Der begnadete Puzzlespieler

FUSSBALL. Am Montag stimmte der Schweizer U17-Weltmeistertrainer Dany Ryser in Schaan auf die Junioren-EM in Liechtenstein ein: «Der WM-Titel war aussergewöhnlich, aber nicht einmalig.»

Samuel Tanner
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Dany Ryser: «Es stank in der Kabine wie auf dem Fischmarkt.» (Bild: Samuel Tanner)

Dany Ryser: «Es stank in der Kabine wie auf dem Fischmarkt.» (Bild: Samuel Tanner)

Die Euphorie in der Schweiz war gross im vergangenen November. Die Schweizer U17-Auswahl holte im fernen Nigeria den Weltmeistertitel und versetzte ein ganzes Land in Fussball-Feststimmung. Der Baumeister des Erfolgs, Trainer Dany Ryser, 53, musste ab der Turniermitte sein Handy auf lautlos stellen, um nicht andauernd gestört zu werden. Am Montag erzählte der Solothurner in Schaan von seinen Erlebnissen und verriet sein Erfolgsrezept.

Wenn der langjährige Primar- und Sekundarlehrer von seiner Erfolgsformel spricht, differenziert er klar: «Viele verschiedene Faktoren sind wichtig, am Ende muss das Puzzle aufgehen.» Einerseits zog er die Lehren aus der vorgängigen U17-EM in Deutschland – er wollte das Umfeld einschneidend professionalisieren. Was beim Verband zuerst auf Abneigung stiess, konnte Ryser schliesslich durchsetzen. Die Schweiz reiste nach Nigeria zum ersten Mal mit einem hoch professionellen Staff.

Kühlwesten aus dem Fischfach

Ein anderer Aspekt war die Vorbereitung auf die Verhältnisse in Afrika. Verspätungen, keine gezeichneten Trainingsfelder, schlechte Hygiene, die Bedingungen waren nicht immer komfortabel. Doch Ryser brachte seinen jungen Spielern schon im Vorfeld Geduld bei, eine letztlich entscheidende Tugend. Die Mannschaft blieb selbst dann ruhig, als sie in den Halbzeitpausen Kühlwesten tragen musste, die aus jenem Gefrierschrank kamen, in dem das Restaurant die Fische aufbewahrte.

«Da stank es in der Kabine wie auf einem Fischmarkt. Aber wer sich ständig an den afrikanischen Standards aufreibt, wird nicht Weltmeister», sagt der aktuelle Trainer der Schweizer U15-Auswahl und schmunzelt. Er spricht bescheiden, gestikuliert mit Zurückhaltung und sein etwas zu grosser Sakko macht ihn noch sympathischer. Jedes Detail war dem akribischen Schaffer wichtig.

Verfechter des 4-4-2

Weiter arbeitete der Optimist viel mit Symbolen. So stimmte er die Mannschaft vor jedem Spiel mit dem Abba-Hit «The winner takes it all» und motivierenden Spielszenen ein. Er zeigte ihnen Bilder von kleinen Boxern, die gegen ihre übermächtigen Gegner entscheidende Treffer landeten. Als wichtigsten Punkt betrachtet er jedoch die Spielphilosophie des Schweizer Fussballverbandes.

Zusammen mit dem aktuellen Liechtensteiner Nationaltrainer Hanspeter «Bidu» Zaugg war Ryser in den 90er-Jahren einer der Mitbegründer der aktuellen Spielart. Jeder Verein trainiert heute auf der Juniorenstufe das 4-4-2, Raumaufteilung, schnelles Umschalten oder Pressing: «Dies erleichtert die Arbeit auf nationaler Ebene.» Ryser sagt nicht ohne Stolz: «Die Schweiz muss sich bezüglich Ausbildung vor niemandem mehr verstecken.»

Hitzfeld schaut ab

Es bleibt die Rolle des Trainers. In einer globalisierten Welt, in der auch der Fussball nicht von einer stetigen Verkomplizierung verschont bleibt und wo sich mittlerweile Spielerberater oder Ernährungswissenschaftler tummeln, verkommt der Trainer immer mehr zur ordnenden Hand, zum Organisator. Dany Ryser ist es brillant gelungen, ein grosses Puzzle perfekt zusammenzuführen. Für die Weltmeisterschaft in Südafrika nimmt auch Ottmar Hitzfeld Puzzleteile von Ryser zu Hilfe.

So reisen einzelne letztjährige Staffmitglieder der U17-Auswahl nun mit der A-Nationalmannschaft mit. Zum Abschluss seines Berichts betonte der Juniorentrainer: «Unser Weltmeistertitel war nicht einmalig, er war aussergewöhnlich. Auch die Equipe von Ottmar Hitzfeld kann irgendwann dazu imstande sein.» Ob er damit schon das Turnier im Sommer meinte, liess Dany Ryser offen. sport 17