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Der geschwänzte Wassergott

Garten
Bert Stankowski
Bergmolch oder Alpenmolch ( (Bild: Bert Stankowski)

Bergmolch oder Alpenmolch ( (Bild: Bert Stankowski)

Zeit zum Aufräumen im Garten. Nicht, dass ich es für nötig befinde, nun den Garten perfekt zu pützeln. Im Gegenteil, ich schichte einfach Laub und Äste irgendwo im Garten auf , wo sie ökologisch Sinn ergeben. Sei dies als Bodenschutz oder als Unterschlupf für einheimische Tiere.

Ohne Vorwarnung will mir plötzlich einer mit energischen Armbewegungen zeigen, dass ich mit meiner Vorstellung von einem Winterquartier überhaupt nicht mit seinen Ansichten einig gehe. Unter einem Rindenstück blicken mich zwei lohende Augen an und seine feuerrote Hand weisst abwehrend auf mich: ein Wasserdrache!

Nun mal halblang, sage ich zu dem zehn Zentimeter langen Ungetüm. Ein grosser Name lässt mich noch nicht vor Furcht erstarren. Schliesslich ist er mir ein guter Bekannter des Sommers. In seiner prächtigen, farbenfrohen Wassertracht lebt er in meinem Gartenteich und legt dort seine Eier ab. Seine Larven, die wir der Einfachheit halber mit denen der Frösche alle als «Rossnägel» bezeichnen, sind recht gefrässige Gesellen, verputzen Wasserflöhe, Algen, kleine Insekten und machen auch vor anderen klei­neren Kaulquappen, vor allem denen von Fröschen und Kröten, nicht Halt. In meinem Tümpel fühlen sie sich alle zwischen den vielen Unterwasserpflanzen wohl und verlassen zu Hunderten im Sommer das Wasser. Ja und dann sind sie futsch und weg! Nur noch selten sieht man im Herbst ein fast ausgewachsenes Tier am Ufer herumkrabbeln. Nun weiss ich, wohin sie alle sind. Überall in meinem Garten finden sie feuchte, im Sommer kühle Unterschlüpfe. Im Herbst ziehen sie sich dann ganz in die hintersten Tiefen von Erd- und Steinspalten zurück, um ungestört zu sein. Ausser eben, einen der grossen, schrecklichen Menschen packt in seinem Garten die Aufräumwut, und er zerstört unbewusst sein Winterquartier. Naja, jedenfalls verzog er sich anschliessend an einen kleinen Lufttransport in eine der tiefen Spalten zuhinterst in meiner Trockenmauer.

Ach ja, interessant ist seine Lebensgeschichte, wenigstens in nomenklatorischem Sinne. Triturus, seine alte wissenschaftliche Bezeichnung, ist zusammengesetzt aus Triton, dem Namen des Sohnes vom Griechischen Meeresgottes Poseidon und dem Wort ura (Schwanz): Der geschwänzte Wassergott also!

Irgendwann stellten clevere Wissenschaftler fest, dass dieser Name nach den Prioritätsregeln nicht gültig ist und tauften ihn Ichthyosaura alpestris. Ichthyosaurier waren acht bis 20 Meter messende Meeresreptilien, Zeitgenossen der Dinosaurier.

Da ist mir doch unser kleiner Wasserdrache im Teich lieber, oder?

Bert Stankowski

Weisslingen

www.hostako.npage.eu

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