Der Duft der Heiligkeit

Nicht nur die christliche, auch andere Religionen haben ihre Heiligen. Durchgehend handelt es sich um Menschen, die in irgendeiner Weise aus der Allgemeinheit herausgetreten sind, Menschen mit Profil. Offen oder im Verborgenen engagierten sie sich für eine bessere Welt.

Ingrid Grave Dominikanerin In Zürich
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Nicht nur die christliche, auch andere Religionen haben ihre Heiligen. Durchgehend handelt es sich um Menschen, die in irgendeiner Weise aus der Allgemeinheit herausgetreten sind, Menschen mit Profil. Offen oder im Verborgenen engagierten sie sich für eine bessere Welt. Nicht wenige riskierten und verloren dabei ihr Leben. Auch wenn staatliche und andere Obrigkeiten bemüht waren, sie und ihr Wirken totzuschweigen, ging ihr Andenken meist nicht verloren. War es der Duft ihrer Heiligkeit, der sich unwiderstehlich verströmte? Bei manchen soll Jahre nach ihrem Tod dem Grab noch ein Wohlgeruch entstiegen sein!

Man mag solche Geschichten in den Bereich von Legenden verweisen, bedenkenswert sind sie trotzdem.

Jeder Mensch hat seinen individuellen Geruch. Auch wenn man heute im Zeitalter der Duschen alles daran setzt, möglichst geruchlos zu sein, hat man ihn, den ganz persönlichen Geruch. Die einen mögen ihn, andere nicht. Es gibt Menschen, die sich gegenseitig nicht riechen können.

Um herauszubekommen, was das mit Heiligkeit zu tun hat, müssen wir auf eine andere Ebene switchen, wo es um Persönlichkeit, Charakter, Geist und Seele geht. Auf dieser Ebene erspürt man bald, ob man sich gegenseitig riechen mag oder nicht. Das hat etwas mit Religion zu tun, nicht aber zwingend mit der Zugehörigkeit zu einer Kirche.

In der katholischen Kirche sind durch alle Jahrhunderte hindurch Menschen nach ihrem Tod in den Stand der Heiligkeit erhoben worden. Auf der reformierten Seite lässt man die Heiligen betont oder diskret beiseite.

Katholischerseits verehrt man sie, ruft sie um Hilfe an. Reformiert geprägte Menschen fühlen sich von dieser Art religiös zu sein nur selten oder gar nicht angezogen.

Die Heiligen sind im Jenseits, so sagen wir. Wo fassen wir diese Heiligkeit denn unter uns Lebenden?

Das ist schwer zu sagen, wohl aber mit ziemlicher Sicherheit zu spüren. Es geht um Menschen, die wissen, wo sie herkommen: aus dem Urgrund der Liebe. In der Rückbesinnung auf ihre Herkunft senken sie die Wurzeln ihrer Seele ein in den Nährboden der Liebe, Gott. Die göttliche Liebeskraft fliesst ein in ihr Denken und Handeln. Um sie herum ist es uns wohl. Da ist Wärme und Klarheit, Mut zum Guten. In ihrer Nähe kann uns ein Hauch von Ehrfurcht umwehen. Ist es, weil wir den Duft von Heiligkeit atmen?

Jeder Mensch hat seinen eigenen Geruch. So trägt auch der Duft der Heiligkeit stets eine persönliche Note.