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Der Mann, dem ein Rad fehlt

REBSTEIN. Stefan Lutz hat dieses Jahr schon 800 Kilometer mit dem Einrad zurückgelegt. Am Altstätter Städtlilauf, der im September zum 30. Mal stattfindet, ist er zum 30. Mal als Läufer dabei.
Gert Bruderer
Hat Stefan Lutz einen Plan, den er für realistisch hält, zieht er die Sache durch. (Bilder: Gert Bruderer)

Hat Stefan Lutz einen Plan, den er für realistisch hält, zieht er die Sache durch. (Bilder: Gert Bruderer)

Nur ein halbes Dutzend Teilnehmer haben wie Stefan Lutz keinen einzigen Städtlilauf ausgelassen. Aber sein Hauptaugenmerk gilt dem Einradfahren. Als er am 27. November, einen Tag vor seinem 41. Geburtstag, den 500. Kilometer des Jahres 2014 zurückgelegt hatte, dachte er über sich selbst, «Bisch de King». Dann sah er eine Fernsehsendung Kurt Aeschbachers, in der ein Rentner zu Besuch war. 4000 km hatte dieser mit dem Einrad im gleichen Jahr zurückgelegt. Stefan Lutz erkannte: «Es gibt noch andere Limiten.»

Rekorde nicht so wichtig

Der gelernte Elektriker, der sich zum technischen Kaufmann sowie zum Betriebswirtschafter ausbilden liess, nimmt's gelassen. Sport soll ja Freude bereiten. Ein persönlicher Rekord ist schön, soll aber nicht das Mass aller Dinge sein. Wichtig sind Stefan Lutz Ziele. Er sagt: «Habe ich einen Plan, den ich für realistisch halte, ziehe ich die Sache durch.» Für die Ferien im August besteht bereits ein solcher Plan: Eine zweitägige Fahrt mit dem Einrad nach Horgen. Dort lebt die Partnerin mit ihren beiden Söhnen. Stefan Lutz wird von ihnen begleitet, die anderen legen die 130 km allerdings mit dem Velo zurück.

Stefan Lutz, der in Eichberg aufgewachsen ist und heute in Rebstein lebt, war schon als Jugendlicher sportlich. Er joggte viel, betrieb Leichtathletik und hatte als junger Erwachsener Freude am Mehrkampf. 15 Jahre war Lutz Mitglied im Turnverein Eichberg, weitere sieben im Turnverein Marbach.

Mit dem Einrad kam er dank seines früheren Nachbarn in Kontakt, dessen Modell er für längere Zeit ausleihen konnte. Stefan Lutz sagt, er sei «ehrgeizig genug gewesen, es zu versuchen», habe ein Buch über das Einradfahren gelesen und zwei bis drei Monate geübt – den Wänden entlang, mit Skistöcken und mit Hilfe von Kollegen, die zur Sicherheit links und rechts neben ihm her gingen.

Längste Tour nach Lindau

Als er sich ganz sicher fühlte, legte er im Riet ein paar Kilometer zurück. Es war der persönlichen Abschlusstest, mit der Erkenntnis: Ziel erreicht. Stefan Lutz gab das Einrad dem Nachbarn zurück, zwei Jahre später kaufte er einem Kollegen ein 20-Zoll- sowie ein 26-Zoll-Einrad ab. Bis er richtig loslegte, vergingen allerdings fast zwei Jahrzehnte. Erst seit 2011 ist Stefan Lutz mit zunehmendem Eifer auf dem Einrad unterwegs. Als Frühaufsteher fuhr er wiederholt nach Bregenz, und in diesem Jahr folgte mit der Strecke Rebstein–Lindau die bisher längste Tour. Für die 32 km benötigte Stefan Lutz zwei Stunden und vierzig Minuten sowie ein paar kurze Pausen. Zum Vergleich: Der Weltrekordhalter legt in einer Stunde mit dem Einrad rund 21 km zurück.

Als besondere Erlebnisse hat Stefan Lutz die 20-km-Fahrt von Scuol ins östlichste Schweizer Dorf Martina sowie die Abfahrt vom Bündner Aussichtsplateau Motta Naluns in Erinnerung. Auf der 10 km langen Trottinett-Strecke legte Stefan Lutz in einer Stunde gut 900 Höhenmeter zurück, was mit dem Einrad sehr anstrengend war. Permanentes Bremsen und somit angespannte Oberschenkel hatten selbst für den sportlichen Einradfahrer Muskelkater zur Folge.

«Wow, Einrad!»

Das eher seltene Hobby ist ein Garant für anerkennende Reaktionen. Viele Leute drücken ihre Überraschung aus. «Wow, Einrad!» Doch ausgerechnet Stefan Lutz' heutige Partnerin nahm seine Leidenschaft fürs Einradfahren achselzuckend zur Kenntnis. Das habe ihn denn doch erstaunt, sagt Stefan Lutz belustigt. Zufällig hatte er eine Frau kennengelernt, die selbst Einrad fährt – wie seine Schwester, die im Kanton Aargau lebt.

Im Strassenverkehr wird Stefan Lutz als Einradfahrer besondere Rücksicht entgegengebracht. Doch jeder Dritte mache irgendeinen Spruch. Jemand fahre beispielsweise mit dem Flyer eine Weile neben ihm, unterhalte sich kurz und meine dann: «Ich muss jetzt weiter.» Der naheliegendste Spruch ist der beste: «Dir fehlt jo äs Rädli.»

Einradfahren ist nicht so leicht, wie es aussieht. Stefan Lutz hat zwei bis drei Monate gebraucht, bis er es konnte. Auf dem Einrad ist viel Arbeit mit dem Oberkörper nötig. (Bild: Gert Bruderer)

Einradfahren ist nicht so leicht, wie es aussieht. Stefan Lutz hat zwei bis drei Monate gebraucht, bis er es konnte. Auf dem Einrad ist viel Arbeit mit dem Oberkörper nötig. (Bild: Gert Bruderer)

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