Der Mai und seine Königin

Maiandachten, Maialtärchen, Kerzen, Blumen, «Maria, Maienkönigin» und ähnliche Lieder, das alles ist noch recht lebendig in der Erinnerung der älteren Generation der katholischen Kirche.

Ingrid Grave Dominikanerin In Zürich
Drucken
Teilen

Maiandachten, Maialtärchen, Kerzen, Blumen, «Maria, Maienkönigin» und ähnliche Lieder, das alles ist noch recht lebendig in der Erinnerung der älteren Generation der katholischen Kirche. So viel Sinnliches, so viel Schönes! Das war prägend und hat auch manches reformierte Kind, das in einer katholischen Umgebung aufwuchs, berührt.

Der Mai wird immer noch speziell als Marienmonat gesehen, wenn auch die Formen der Marienverehrung sich etwas verändert haben.

Wie steht es nun um diese Maienkönigin?

Es gibt im Anschluss an Ostern ein Fest, das fast jedes Jahr in den Mai fällt, so auch dieses Jahr: Pfingsten. Auf den ersten Blick hat Pfingsten wenig bis gar nichts mit der Maienkönigin zu tun. An Pfingsten geht es um den Heiligen Geist, vom Himmel herab gesandt zur Stärkung der verängstigten Jünger Jesu. Und Jüngerinnen! Letztere werden längst nicht immer ausdrücklich in der Bibel erwähnt, aber etliche von ihnen kennt man sogar mit Namen. Maria Magdalena ist die bedeutendste.

Zweifellos waren viele Jüngerinnen dabei, als sich nach der Himmelfahrt Jesu die Schar der Zurückgebliebenen wieder einmal zum Gebet versammelt hatte. Wohl immer noch verängstigt und verstört durch die Kreuzigung ihres Hoffnungsträgers Jesus. Wie bei vielen anderen Begebenheiten werden in den alten Texten Frauen beiläufig oder gar nicht erwähnt. Sie sind mitgemeint. Trotzdem taucht wiederholt der eine oder andere Frauenname auf. So auch bei der Geistsendung. Maria, die Mutter Jesu, war dabei. Das zeigt, wie wichtig den Jüngern diese Frau geworden war. Diese Wichtigkeit hat in der Kunst einen vielfachen Niederschlag gefunden: Maria mitten in einem Kreis von Männern, empfängt den Geist Gottes, den Heiligen Geist, Pneuma genannt. Sie trägt keine Krone. Mit dem Titel Königin wurde sie erst in späteren Jahrhunderten bedacht. Ihr Platz in der Mitte jedoch verleiht ihr etwas Königliches. Ein ganz königlicher Mensch aber wird sie letztlich durch den Geist Gottes, für den sie ganz und gar offen ist. Das begann bei ihr schon, als sie mit Jesus schwanger wurde.

Sich von der göttlichen Dynamik füllen zu lassen, dazu ist jeder Mensch – Mann und Frau – berufen. Um das zu erfahren, muss man nicht vor 2000 Jahren gelebt haben. Gottes Geist, vielfach verdrängt, lässt sich endgültig nicht aus dieser Welt vertreiben.

Das will Pfingsten uns sagen.