«Der Präsident ist immer schuld»

THAL. In Thal stehen derzeit einige Projekte an: Die Entwicklung des Arena-Areals mit Einkaufszentrum und Feuerwehrdepot, ausserdem weitere Hochwasserschutz-Massnahmen. Auf Eis gelegt wurde jedoch der Umbau des Rathauses. Ein Gespräch mit Gemeindepräsident Robert Raths.

Andrea Sterchi
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«Ja.» Kurz und bündig, ohne eine Spur des Zögerns antwortet Robert Raths auf die Frage, ob Gemeindepräsident sein Traumjob ist. «Ich bin ein Generalist, deshalb entspricht mir das Amt», ergänzt er doch noch. Trotz der Kritik, der er stets ausgesetzt ist? Raths winkt ab. «Der Gemeindepräsident hat immer Schuld. Das ist einfach so.» Wie kürzlich bei der offiziellen Freigabe des Allwetterplatzes auf dem Bützel. Mit dem FC Staad sei ausgemacht gewesen, dass die Schüler bei schlechtem Wetter vorher auf den Platz dürfen. «Der Veranstalter entschied dann dagegen, zu hören war aber <Raths ist schuld>», erzählt er. Man lerne mit der Kritik umzugehen, es komme immer auf die Situation an.

Auch die erwartete ständige Erreichbarkeit stört ihn nicht, sein Handy schaltet er nie aus. «Die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern macht mir Spass», sagt er. Sein Büro im Rathaus – extra im Erdgeschoss – steht allen offen. «Egal wer kommt – vom Schüler bis zum Badigast, der Probleme mit der Eintrittskarte hat.» Auch setzt er sich in der Znünipause gerne zu den Arbeitern am Stammtisch und nimmt in Kauf, dass er den einen oder anderen Spruch zu hören bekommt. Er könne sich schon wehren, sagt er mit einem Augenzwinkern. Diesen direkten Kontakt mag er nicht missen. Ein Wechsel in den Regierungsrat kommt für ihn darum nicht in Frage. «Kantonsrat ja, in die Regierung aber will ich nicht», sagt er entschieden.

Steuern im Eilschritt gesenkt

Zufrieden ist er auch mit der Entwicklung seiner Gemeinde. Besonders die gute Finanzlage macht ihm Freude. Der Steuerfuss liegt heute bei 114 Prozent, damit rangiert Thal unter den fünf steuergünstigsten Gemeinden der Region. Und an erster Stelle, wenn es um Steuersenkungen geht. In den vergangenen fünf Jahren konnte Raths den Steuerfuss um 28 Prozent senken. «Gleichzeitig haben wir das Eigenkapital gestärkt und die Verschuldung abgebaut. Von 35 Millionen Franken im Jahr 2003 auf heute 14,5 Millionen.» Gelungen sei das, weil man den Finanzen Sorge getragen und klug investiert habe. Zudem habe sich der neue Finanzausgleich positiv für Thal ausgewirkt. «Und wir hatten Glück. Es sind gute Steuerzahler zugezogen, bei den einfachen und bei den juristischen Personen.» Klug will auch die Zukunft Thals geplant werden. Etwa die Entwicklung des Arena-Areals, das die Gemeinde vor zwei Jahren gekauft hat. Lange schien es hier nicht vorwärtszugehen. Jetzt aber sind die Bagger am Werk, derzeit wird das Areal im Innern mit einer Strasse erschlossen. «Der Abbruch der ehemaligen Discothek ist in den nächsten Wochen geplant», sagt Raths. Die Zima AG treibe ihr Einkaufszentrum-Projekt voran und einheimische Gewerbler hätten Interesse an Bauland bekundet. «Ich bin soweit zufrieden», sagt Raths hierzu, auch wenn hier noch nichts Konkretes unterschrieben sei. «Bis das Grundstück bereit für die Bebauung ist, braucht es Zeit, da spielt vieles mit.» Mitten in der Planung steckt dafür das neue Depot der fusionierten Feuerwehr Rheineck-Thal-Lutzenberg. Im Idealfall wird 2017 gebaut.

Wichtige Bachsanierungen

Mehr Sorgen bereiten Robert Raths die Bäche. Das Hochwasser im Herbst 2002 zeigte deutlich, wo Handlungsbedarf besteht. Die Sanierungsarbeiten am Dorfbach beginnen voraussichtlich nach den Sommerferien. Das Projekt zur Sanierung des Frei- und des Gstaldenbachs haben der Gemeinderat Thal und der Stadtrat Rheineck in Zusammenarbeit mit der Wasserbau-IG wieder aufgenommen. «Wir müssen etwas machen. Die Lage ist kritisch, die Bauwerke haben ihre Lebensdauer längst erreicht», sagt Raths. Sofortmassnahmen sind beim Steinlibach nötig. Bei den starken Regenfällen im Juni sei er auf eine bedrohliche Höhe angeschwollen. Und auch der Krennenbach muss saniert werden.

Auf Eis gelegt wurde vorerst der Umbau des Rathauses. «Derzeit fehlen uns schlicht die Ressourcen dafür», sagt Raths. Abgeschlossen ist für ihn auch der Ausbau der Sportanlage Bützel. Eine weitere Etappe sei in den nächsten fünf bis zehn Jahren kein Thema. «Die Erstellung des Allwetterplatzes und der Bühnenanbau waren wichtige Projekte. Jetzt geniessen wir diese zuerst einmal.» Bauland soll in nächster Zeit ebenfalls keines eingezont werden. «Auch wenn wir gemäss Raumplanungsgesetz noch rund eine Hektare haben», sagt Raths.

Marienburg nicht Dorfgespräch

Wie es mit der Marienburg weitergehen wird, weiss Robert Raths nicht. Bis Ende Jahr beherbergt sie im Rahmen des Pilotprojektes des Bundes Flüchtlinge, vornehmlich aus Syrien. Gesprächsthema in der Gemeinde seien diese kaum, sagt Raths. Das führt er vor allem auf die Informationspolitik der Gemeinde zurück. «Es ist wichtig, dass wir aktiv informieren. Wir müssen die Leute und ihre Befürchtungen ernst nehmen. Deshalb steht eine transparente Kommunikation an erster Stelle. Das schafft Vertrauen», sagt er.

Schulrat hat Vertrauen verspielt

Vertrauen verloren hat hingegen der Schulrat im vergangenen Jahr. Dies, weil sich der abtretende Schulpräsident Heinz Herzog und dessen Stellvertreter Michael Fitzi aktiv gegen den Lehrplan 21 engagieren. Zur Situation möchte sich Robert Raths nicht äussern. «Die Schulbehörde befindet sich derzeit aufgrund der personellen Veränderungen im Umbruch», sagt er nur. Den Vertrauensverlust bedauere er sehr. «Das Vertrauen in die Behörde ist das Wichtigste. Daran muss man arbeiten.» Für ihn ist dieses denn auch der Schlüssel, dass Thal als Einheitsgemeinde funktioniert, obwohl sie aus drei Dörfern besteht. «Ohne Vertrauen gewinnt die Behörde keine Abstimmung. Verliert der Gemeinderat eine Abstimmung, müssen alle Alarmglocken läuten.»

Die nächste Abstimmung ist noch fern. Jetzt plant der Gemeindepräsident erst mal Ferien am Achensee mit seiner Partnerin und deren Kinder. Danach verbringe er einige freie Tage zu Hause mit Velofahren, Schwimmen und Wandern. «Ganz unspektakulär.»

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