Der Favorit läuft allen davon

Christian Kreienbühl distanziert die Konkurrenten um mindestens 40 Sekunden und gewinnt wie vor drei Jahren den Städtlilauf. Bei den Frauen setzt sich Michele Gantner durch.

Yves Solenthaler
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Nur zu Beginn hatte Christian Kreienbühl die Verfolger Kadi Nesero (Nr. 3) und Eric Rüttimann (verdeckt) noch im Schlepptau.

Nur zu Beginn hatte Christian Kreienbühl die Verfolger Kadi Nesero (Nr. 3) und Eric Rüttimann (verdeckt) noch im Schlepptau.

LAUFSPORT. In der Kurve von der Markt- in die Engelgasse kam Christian Kreienbühl so schnell angebraust, dass selbst das Führungs-Elektroauto das Tempo nicht mehr mitgehen konnte. Für den Sieger vom TV Oerlikon war das die einzige heikle Szene des Laufs: «In der Nähe war eine Frau mit Musik in den Ohren, weshalb sie meine Rufe wohl nicht hörte.» Als Kreienbühl hörte, dass nichts passiert ist, war er erleichtert.

Führungs-Auto überholt

Die Organisatoren stellen die Strecke bereit – wer gewinnt, ist ihnen eigentlich egal. Eigentlich. Streckenchef Daniel Thür freute sich schon vor dem Hauptlauf: «Es sieht wieder mal nach einem Sieg eines Schweizers aus.» Natürlich dachte er dabei an Kreienbühl.

Der Zürcher, der den Marathon in 2:14 Stunden laufen kann, wurde den Vorschusslorbeeren gerecht: Von der ersten Runde an setzte sich Kreienbühl von seinen Verfolgern ab. Ins Ziel kam er nach 26:41 Minuten – und damit über 40 Sekunden schneller als der zweitklassierte Mohamednur Hadr (Schaffhausen). Dahinter brillierte der erst 23-jährige Eric Rüttimann vom LC Brühl als Dritter.

Christian Kreienbühl ist ein regelmässiger Gast im Rheintal. Er ist mit Mitgliedern der Altstätter Donnschtighüpfer befreundet. Jeweils im November besucht er ein Lauftraining der Altstätter. Nach dem Rennen ging Kreienbühl mit seinen Freunden feiern: «Etz gömmer no eis go zieh.»

Der Läufer, der im Marathon nahe der Weltklasse ist (an der EM gewann er mit dem Schweizer Team die Bronzemedaille), war auch der prominenteste Starter am Städtlilauf. Jedes Jahr passt der Lauf nicht in seinen Kalender, zuletzt war das 2012 der Fall. Auch damals siegte Kreienbühl: «Vor drei Jahren war ich ein bisschen schneller, was aber wohl am Wetter liegt. Meine Form ist gleich gut wie damals.» Kreienbühls Taktik war es, keine zu haben: «Ich lief meinen Rhythmus.» Die ersten zwei Runden sei er etwas zu schnell angegangen: «Dafür musste ich in den letzten zwei Runden büssen.»

Zeitlich wirkte sich das nicht aus – aber das wusste Kreienbühl nach dem Zieleinlauf noch nicht: Das Gedränge am Städtlilauf ist derart gross, dass die Läufer unmöglich die Übersicht behalten können. So kam nach zwei Runden des Hauptlaufs erst der Besenwagen der weit vorher gestarteten Fun-Kategorie ins Ziel.

Mathias Nüesch aus Balgach brauchte für die Langstrecke etwa zweieinhalb Minuten länger als Kreienbühl. Der vor allem im Triathlon starke Landwirt war damit der schnellste Rheintaler – aber nur, weil der in Altstätten aufgewachsene Adrian Marti inzwischen in Schmerikon wohnt. Selbst für ehemalige OK-Präsidenten des Städtlilaufs gilt das Wohnortprinzip bei der Ermittlung des schnellsten Rheintalers.

Michele Gantner siegt deutlich

Bei den Frauen setzte sich die Flumserin Michele Gantner vom LC Vaduz durch. Mit 1,50 Minuten Vorsprung verwies sie Andrea Meier und Chantal Matzinger (beide vom LC Uster) auf die Ehrenplätze. Als Sechste folgte mit Fabienne Bichsel aus Berneck die schnellste Rheintalerin.

Ranglisten: www.staedtlilauf.ch