Der Kantonsrat hat sich verändert

Seit 15 Jahren setzt sich der Rebsteiner Gemeindepräsident Andreas Eggenberger als FDP-Kantonsrat für die Belange der Gemeinden und der Region Rheintal ein. Kurz vor der Novembersession hat er seinen Rücktritt bekannt gegeben.

Kurt Latzer
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Andreas Eggenberger steht nicht nur gerne seinen Mann, er steht auch zwischendurch bei der Arbeit in seinem Büro. (Bild: Kurt Latzer)

Andreas Eggenberger steht nicht nur gerne seinen Mann, er steht auch zwischendurch bei der Arbeit in seinem Büro. (Bild: Kurt Latzer)

Herr Eggenberger, was hat Sie 1999 dazu bewogen, für den Kantonsrat zu kandidieren?

Andreas Eggenberger: 1998 wurde ich Präsident der FDP-Bezirkspartei Oberrheintal. Da ich ursprünglich nicht aus der Verwaltung, sondern aus der Wirtschaft komme, haben mich die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Politik sehr interessiert. Bei der Politik fand ich die Zusammenhänge und Abläufe spannend. Kandidiert habe ich vor allem, um mich mehr für die Gemeinden und die Region einsetzen zu können.

Woher stammt das Interesse an der Wirtschaft und der Politik?

Eggenberger: Ich bin in einer politisch interessierten Bauernfamilie aufgewachsen. Ich habe eine Lehre als Landmaschinenmechaniker abgeschlossen, danach die Handelsschule besucht und bin dann in den Verkauf gegangen. Später habe ich zusätzlich in Betriebswirtschaft abgeschlossen. Als jüngster Filialleiter bei Möbel Pfister habe ich relativ früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe schon immer die Chancen gepackt, die sich mir anboten. So später auch in der Politik.

Haben Sie damals die Wahl im ersten Anlauf geschafft?

Eggenberger: Ja, es hat beim ersten Mal geklappt. Damals fanden die Wahlen im Februar statt, im Mai 2000 habe ich erstmals an einer Session teilgenommen.

Das ist 15 Jahre her. Hat sich in dieser Zeit viel geändert?

Eggenberger: Ja, die Umbenennung vom Grossen Rat in den Kantonsrat, der Wechsel von den Bezirken zu den Kreisen und die Verkleinerung des Rates von 180 auf 120 Mitglieder. Auch das Abstimmen im Kantonsrat war früher nicht so einfach wie heute.

Gaben die Abstimmungen mehr Arbeit?

Eggenberger: Ich meinte damit nicht den Arbeitsaufwand. Heute drückt man bei den Abstimmungen einfach ein Knöpfchen. Früher musste man aufstehen und seine Position darlegen.

Und wie steht es mit dem Verhältnis unter den Räten? Ist das besser als früher?

Eggenberger: Die Umgangsformen sind schlechter geworden. Wie man heute politisiert und übereinander herzieht, finde ich nicht gut. Meiner Meinung nach braucht es Parteien mit unterschiedlichen Ansichten. Am Schluss sind wir aber ein grosses Team, in dem man sich finden muss. Man sollte lösungsorientiert sowie nachhaltig politisieren und nicht auf einen Zug aufspringen, weil etwas im Trend liegt.

Was war der grösste persönliche Erfolg während Ihrer Amtszeit?

Eggenberger: Besonders hat mich gefreut, dass das landwirtschaftliche Ausbildungszentrum in Salez geblieben ist und nicht in Flawil. Ebenfalls der Neubau des Berufsbildungszentrums in Altstätten und der Kantonsschule in Heerbrugg. Da haben wir uns sehr stark einsetzen müssen. Auch fürs NTB in Buchs haben wir uns immer wieder engagiert, auch das wurde einige Male in Frage gestellt, je nachdem wie die Gelder geflossen sind. Das jüngste Beispiel sind die Spitalstandorte Altstätten und Grabs, für die wir uns eingesetzt haben.

