viele Schnecken versammelt. Die vollgefressenen Tiere können einfach eingesammelt werden. Von Bier-Fallen raten Experten ab. Diese locken zwar massenhaft Schnecken an, die dann in das Bier hineinfallen und ertrinken. Doch leider zieht der Geruch auch die Schnecken aus benachbarten Gärten an und vergrössern damit eher das Problem.

Eine weitere Alternative sind spezielle Schnecken-Zäune, mit denen man die Beete schützen kann. Aber Achtung! Auch der beste Zaun bringt nichts, wenn im Beet noch einzelne Schnecken leben und sich vermehren.

Indische Laufenten

Immer mehr Gartenbesitzer schaffen sich Indische Laufenten an. Mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn stöbern Enten die Nacktschnecken in ihren Tagesverstecken auf und tragen sie dann zum Wasser, wo sie gierig verschlugen werden. Das Wasser ist wichtig, damit die Enten die Schnecken waschen können und nicht an ihnen ersticken.

Besser vorbeugen

Es gibt auch einige Möglichkeiten, der Schnecken-Invasion im Garten vorzubeugen. Die Trockenheit ist der grösste Feind der Schnecken. Deshalb sollte man um die gefährdeten Pflanzen herum den Boden häufig hacken, ihn möglichst offen halten und nur dünn mulchen. So kann die Erde immer wieder trocknen. Weil die Schnecken nachtaktiv sind, hilft auch, die Pflanzen nur morgens zu giessen. Am besten nur um die Pflanzen herum, damit die Schnecken keine feuchte Flächen vorfinden.