Der Herr gibt’s den Seinen im Schlaf

Aus christlicher Sicht

Ramona Casanova-Baumgartner
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Bild: depositphotos/davidschrader

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Vor Kurzem habe ich mich über eine Schweizerische Gesundheitsbefragung der Universität Basel rund um das Thema «Schlaf» gewundert. Haben Sie gewusst, das jeder Vierte unter Schlafstörungen leidet? Während wir schlafen, erholt sich unser Körper und schüttet Stoffe aus, die eine erfrischende Wirkung haben. Unsere Gehirnzellen und unsere Muskulatur braucht diese Regenerationsphase, um das tägliche Leben zu meistern. Anstrengende, nervenaufreibende Tage sind ermüdend, und was hilft da besser, als ein paar Stunden tiefer Schlaf? Diese Stunden sind also gut angelegte Zeit.

Vielleicht haben Sie auch schon Situationen erlebt, in de- nen Sie keinen Ausweg wussten oder eine schwere Entscheidung treffen mussten und Ihnen jemand den Rat gegeben hat: «Schlaf doch einmal darüber!» Eine Nacht über etwas schlafen meint, darauf zu vertrauen, dass die Ruhe heilsam sein kann für Geist und Körper.

In der indischen Schlafkultur wird es sogar als anstössig betrachtet, jemanden bei seinem wohlverdienten Schlaf zu stören, weil sich der Schlafende besonders in der Obhut Gottes befindet. Es wird gewartet, bis er aus dem Land der Träume zurückgekehrt ist, denn der Schlaf gilt als heilig.

Ein Satz aus der Bibel – genauer aus dem Psalm 127 – handelt vom Schlaf und ist eine bekannte Redewendung in unserer Alltagssprache: «Der Herr gibt’s den Seinen im Schlaf.» Ich habe das immer etwas eigenartig gefunden. Das tönt, als ob es förderlich wäre, faul zu sein, die Hände einfach in den Schoss zu legen und zu denken, dass der liebe Gott schon alles in Ordnung bringen wird. Hat Gott das tatsächlich so gemeint? Spannend ist, dass dieser Satz aus der ursprünglichen hebräischen Sprache zweideutig ins Deutsche übersetzt werden kann. Und zwar könnte es genauso heissen: «Der Herr gibt den Seinen den Schlaf.» Ist das nicht ein wunderbar gelungenes Geschenk Gottes?

Ramona Casanova-Baumgartner

Pastoralassistentin in Rebstein