Schulhündin
Primarschullehrerin aus Berneck integriert Hündin in ihren Unterricht

Die Primarlehrerin Sabrina Riegg aus Berneck wird täglich von ihrer Hündin in die Schule begleitet. Mala ist in den Unterricht integriert und dank ihrer Tricks kommen Abwechslung, Leichtigkeit und Spass in das Klassenzimmer der Dritt- und Viertklässler.

Interview: Mireia Preite
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Auch Arbeitskolleginnen: Sabrina Riegg und ihre Dalmatinerhündin Mala.

Auch Arbeitskolleginnen: Sabrina Riegg und ihre Dalmatinerhündin Mala.

Bild: PD

Frau Riegg, wieso setzen Sie einen Schulhund im Unterricht ein?

Sabrina Riegg: Schon während meines Studiums an der Pädagogischen Hochschule wurde mir bewusst, dass ich meinen Unterricht anders gestalten wollte als üblich. Ich bin mit Tieren aufgewachsen und mir war klar, dass ich irgendwann einen Hund haben werde. Doch aus ihm einen Schulhund zu machen, war nicht immer mein Ziel. Während des Studiums habe ich mich mit dem Thema Schulhund auseinandergesetzt und meine Bachelorarbeit dazu geschrieben. Die Vertiefung in dieses Thema hat mich überzeugt. Nachdem ich ein Jahr normal unterrichtet habe, wollte ich einen Hund. Mala ist nun bereits ein Jahr Schulhündin.

Warum haben Sie sich für einen Dalmatiner entschieden?

Über die Hunderasse habe ich mir sehr lange Gedanken gemacht. Mir war es wichtig, dass die Kinder einen Bezug zu dem Hund haben und ihnen die Rasse bekannt ist. Dalmatiner kommen in vielen Kinderfilmen oder Comics vor. Ich persönliche finde die Rasse sehr speziell, da sie im täglichen Leben nicht so oft anzutreffen ist. In den Büchern zur Tierpädagogik werden oft Hunde wie Labradore und Golden Retriever vorgeschlagen. Ich war aber zuversichtlich, dass ich auch aus Mala einen Schulhund machen kann.

Welche Aufgaben übernimmt Mala?

Mala kann ein Drehrad bedienen, das mit Aufgaben zum jeweiligen Thema versehen ist. Sie kann würfeln und so entstehen oft Matheaufgaben in meinem Unterricht. Sie kann auch Dinge apportieren und den Kindern beispielsweise Säckchen mit Aufgaben bringen. Das macht den Unterricht interessant und abwechslungsreich. Durch Mala können Bezüge zwischen den schulischen Themen und dem täglichen Leben hergestellt werden. Wenn ein Kind vorliest, setzt sich Mala daneben. So verspüren die Kinder mehr Sicherheit und können ihre Nervosität besser regeln.

Welche Bedenken hatten Sie, bevor Sie Mala das erste Mal mitgebracht haben?

Nachdem ich die Schulleitung informiert und sie meinem Plan zugestimmt hatte, war ich unsicher, wie die Eltern der Kinder reagieren würden. Doch sie waren alle positiv eingestellt und meine Sorgen haben sich schnell verflüchtigt. Weitere Gedanken machte ich mir darüber, ob es Kinder in der Klasse gibt mit Allergien oder Angst vor Hunden. Zudem war nicht klar, wie Mala auf die Klasse und den Schulalltag reagieren würde, da sie noch ein Welpe war, als ich sie mitbrachte. Der Unterricht und die Kinder hätten auch eine Überforderung für sie darstellen können. Bis jetzt läuft aber alles gut.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert, seitdem Mala Sie begleitet?

Meine Work-Life-Balance ist ausgewogener. Ich habe vorher viel gearbeitet und Unterrichtselemente immer wieder umgestaltet. Durch Mala habe ich gelernt, Prioritäten zu setzten und etwas herunterzufahren. Die Art meiner Organisation hat sich komplett verändert und meine Tage sind viel durchdachter. Mala begleitet mich vorwiegend am Morgen in die Schule. Daher muss ich einplanen, wann ich mit ihr spazieren gehe. Denn auch sie muss genügend ausgelastet sein. Während der Spaziergänge mache ich mir Gedanken darüber, wie ich sie in den Unterrichtsablauf einbeziehen kann, damit auch die Kinder von einem Mehrwert profitieren. Ein Schulhund ist zwar eine Unterstützung und macht den Kindern Freude beim Lernen, aber er bringt viel Arbeit mit sich. Ich habe neue Regeln und Rituale eingeführt. Wir nennen sie die «Mala-Ämtli». Dazu gehört die Kontrolle, dass nichts am Boden liegt, jemand achtet darauf, dass die Lautstärke angepasst ist und dann gibt es noch den Napfdienst, bei dem das zuständige Kind Malas Wasser auffüllt.

Wie hat sich die Stimmung in Ihrer Klasse verändert?

Der Klassenzusammenhalt ist seit Malas Anwesenheit stärker geworden und die Kinder übernehmen mehr Verantwortung. Sie achten auf ihr Verhalten, weil sie im Klassenzimmer auf ein anderes Wesen Rücksicht nehmen müssen. Eher zurückhaltende Kinder können aus sich herauskommen und Erfolgserlebnisse erfahren, wenn sie Mala ein Kommando geben. So lernen sie auch den Umgang mit einer bestimmten Ausdrucksweise. Das Klassenklima ist ruhiger und konzentrierter. Im Umgang miteinander sind die Kinder liebevoller und wertschätzender geworden. Sie wissen, dass Mala besser hören kann als wir Menschen, deswegen passen sie ihre Lautstärke an. Wenn Mala anwesend ist, fühlt es sich an, als wären die Kinder geerdeter. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich darauf, in die Schule zu kommen, weil sie wissen, dass Mala anwesend sein wird.

Was wollen Sie den Kindern durch Malas Anwesenheit mitgeben?

Ich will ihnen eine schöne Erinnerung an die Primarschulzeit mitgeben, den Umgang mit Tieren nahelegen und Leichtigkeit ins Leben bringen. Mir ist es wichtig, dass die Kinder Freude an der Schule haben und dass ich ihnen Momente zum Lachen schenken kann.