Der Fingernagel des Olympiasiegers

OBEREGG. Rechtzeitig auf die X-Games in Aspen (29./30. Januar) und dem Heim-Weltcup in Arosa (5./6. März) findet Marc Bischofberger zu seiner Form zurück. Beim Weltcup in Nakiska (Kanada) ist der ab heute Dienstag 25-Jährige aber unter Wert geschlagen worden.

Yves Solenthaler
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Zielfilm: Bohnacker (Gelb) ist um eine halbe Armlänge vorn, Chapuis (im Bild vorne) ist, auch im Standbild kaum erkennbar, vor Bischofberger (schwarze Handschuhe, verdeckt). (Bild: Eurosport 2)

Zielfilm: Bohnacker (Gelb) ist um eine halbe Armlänge vorn, Chapuis (im Bild vorne) ist, auch im Standbild kaum erkennbar, vor Bischofberger (schwarze Handschuhe, verdeckt). (Bild: Eurosport 2)

«Ich lag vom Start bis ins Ziel in Führung – dann kamen plötzlich zwei.» So schildert Marc Bischofberger seinen Achtelfinal im Skigebiet, in dem 1988 die olympischen Alpin-Wettkämpfe stattfanden – Pirmin Zurbriggen und Vreni Schneider sind hier Olympiasieger geworden.

Aber die «Zwei, die plötzlich kamen» waren nicht Schweizer Ski-Legenden, sondern der deutsche Skicrosser Daniel Bohnacker sowie der Olympiasieger und Weltcup-Leader Jean Frédéric Chapuis aus Frankreich.

Weil Bischofberger auf den Wellen vor dem Ziel etwas Tempo verlor, preschten diese beiden Topfahrer nach vorn. Gemäss Zielfilm waren sie eine halbe Armlänge (Bohnacker) oder gar nur eine Fingernagel-Länge (Chapuis) vor dem Oberegger. Der Franzose gewann nachher alle Läufe souverän und holte sich den Sieg. Auch der Deutsche zog in den Final ein, wo er aber mit dem vierten Rang vorliebnehmen musste.

Ein Olympiasieger pflegt Details

Während die Fahrer und die Zuschauer auf den Zielfilm warteten, sagte Eurosport-Kommentator Guido Heuber: «Jetzt kommt es darauf an, wer die Fingernägel länger nicht mehr geschnitten hat.» Offenbar war Chapuis in den Tagen vor dem Rennen in den Rocky Mountains nicht bei der Maniküre gewesen – ein Olympiasieger pflegt eben auch die Details …

Bischofberger hat sich im achten Weltcuprennen zum vierten Mal für die Top 32 qualifizieren können. Die Formkurve zeigt also nach dem schwachen Saisonstart nach oben. Trotz Achtelfinal-Out und somit nur Platz 22 hat der Oberegger die Viertelfinalqualifikation von vor einer Woche in Südtirol bestätigen können. Denn Bischofberger hatte nicht nur mit dem knappen Fotofinish Pech, auch die Gegner im ersten Heat waren für eine souverän erreichte Qualifikation übermässig stark.

Wunsch zum 25. Geburtstag

Der Formanstieg betrifft das ganze Schweizer Team: Vor einer Woche hatte es einen Doppelsieg gegeben (Jonas Lenherr vor Alex Fiva), in Kanada wurde Armin Niederer Zweiter und Fiva Fünfter. In den ersten sechs Rennen hatte es keinen einzigen Podestplatz gegeben.

Das ist ein gutes Zeichen für die prestigeträchtigen X-Games in Aspen (USA). Der Skicross findet dort am Freitag und Samstag statt.

An seinem Geburtstag (26. Januar) hat Marc Bischofberger einen Wunsch frei – dieser dürfte sein, dass das Zentimeter-Glück nächstes Mal auf seiner Seite ist.

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