Der Gastauftritt war die Reise wert

Übers Wochenende ging es im Hauptort der Freiberge in Saignelégier hoch her: Der «Marché Concours National de Chevaux» ist der Jahreshöhepunkt der ganzen Region. Rund 800 Appenzellerinnen und Appenzeller waren in diesem Jahr als Ehrengäste zu Besuch.

Rolf Rechsteiner
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Mehrere Hundert Appenzellerinnen und Appenzeller waren in diesem Jahr als Ehrengäste am «Marché Concours National de Chevaux» zugegen. (Bilder: Rolf Rechsteiner)

Mehrere Hundert Appenzellerinnen und Appenzeller waren in diesem Jahr als Ehrengäste am «Marché Concours National de Chevaux» zugegen. (Bilder: Rolf Rechsteiner)

SAIGNELéGIER. Begeistert vom Auftritt der beiden Appenzell, die mit den Regierungen in corpore der Einladung gefolgt waren, äusserten sich das lokale OK wie auch der Regierungspräsident des Kantons Jura, Michel Thentz. Bereits zum 12. Mal war auch der Bundesrat vertreten: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erinnerte daran, dass der Bund die Pferdezucht seit 1960 unterstützt. Auf die Gefahr hin, dass sie in den Fettnapf trete, bekannte sie, dass Pferde nicht «ihr Ding» seien.

Jurassier verstehen das Festen

«Sie haben uns unglaublich freundlich aufgenommen, und der Funke ist nach beiden Seiten gesprungen», lobte ein Innerrhoder Tambour nach dem Umzug. Man habe sich gleich heimisch gefühlt, denn zwei ländliche Gegenden mit Ambitionen im Tourismus haben vergleichbare Sorgen und Nöte. Und offensichtlich auch ihre Freuden, die lieber in Gemeinschaft genossen werden als im Alleingang. Dazu bot der Samstagabend Gelegenheit: Insider lobten den Appenzeller Abend mit der Streichmusik Alder, den «Stegräflern» der MGO, dem Chrobeg-Chörli, dem Hierig-Paar und dem Hackbrettler Josua Broger als Volltreffer. Wer die Peripherie der Olma kennt, macht sich leicht eine Vorstellung vom Anlass. Alles ist gross: die Arena, die Festhallen, das Gedränge und der Jahrmarkt in der Festmeile zwischen Bahnhof und der ebenen Wiese, auf der sich Reiter und Wagenfahrer nach allen Regeln der Kunst präsentieren.

Ein leises Bedauern war dennoch zu spüren bei den Verantwortlichen des Appenzeller OK. Beim Aufbau der Infrastuktur für den Gastauftritt habe man Ströme von Schweiss vergossen, bilanzierte Bruno Fässler. Nach einem schönen Samstag wurde ausgerechnet der Hauptanlass vom Regenwetter eingeholt. Aber das sei Teil des Ganzen, relativierte OK-Präsident Gerhard Frey; damit habe man bei jeder Outdoor-Veranstaltung zu rechnen. Die Akteure liessen sich nicht verdriessen. Am ehesten waren die Innerrhoder Trachtenfrauen zu bedauern; ihr kostbares Tuch zwang zur Regenhülle, die der Gesamterscheinung abträglich ist. Aber Vorrang beim Concours-geübten Publikum hatten ohnehin die Pferde. Die Präsentationen – namentlich eine 16er-Quadrille der Reitschule Gais und grossräumige Fahr- und Reitdemonstrationen mit Beteiligung des Reitvereins Appenzell – wurden mit begeistertem Applaus bedacht.

Farbenfroh und Ideenreich

Zum Höhepunkt des Gastauftritts geriet am Sonntag der farbenfrohe Cortège, der jedes Jahr Tausende anlockt und dem Gastkanton – in diesem Fall den beiden Gastkantonen – Gelegenheit bietet, kulturelle Eigenheiten zu präsentieren. Selbst gestandenen Appenzellern wurde wieder einmal bewusst, aus welch reichem Schatz geschöpft werden kann. Jodelformationen, ein Chlausenschuppel, der Lediwagen, aufgezäumte Saumtiere, ein Bloch mit gewaltiger Rauchfahne aus der Esse des Schmieds, bunte Gemeindefahnen, getragen von Buben in Tracht – die Reihe könnte fast beliebig fortgesetzt werden. Viel Applaus erhielten die Innerrhoder Botzerössli.

Sprachbarriere überwinden

Die Frage, ob die Mittel für den Gastauftritt gut eingesetzt seien, beantworteten OK-Präsident Gerhard Frey und der Ausserrhoder Landammann Matthias Weishaupt mit einem überzeugten Ja. Zwei Regionen, die einander infolge räumlicher Distanz fremd sind, hätten sich gefunden und sich selbst über die Grenzen der unterschiedlichen Muttersprache hinweg ausgezeichnet verstanden.

Die Innerrhoder Landammänner Roland Inauen und Daniel Fässler gaben sich überzeugt, dass diese offiziellen Begegnungen viel Kitt innerhalb der Schweiz erzeugen, der das friedliche Mit- und Nebeneinander erst richtig ermöglicht. Eveline Widmer-Schlumpf hatte es in ihrer Festansprache so formuliert: «In meinen Augen ist es eine Bürgerpflicht, die Sprachbarriere zu überwinden und aus den vier Winkeln unseres Landes auszubrechen. Ich denke, dass dies unser Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt und uns zur Willensnation macht.»

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und der Ausserrhoder Landammann Matthias Weishaupt.

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und der Ausserrhoder Landammann Matthias Weishaupt.

Jung und Alt verfolgen das Geschehen.

Jung und Alt verfolgen das Geschehen.

Gemäss Landammann Matthias Weishaupt sind die Mittel für den Gastauftritt gut eingesetzt.

Gemäss Landammann Matthias Weishaupt sind die Mittel für den Gastauftritt gut eingesetzt.

Reiter und Wagenfahrer präsentieren sich nach allen Regeln der Kunst.

Reiter und Wagenfahrer präsentieren sich nach allen Regeln der Kunst.