Der Parkplatz ist zu leer

Das drohende Ende des Mineralheilbads beschäftigt seine Gäste. An einem Donnerstagmorgen sind das vor allem Rentner, die seit Jahrzehnten kommen. Sie baden ihre Problemstellen.

Samuel Tanner
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Zu viele Parklücken: Blick auf das Mineralheilbad in St. Margrethen. (Bild: Samuel Tanner)

Zu viele Parklücken: Blick auf das Mineralheilbad in St. Margrethen. (Bild: Samuel Tanner)

ST. MARGRETHEN. Die Gäste sehen das so: Der Heilbad-Parkplatz ist einfach zu leer! Josef Eicher steht zwischen den Autos, schüttelt den Kopf und misst mit den Armen die Parklücken aus. Er sieht aus, als könne er das alles nicht richtig verstehen.

Seit zwanzig Jahren besucht Herr Eicher das Mineralheilbad in St. Margrethen; dass es bald schliessen soll, glaubt er aber nicht. Die Gemeinden haben doch sonst auch Geld für viele Dinge, sagt er, etwa für die vielen Tempo-30-Zonen, die es gibt.

Bis vor zwei, drei Jahren musste sich Herr Eicher seinen Parkplatz immer suchen. Heute, sagt er, gibt es immer einen Parkplatz. Und sogar relativ nahe am Bad.

Es ist kurz nach halb zehn an diesem Donnerstagmorgen, seit der Schockmeldung vom voraussichtlichen Ende sind zwei Tage vergangen, aber hier, auf dem Parkplatz vor dem Bad, ist vieles wie in den letzten zwanzig, dreissig Jahren. Die Rentner parkieren ihre Autos, nehmen ihre Sporttaschen vom Rücksitz und spazieren zum Badeingang.

Die Geschwister vom Empfang

So auch Josef Eicher, 82, wohnhaft in Balgach. Er ist Badegast seit zwanzig Jahren, er löst immer ein Zehnerabonnement und kommt wöchentlich – von Oktober bis März. Im Sommer hat er ein Stück Riet, das gepflegt sein will. Herr Eicher sagt: Das Bad ist wichtig für die Region, die Gemeinden müssen jetzt zusammenstehen und ihren Beitrag leisten.

Als er die Meldung gehört hatte, erschrak Herr Eicher kurz. Er kommt gerne, geniesst das gute Wasser, kennt die Leute. Zum Beispiel die Geschwister, die lange den Empfang hüteten.

Josef Eicher kommt aber vor allem nach St. Margrethen, um seinen Rücken zu baden und seinen linken Arm, der ihm nach einem Unfall mit dem Velo weh tut. Er sagt: Im Wasser funktionieren die Bewegungen viel besser, da geht alles ringer.

Josef Eicher tut sich schwer mit dem Gedanken an ein mögliches Ende des Bads. Ein Unternehmen, das sich seit Jahrzehnten auf seine Stammgäste stützen kann. Auf Leute wie Herrn Eicher.

Problematischer sieht es bei den Gästen aus Österreich aus – sie kommen nicht mehr so zahlreich, seit der Franken teurer ist. Das sagen die Betreiber; das bricht ihnen vielleicht das Genick. An Lothar und Gertrud Oberhammer kann es nicht liegen. Sie kommen an diesem Morgen aus Bregenz, Fahrtzeit: 20 Minuten. Und sie sagen: Wir kommen schon seit dreissig Jahren, fast jede Woche. Das Wasser tut einfach gut, es ist warm und enthält diese guten Mineralien.

Kundin: «So schade»

Ja, klar, auch die Oberhammers haben in letzter Zeit gemerkt, wie die Gäste immer weniger und die freien Parkplätze immer mehr wurden. Und dennoch waren sie überrascht, als sie in der Zeitung vom Ende lasen. Gerade beim letzten Besuch im Bad haben Oberhammers noch ihr Abonnement mit einigen Eintritten aufgeladen, sie haben das immer so gemacht, es kommt dann billiger.

Zwar hat der Mediensprecher zugesichert, dass entsprechende Guthaben bei einer Schliessung ausbezahlt würden, aber Herr und Frau Oberhammer wäre ein anderes Szenario lieber: Dass Badebesuche auch nach März des nächsten Jahres noch möglich sind. Es wäre so schade, sagt Gertrud Oberhammer, so schade.

Eine ältere Frau sieht das ähnlich, sie kommt von der Physiotherapie, sagt, es sei traurig und steigt in ihren Wagen. Sie möchte nicht viel mehr dazu sagen.

Als sie aus dem Parkplatz fährt, biegen gerade Hanspeter Weder und Peter Mayer ein. Der Besuch im Heilbad ist ihr Schlechtwetterprogramm. Man könnte auch sagen Kaltwetterprogramm.

Mayer, Balgach, und Weder, Altstätten, treffen hier in St. Margrethen auf zwei weitere Kollegen – früher einmal wohnten sie weit auseinander, in St. Gallen und sogar im Thurgau. Heute sind die Wege kürzer. Einer von ihnen sagt: Man hat vielleicht zu lange nichts gemacht, nichts investiert. Der andere sagt: Ja, vor allem in die Technik, die braucht wahrscheinlich zu viel Energie. Ist halt überall ein bisschen dasselbe.

Mayer und Weder waren auch schon bei der Konkurrenz in Unterrechstein, aber das ist lange her. In Zukunft, vermuten die beiden, werden sie vielleicht häufiger dahin fahren müssen. Dann ziehen sie los, es ist kalt auf dem Parkplatz vor dem Mineralheilbad. Als ihr Kollege auf den Parkplatz fährt, halten Mayer und Weder kurz an, der dritte im Bunde findet rasch einen Parkplatz.

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