Der grosse Schock blieb aus

Trotz schwieriger Voraussetzungen sind die Rheintaler Raiffeisenbanken mit dem Geschäftsjahr 2015 zufrieden. Kundengelder und Ausleihungen haben zugenommen, unter Druck bleibt das Zinsgeschäft.

Remo Zollinger
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RHEINTAL. Die Bedenken im Finanzsektor waren gross, als die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar 2015 den Euro-Mindestkurs aufhob. Horrorszenarien wurden heraufbeschwört, die Rede war von einer tiefen Erschütterung der Schweizer Wirtschaft: «Es war ein schwerer Schlag, der Entscheid der SNB war sehr brisant», sagte Rolf Zollinger, scheidender Bankleiter Oberes Rheintal, an der Pressekonferenz vom Mittwoch.

Die erste Begleiterscheinung waren historische Tiefstzinsen, teilweise sogar Negativzinsen auf dem Markt. Auch die Raiffeisen sei davon betroffen gewesen, musste für überschüssiges Geld plötzlich Zinsen zahlen.

Die Aufhebung der Kurs-Untergrenze hatte für die Rheintaler Raiffeisenbanken aber noch etwas zur Folge: Einen Run auf die Währung der Nachbarländer. Der Gewinn im Handel mit Währungen und Devisen hat im letzten Jahr um 27,4 Prozent zugenommen. Ein grosser Sprung, der sich schon Ende Januar abzeichnete, als viele Kunden Euro nachfragten.

Raiffeisen-Ökonom Roland Kläger spannte den Bogen weiter und zeigte globale Perspektiven (siehe Zweittext). Nicht nur der Euro gibt Anlass zur Sorge, sondern auch die stagnierende Entwicklung in Schwellenländern und der tiefe Ölpreis.

Rekord beim Bruttogewinn

2015 war trotz schwieriger Vorzeichen ein erfreuliches Jahr für die Rheintaler Raiffeisenbanken. Der Bruttogewinn wurde um 3,81 Prozent auf 22,6 Millionen Franken gesteigert, was das beste je erzielte Ergebnis ist. Um 1,5 Millionen Franken gesteigert hat sich der Geschäftsaufwand. «Ich bin aber froh, dass wir weiterhin Arbeitsplätze schaffen», sagte Norbert Lüchinger, neuer Bankleiter Oberes Rheintal. Die Rheintaler Raiffeisenbanken haben ihre Kapazitäten 2015 um zwei Stellen erhöht.

Gebremst wurde der Rückgang der Zinsmarge: Sie liess sich mit 1,03 Prozent auf dem Niveau von 2014 halten. «Im aktuellen Tiefzinsniveau wird jedoch nicht von einer Trendwende ausgegangen», sagte Linus Spirig, Bankleiter Marbach-Rebstein. Das Zinsgeschäft bleibe unter Druck. Mit 36,5 Millionen Franken wurden in diesem Bereich aber 3,6 Prozent mehr erwirtschaftet als im Vorjahr. Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft betrug der Zuwachs 100 000 Franken, was 1,9 Prozent entspricht. Die Nachfrage nach Hypotheken bleibt hoch, was der anhaltenden Tiefzinsphase geschuldet ist. Die Ausleihungen steigen konstant, 2015 verzeichneten die Rheintaler Raiffeisenbanken einen Wachstum von 102,9 Millionen Franken (3,4 Prozent). Auch der Festhypotheken-Anteil stieg.

Verhaltene Anlagemärkte

Weniger positiv berichtete Reto Zellweger, Bankleiter Berneck-Au, über die Anlagemärkte: Sie würden auf tiefem Niveau verharren, die Anleger seien zurückhaltend. Der Sparwille der Kunden sei in solchen Zeiten hoch. Der Zuwachs der Kundengelder beträgt 3,2 Prozent oder 77 Millionen Franken. Um 6,7 Prozent abgenommen hat das Depotvermögen, wobei hier verschärfte Vorschriften eine Rolle spielten. Die Eigenkapitalbasis konnte weiter gestärkt werden.

«Im Vergleich zu den letzten Jahren haben wir 2015 sehr viele Kreditanfragen negativ beantwortet», sagte Anton Moser, Bankleiter Raiffeisen Mittelrheintal. Dies liege hauptsächlich daran, dass wegen der tiefen Zinsen sehr viele Anfragen vorgelegen hätten.

93 Prozent des Kreditportefeuilles der Rheintaler Raiffeisenbanken befinden sich im Bereich der Wohnhäuser und landwirtschaftlichen Liegenschaften. Der Anteil an gewerblichen und industriellen Objekten hat sich leicht erhöht. Trotz steigender Kundenausleihungen bleibt Raiffeisen im Kreditwesen ihrer vorsichtigen, sicherheitsorientierten Linie treu.

Neubau und Fusion

Raiffeisen Oberes Rheintal hat am letzten Montag ihren neuen Hauptsitz in Altstätten bezogen. Eine weitere Änderung steht noch bevor: Die Fusion der Raiffeisenbank Oberes Rheintal mit der Raiffeisenbank Kriessern. Dabei wird nur die Administration zentralisiert, das Angebot in Kriessern bleibt für die Kunden unverändert.

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