Für Sie ist also der Blick über die Rheintaler Grenzen hinaus wichtig?

Eggenberger: Ja, eindeutig. Nicht zuletzt deshalb bin ich auch im Vorstand der Rheintaler Grenzgemeinden als Vize-Präsident aktiv. Ich bin in dieser Organisation das Sprachrohr der Schweizer Seite. Das Rheintal hat sich entwickelt und das <Häglidenken> ist schon lange vorbei. Man muss heute das Auge auf eine ganze Region werfen und darüber hinaus.

Praktisch jede Kantonsrätin und jeder Kantonsrat hat eine Fraktion im Rücken. Hat sich in den vergangenen 15 Jahren auch die Arbeit innerhalb der Partei verändert?

Eggenberger: Früher hat es schon Patriarchen gegeben, die die Richtung vorgaben. War man anderer Meinung, haben die versucht, einem umzupolen.

Hat das «Umpolen» bei Ihnen immer funktioniert?

Eggenberger: Nein. Ich habe eine Linie und der bleibe ich treu. Damals, in der ersten Lesung zum neuen Wasserbaugesetz, war ich der Einzige in der FDP-Fraktion, der dagegen war und für ein Nichteintreten plädiert hat. Ich war gegen den Entwurf, weil das Rheintal benachteiligt gewesen wäre. Ich war schuld, dass dieses Geschäft bachab ging. Damals hat man schon noch mehr <Füdli> und eine klare Linie gebraucht, als heute.

Mit dem Ende der vergangenen Novembersession ist auch Ihre Arbeit im Kantonsrat zu Ende gegangen. Wann haben Sie den Entscheid gefällt, zurückzutreten.

Eggenberger: Vor etwa einem Jahr. Ich habe eine Auslegeordnung gemacht und geschaut, was ich tun möchte und was nicht mehr. Weil ich mich mehr auf die Arbeit in der Gemeinde und der Region konzentrieren möchte, fällte ich den Entscheid. Man muss lernen, loszulassen. Mit dem Oberrieter Gemeindepräsidenten Rolf Huber habe ich einen guten Nachfolger. Da ist der Entscheid leichtergefallen.

Auch, damit Sie mehr Zeit für Ihr Hobby haben, das Musizieren?

Eggenberger: Vielleicht ein wenig. Mein Abschied aus dem Kantonsrat bedeutet nicht, dass ich viel weniger Arbeit zu bewältigen habe. Es steht in den Zweckverbänden, in denen ich von Amtes wegen Einsitz habe, vieles an. Auch in der Gemeinde Rebstein stehen wir vor grösseren Aufgaben, wie etwa mit der Progyhalle. Ich möchte mich in den nächsten Jahren zudem mehr bei der Raumplanung und dem ganzen Verkehrskonzept engagieren. Da bin ich über die im Kantonsrat gesammelten Erfahrungen und Verbindungen sehr froh. Und dann bleibt nun mehr Zeit für Visionen und Besuche bei verschiedenen Anlässen oder Versammlungen.

Dann gibt es da noch die Musikformation Nachtfalter, in der Sie mitmusizieren. Gibt es nun, da Sie nicht mehr im Kantonsrat sind, mehr Auftritte als sonst?

Eggenberger: Wir, das heisst die Nachtfalter, feiern im kommenden Jahr das 20-Jährige. Dafür planen wir einen grösseren Anlass, zusammen mit den Jungen Stadtmusikanten aus Altstätten, die ihr 30-jähriges Bestehen feiern. Einige <Nachtfalter> spielen zugleich bei den Jungen Stadtmusikanten. Zudem produzieren wir unsere erste CD, mit eigenen Kompositionen und anderen bekannten Musikstücken. Ich gehe deshalb schon davon aus, dass ich etwas mehr Zeit in die Musik und das Privatleben investiere.