Der Neustart ist geglückt

Das Rheintal hat seit einem Jahr ein «neues» eigenständiges Verlagshaus, die Rheintal Medien AG, und dieses Unternehmen hat nach einem bewegten Jahr seine erste Generalversammlung durchgeführt.

Gert Bruderer
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WIDNAU/BERNECK/ALTSTÄTTEN. Als wären zwei Generalversammlungen zu einer zusammengefasst worden – so muss es den Aktionären vorgekommen sein, als sie am Mittwoch den Saal im Metropol betraten. Die frühere «Volkszeitungsfamilie» und die frühere «Rheintalerfamilie» sind jetzt an ein und derselben Firma beteiligt, an der Rheintal Medien AG.

Das ist ein Konzern, der 245 Mitarbeitende und 24 Lernende beschäftigt und dieses Jahr über 50 Mio. Franken umsetzen wird. Ein Konzern, der regional stark verwurzelt ist, aber landesweit ausstrahlt und weit über eine halbe Million an Steuern abliefert.

Diesen Konzern zu durchschauen, seine Strukturen, sei gar nicht so leicht, meinte ein Aktionär an der Versammlung. Doch er dürfte mehr die Entwicklung der letzten Jahre gemeint haben, die Veränderungen, die so zahlreich waren, dass sie jeden Aussenstehenden verwirren mussten. Zeitungen wurden zusammengelegt, Akzidenzdruckereien, eine Änderung folgte der nächsten, und die Firma wechselte die Namen fast so oft wie Männer ihre Hemden.

Alles klar

Jetzt ist aber wieder alles klar, die Rheintal Medien AG gut aufgestellt und für das Wichtigste genügt ein Satz: Die Rheintal Medien AG mit je einer grossen Liegenschaft in Altstätten und Berneck gibt als Rheintaler Medienhaus die beiden Tageszeitungen «Der Rheintaler» und «Rheintalische Volkszeitung» heraus, besitzt die Firma galledia (mit Druckerei und Fachzeitschriften) zu hundert Prozent, ist am Altstätter Copydruck mit 70 Prozent beteiligt und betreibt seit August rheintaler.ch, die Online-Plattform der beiden Zeitungen.

Weil nun alles, was noch vor fünf Jahren unter zwei Dächern gewesen war, unter demselben Firmendach ist, hat sich die Zahl der Aktionäre verdoppelt. Gut 800 sind es heute, gut ein Viertel kam zur Generalversammlung. Im Saal standen nun allerdings nicht mehr jene grossen, runden, komfortablen Tische (an denen – zum Teil widerwillig, aber vernünftig – Fusionen besiegelt wurden), sondern erstmals lange Tischreihen wie bei einer Turnerunterhaltung. Man ist zwangsläufig näher zusammengerückt, um nun gemeinsam dem rauen Wind zu trotzen, der in dieser Branche seit Jahren zum Alltag gehört.

Sehr gut finanziert

Die galledia hat diesen Wind besonders zu spüren bekommen im letzten Jahr.

Sie litt unter dem Margenzerfall und dem Rückgang der Druckvolumen, hatte Fusions- bzw. Übernahmekosten und verfehlte ihr Budgetziel.

Zur Folge hat dies eine geschmälerte Dividende von 20 Franken pro Aktie, zu der galledia nichts beiträgt. Der eingeschlagene Weg sei dennoch richtig, sagte Verwaltungsratspräsident René Wuffli, die Ertragsverbesserung bei galledia anvisiert und das Budget der galledia-Druckerei im ersten Quartal des neuen Jahres bereits leicht übertroffen worden.

Mit den Zahlen aus dem Vorjahr ist die Jahresrechnung wegen der Veränderungen nicht vergleichbar. Unabhängig vom Vergangenen springt positiv sofort der Eigenfinanzierungsgrad ins Auge. Mit einer Eigenkapitalquote von 70 Prozent, gemessen an der Bilanzsumme, ist das Rheintaler Medienhaus sehr gut finanziert.

Im Zeitungsgeschäft sieht es so aus, als sei eine Talsohle erreicht. Zwar ging die Zahl der Abonnenten weiter zurück, aber mit 1,2 Prozent deutlich weniger stark als im landesweiten Vergleich. Und der (seit 2011 von 6,6 auf 5,4 Mio. Franken gesunkene) Anzeigenumsatz, der zu 76 Prozent in der Region erzielt wurde, hat sich seit Anfang Jahr zumindest im starken regionalen Markt kräftig nach oben entwickelt – um 9 Prozent.

Der Copydruck, der Kleindrucksachen herstellt, hat die Erwartungen im letzten Jahr erfüllt und dieses Jahr bis Ende April um 15 Prozent zulegen können. Nach wie vor befindet sich der Copydruck in der Liegenschaft der ehemaligen rva in Altstätten. Nicht mehr hier ist die grosse Akzidenzdruckerei mit ihren grossen, schweren Druckmaschinen. Auch in den Räumen der ehemaligen rdv-Akzidenzdruckerei stehen keine solchen Druckmaschinen mehr. Die ganze schwere Technik der ehemaligen rva und rdv ist heute in Flawil untergebracht und gehört der Tochterfirma der Rheintal Medien AG, der galledia. Der viele frei gewordene Raum in Altstätten und Berneck wird künftig vermietet. Für die Altstätter Liegenschaft sind die Verträge grösstenteils schon unterzeichnet, und an der Produktionshalle in Berneck hat jemand ernsthaftes Interesse.

Online stark werden

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Rheintaler Medienhaus hat eine bewegte Zeit hinter sich, hat zahlreiche Veränderungen zu einem guten Abschluss gebracht und steht nun auf drei starken Säulen – mit Tageszeitungen, rheintaler.ch und Copydruck im regionalen Markt, mit galledia als schweizweit führendem Anbieter im Bogendruck und mit dem galledia-Fachverlag mit seinen über 20 Titeln. Diese starke Position will die Rheintal Medien AG nutzen, um in den nächsten Jahren aus dem bestehenden Geschäft heraus das zukunftsgerichtete Online-Geschäft auf- und auszubauen.

• GV RHEINTAL MEDIEN AG 3

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