Der Hohe Kasten leidet nicht am Jojo-Effekt

Wie hoch ist der Hohe Kasten? Das kommt drauf an, wen man fragt oder wo man nachschaut. Die Angaben differieren nämlich um mehrere Meter.

Max Tinner
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Wie hoch ist der Hohe Kasten? Kommt drauf an. Hier steht, links oben, 1794 Meter über Meer. (Bild: Coralie Wenger)

Wie hoch ist der Hohe Kasten? Kommt drauf an. Hier steht, links oben, 1794 Meter über Meer. (Bild: Coralie Wenger)

1795 Meter über Meer stehe man auf dem Hohen Kasten, schreibt die Stadt Altstätten auf ihrer Homepage. Altstätten ist stolz auf diese Zahl, denn der Gipfel ob Lienz ist Altstätter Boden und der höchstgelegene Punkt der Gemeinde. Die Stadt übertreibt aber ein wenig. Auf dem Wegweiser vor Ort ist der Berg bereits einen Meter weniger hoch, 1794 Meter. Diese Angabe findet sich auch im Onlinelexikon Wikipedia, während die Kastenbahn in ihrem Internetauftritt wie die Stadt Altstätten die stolzeren 1795 Meter über Meer behauptet.

Wollte es nun jemand wirklich genau wissen, würde er am ehesten in einer Karte der schweizerischen Landestopografie (Swisstopo) nachschauen – schliesslich hat die Landestopografie die Schweiz ja bis in ihren hintersten Winkel und damit sicher auch bis auf ihren höchsten Kasten vermessen.

Allerdings sind auch die Angaben in diesen Karten nicht in Stein gemeisselt, wie ein Vergleich verschiedener Ausgaben zeigt. In Karten Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Hohe Kasten nämlich sogar 1799 Meter hoch. Danach finden sich über die Jahre verschiedene weitere Angaben um die 1798 Meter. Ab 1964 werden die 1795 Meter aufgeführt, auf die sich die Stadt Altstätten beruft. Die galten aber nur bis 1989; von da an war der Hohe Kasten nur noch 1794 Meter hoch, ab 2002 gar nur noch 1791 Meter. Vor Kurzem sind nun die neuesten Karten für unsere Region erschienen. Und siehe da: Der Hohe Kasten ist wieder gewachsen. Er ist jetzt wieder 1793 Meter hoch.

1902 wurde die Schweiz um drei Meter tiefergelegt

Der Berg leidet aber nicht an einem Jojo-Effekt, wie es unsereinem mit dem Gewicht geht. Ein Grund für die seit Erscheinen der ersten Karten unterschiedlichen Angaben ist eine Neuberechnung des Referenzpunkts am Genfersee im Jahr 1902, die zu einer «Tieferlegung» der ganzen Schweiz um über drei Meter führte. Die Abweichungen in jüngeren Karten seien hingegen auf genauere Messmethoden zurückzuführen, erklärt die Landestopografie auf ihrem Onlineportal. Um den Faktor 100 habe man die Genauigkeit in den letzten hundert Jahren steigern können. Weniger massgebend seien hingegen Bewegungen der Erdkruste; diese lägen bei lediglich etwa einem Millimeter pro Jahr.

Aber wollen wir es wirklich so genau wissen? Als Rheintaler dürfen wir auch einfach mit Stolz sagen, dass unser Hausberg fast 1800 Meter hoch ist!

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