Der Chef kontrolliert sich selbst

Die Strafuntersuchung, die sich mit Vorfällen im Altersheim Geserhus befasst, dauert an. Derweil nehmen Entrüstung und Unverständnis bei Angehörigen, Mitarbeitern und Ehemaligen gleichermassen zu (siehe Bericht auf Seite 9).

Andrea Plüss
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Die Strafuntersuchung, die sich mit Vorfällen im Altersheim Geserhus befasst, dauert an. Derweil nehmen Entrüstung und Unverständnis bei Angehörigen, Mitarbeitern und Ehemaligen gleichermassen zu (siehe Bericht auf Seite 9).

Der «Fall Geserhus» zeigt einmal mehr, dass das Beschwerdeverfahren im Kanton St. Gallen eine grosse Lücke aufweist. Zwei Drittel aller Heime im Kanton werden durch Gemeinden oder Zweckverbände geführt. Dass ein Gemeindepräsident gleichzeitig der Trägerschaft des Heims vorsteht, ist gängige Praxis.

Man kontrolliert sich sozusagen selbst – was stossend ist. Alle Versuche von Mitarbeitern des Geserhuses, inadäquate Vorgehensweisen im Heim durch Meldung beim Gemeindepräsidenten abklären zu lassen, scheiterten in den letzten Jahren an Max Reich, der sich stets vor «seine» Heimleiterin stellte. Auch Angehörige fanden für ihre Beschwerden kein Gehör.

Dem Amt für Soziales (AfSO) unter Führung von Regierungsrätin Kathrin Hilber bleibt wenig Spielraum, einmal zugelassene Heime zu überprüfen. «Die Pforte ist das KVG», sagt denn auch Amtsleiter Kaspar Sprenger. Im Fall «Geserhus» leitete das AfSO umgehend eine Überprüfung ein.

Die Gemeindeautonomie ist ein hehres Gut. Jedoch leiten sich daraus nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten ab.

Spätestens nach Kenntnis der Sammelbeschwerde hätte der Gemeindepräsident handeln müssen; stattdessen folgten nur Beschwichtigungen und der Verweis auf die Analyse der OBT, die es abzuwarten gelte. Reichs Nachfolger, Gemeindepräsident Andreas Eggenberger, hat den richtigen Zeitpunkt verpasst, ein geerbtes Problem führungsstark und unmissverständlich anzugehen.

Wenn man bedenkt, dass in Heiden eine Heimleiterin freigestellt wurde, weil die kantonale Heimaufsicht Hygienemängel in der Küche festgestellt hatte, kann die abwartende Haltung in Rebstein nur erstaunen. Es bleibt zu hoffen, dass die Politik sich des Problemfeldes «Heime und Aufsichtsebenen» nochmals annimmt. Die herrschenden Strukturen können, wenn es um das Wohl betagter Menschen geht, nicht befriedigen.

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