Der Nazifunker soll zahlen

Die Staatsanwaltschaft Bischofszell hat einen Schwarzfunker wegen antisemitischer Hasstiraden mit 1000 Franken und einer bedingten Geldstrafe gebüsst. Er hat Einspruch eingelegt.

Ida Sandl
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KÜMMERTSHAUSEN. «Schlauer Fuchs» nennt sich ein Thurgauer, wenn er über Funk schlimmste judenfeindliche Propaganda in die Welt hinausposaunt. Jahrelang konnte er das unbehelligt tun, bis ihn der St. Galler Amateurfunker Bruno Hess zusammen mit Spezialisten des Bakom ausfindig gemacht hat. Jetzt ist Schluss mit lustig. Vor ein paar Tagen flatterte dem «Fuchs» ein Strafbefehl der Bischofszeller Staatsanwaltschaft ins Haus. Darin wird ihm mehrfache Rassendiskriminierung und mehrfache Drohung vorgeworfen. Die Strafe: 1000 Franken Busse und eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Franken. Die bedingte Geldstrafe muss er zahlen, wenn er sich innerhalb von drei Jahren etwas zuschulden kommen lässt.

Blanker Hass

Zwischen 2007 und 2011 soll der Thurgauer mindestens 19-mal von zu Hause oder von verschiedenen Orten im Oberthurgau aus Hassreden im Stil der Nazis verbreitet haben. Von der «Brut des Teufels» ist da die Rede, von «Missgeburten» und «Abschaum». Als Krönung des Ganzen habe er auch noch ein «Du-Adolf-Hitler-Unser» gebetet. Seinen Hass auf die Juden habe der «Fuchs» nicht nur über Funk, sondern auch auf Flugblättern verbreitet. Die Flyer habe er letztes und vorletztes Jahr in Thurgauer Briefkästen geworfen und hinter die Scheibenwischer von Autos geklemmt. Als der «Fuchs» merkt, dass Hess ihm auf den Fersen ist, wird er wütend. Er zischt ins Funkgerät, dass er Hess schon länger im Visier habe und seinen Kollegen auch. Dann wird er konkret: «Wenn ich mit euch fertig bin, dann fahrt ihr nur noch im Rollstuhl umher.» Für die Staatsanwaltschaft ist damit der Straftatbestand der Drohung erfüllt. Weil der Mann nie eine Funk-Lizenz besass, habe er noch dazu den Fernmeldeverkehr gestört. Auch die Untersuchungs- und Polizeikosten soll der Schwarzfunker berappen. Denn die Polizei hat sein Haus durchsucht und sein Funkgerät beschlagnahmt. Zusammen mit der Busse macht das 3770 Franken.

Kommt die Anklage vor Gericht?

«Gegen den Strafbefehl hat der Beschuldigte Einsprache eingelegt», sagt Thomas Niedermann, der zuständige Staatsanwalt. Das heisst, die Sache könnte vor Gericht verhandelt werden. Auf dem Funknetz ist seit einigen Monaten Ruhe: Amateurfunker Bruno Hess sagt: «Ich habe seit Ende März nichts mehr vom <Fuchs> gehört.»