«Der Leader muss gewinnen»

Morgen Samstag bestreitet Leader SC Rheintal gegen St. Gallen um 17.30 Uhr in der Widnauer Eishalle das erste Rückrunden-Heimspiel. TK- und Sportchef Andy Plüss mit einem Blick zurück, voraus und auf den Derby-Gegner St. Gallen.

Reto Wälter
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Der Baumeister der aktuellen Mannschaft, Andy Plüss, freut sich auf die zweite Saisonhälfte. (Bild: pd)

Der Baumeister der aktuellen Mannschaft, Andy Plüss, freut sich auf die zweite Saisonhälfte. (Bild: pd)

EISHOCKEY. «Gerade vorhin sprach ich mit Michi Zeller, dem Trainer von St. Gallen», sagt Andy Plüss, Chef der Technischen Kommission des SC Rheintal, am Telefon und lacht: «Er wollte mich vor dem Samstagsspiel ein wenig nervös machen.» Aber es sei klar, diese Mannschaft müsse man als Leader schlagen, da gebe es kein Pardon.

Obwohl die St. Galler fast halb so viele Punkte wie der SC Rheintal auf dem Konto haben, hat Plüss Respekt vor dem morgigen Gegner: «Ein Derby hat immer seine eigenen Gesetze.» Und St. Gallen, auf Platz neun liegend, braucht Punkte, liegt nur drei Zähler vor einem Abstiegsplatz.

EHC profitiert von 1.-Liga-Club

Für die Städter spricht weiter, dass sie zwei der drei letzten Partien für sich entscheiden konnten. Der EHC hatte einen harzigen Start (1:5-Startniederlage gegen den SCR), war dann aber auch für positive Überraschungen gut. Der Sportchef weiss, dass St. Gallen gute Spieler in seinen Reihen hat, weil es eng mit dem 1.-Liga-Verein Uzwil zusammenarbeitet. Einerseits spielen starke Elite-Junioren mit, die sich in der 2. Liga an das Aktiv-Eishockey gewöhnen, andererseits sammelten Akteure schon eine Liga höher Erfahrung oder hätten das Niveau, um dort spielen zu können. Und genau solche St. Galler (Jeitziner 16 und Gay-Crosier 15 Skorerpunkte) können Konter-Situationen ausnützen, um ihre Farben in Führung zu bringen. Einen Rückstand aufzuholen ist auch für den Tabellenführer nicht einfach.

Ungewohnte Spielmacher-Rolle

Es fiel während der gesamten Saison auf, dass die Rheintaler zwar meist gewannen, aber kaum je eine Mannschaft wirklich dominierten. «Gegen den Leader gibt jeder noch ein paar Prozent mehr, und für uns war es nicht einfach, jeweils das Spiel machen zu müssen. Das war eine neue Erfahrung, mit der wir erst lernen mussten umzugehen», schaut Andy Plüss zurück. So erklärt sich denn auch, dass der SCR seine Punkte gegen Gegner verlor, die auf dem Papier deutlich schwächer sind. Eines dieser Teams ist St. Moritz, das sich auf diese Saison aber verstärkte und so gut auf Konter spielen kann.

Die Überraschung war natürlich, dass Tabellenschlusslicht Herisau II dem SC Rheintal die einzige Niederlage zufügen konnte. «Nach einer Serie wird man gerne etwas nachlässig, und wenn dann noch einige Routiniers ausfallen, ist man schnell auf der Verliererstrasse», meint Plüss und fügt an: «Das machte es für uns noch schwieriger, weil sich die Gegner danach sagten, wenn diese Mannschaft den Leader schlagen kann, dann können wir das auch.» Illnau als weiterer Punkte-Dieb ist für Plüss mit dem achten Rang aber unterbewertet: «Alle anderen Teams spielen etwa innerhalb meiner Erwartungen und sind dort platziert, wo sie vom Potenzial her sein sollten.»

Direkte Konkurrenz geschlagen

Das gilt vor allem für Verfolger Engiadina, das stärker als letzte Saison ist, Weinfelden, das die Zielsetzung 1. Liga vorgab, und Prättigau, das auf ein erfahrenes Kollektiv zählen kann, vervollständigt durch einige Verstärkungen. Dass man sie alle schlagen konnte, freut Plüss. Er sagt denn auch: «Unsere Verstärkungen haben gebracht, was wir uns erhofften.» Mit den Neuzuzügen während der Saison – Flügelspieler Stefan Strebel und Verteidiger Matthias Fussenegger – ist das Kader nun komplett: Das heisst, die Mannschaft kann nun auch Ausfälle verkraften, und es ist trotzdem möglich, mit vier Blöcken zu spielen.

Keine Angst vor Negativserie

«Das ist vor allem auch wichtig, weil so unsere jungen Spieler stets Eiszeit erhalten», sagt der TK-Chef. Von den neuen Eigengewächsen macht ihm vor allem Luca Binder Freude, weil der gelernte Stürmer auch als Verteidiger eingesetzt wird und dort trotzdem von Anfang an gute Leistungen zeigte.

Andy Plüss glaubt nicht, dass man nach Neujahr in ein Loch fällt wie letzte Saison. «Diese Mannschaft zieht durch.» Das beste Beispiel sei letzten Samstag gegen Lenzerheide gewesen, als man einen Zwei-Tore-Rückstand noch im ersten Drittel gekehrt habe – nach zwei Wochen ohne Spiel notabene. Denn gegen Kreuzlingen fiel der Match aus, weil der SCR einen Busunfall hatte. «Auch das musste ja erst verkraftet werden», sagt der TK-Chef. Das alles zeigt, dass morgen Samstag nicht Andy Plüss nervös in der Eishalle Platz nehmen muss, sondern St. Gallens Trainer Michi Zeller.