Der Albtraum Geisterfahrer

Zwei Unfälle mit Geisterfahrern innert zwei Tagen erschreckten die Bevölkerung. Die Frage stellt sich, ob die Situation beim Widnauer Kreisel so unübersichtlich ist, dass man schnell einmal auf die Ausfahrt gerät, wenn man rheintalabwärts auf die Autobahn einfahren möchte.

Maya Seiler
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Die Kantonspolizei ist der Meinung, die Signalisation beim Widnauer Kreisel sei klar. (Bild: Maya Seiler)

Die Kantonspolizei ist der Meinung, die Signalisation beim Widnauer Kreisel sei klar. (Bild: Maya Seiler)

Widnau. Zwei Polizeimeldungen, eine vom vergangenen Freitag, eine vom Montag, Allerheiligen, berichteten vom scheinbar gleichen Unfallhergang. Am Donnerstagabend kollidierte ein Geisterfahrer auf der A1 einen guten Kilometer vor der Ausfahrt Widnau frontal mit einem korrekt entgegenkommenden Fahrzeug. Eine Person wurde schwer, eine zweite mittelschwer verletzt.

Am Samstagnachmittag kam es praktisch an der gleichen Stelle zu einer Streifkollision zwischen einem Geisterfahrer und einem Auto, das korrekt unterwegs war. In diesem Fall gab es glücklicherweise nur leichten Sachschaden.

Unübersichtliche Situation?

Wie konnte es passieren, dass so kurz hintereinander zwei Fahrer, die von Widnau via Autobahn Richtung Au gelangen wollten, die Ausfahrt mit der Einfahrt verwechselten?

Wer die Situation kennt, weiss, dass man von Widnau her kommend für eine Weiterfahrt Richtung Kriessern beim ersten Kreisel auf die Autobahn gelangt. Wenn man nach Au/St. Margrethen will, muss man den Widnauer Kreisel Richtung Diepoldsau verlassen und beim Diepoldsauer Kreisel nach einem Dreiviertel-Kreis in die Einfahrt Rheintal abwärts einschwenken.

Wer nicht genau aufpasst und meint, bereits beim ersten Kreisel auf die Autobahn zu kommen, gerät zwingend entweder Rheintal aufwärts oder sonst auf die Ausfahrt der Gegenfahrbahn. Das Oval des Widnauer Kreisels weist allerdings sechs Strassenspeichen auf; gleich neben der Autobahnausfahrt führt auch noch die Umfahrung Espenstrasse Rheintal abwärts.

«Signalisation ist klar»

Hanspeter Eugster, Mediensprecher der Kantonspolizei, ist der Meinung, die Signalisation beim Widnauer Kreisel sei klar. Die Autobahn-Einfahrt ist mit dem grünen Wegweiser Chur-Sargans gekennzeichnet; die Ausfahrt mit drei grossen Einbahntafeln «gesperrt». Eugster sieht die zwei Geisterfahrer-Unfälle so kurz hintereinander als Zufall an.

Der beschriebene Verkehrsabschnitt wird stündlich von sehr vielen Fahrzeugen befahren, ohne dass es regelmässig zu Geisterfahrten kommt. Man müsse bei der Beurteilung immer auch weitere Umstände in Betracht ziehen. Er korrigiert auch das Vorurteil, Geisterfahrer seien immer betagte Fahrzeuglenker oder -lenkerinnen. Tatsächlich liegt das Alter von Falschfahrenden zwischen 25 und 90. Nur sind die Gründe für das Fehlverhalten unterschiedlich.

Bei den jüngeren Geisterfahrern sind oft Alkohol oder Drogen im Spiel, während ältere Lenker schneller von hektischen und unübersichtlichen Verkehrssituationen überfordert werden. Bei den beiden Unfallverursachern vom vergangenen Wochenende handelte es sich im einen Fall um einen Dreissigjährigen, der andere Lenker ist fünfundsiebzig.

Bei einem gestrigen Treffen des Chefs Verkehrssicherheit mit Vertretern des nationalen Amts für Strassen Astra wurden die Geisterfahrten thematisiert. Das Astra will die konkrete Situation in Widnau anschauen und gegebenenfalls Massnahmen treffen.

So verhält man sich

Natürlich fragt man sich: «Wie reagiere ich als Autofahrer, wenn ich je auf die falsche Fahrbahn geraten sollte?» Der Fachmann rät, man solle möglichst schnell nach links auf den Pannenstreifen fahren.

Bei starkem Gegenverkehr muss man vielleicht, so eng an der Mittelleitplanke wie möglich, warten, bis eine Lücke das Kreuzen möglich macht. Dann ist sofort die Polizei zu benachrichtigen, übers Handy oder über eine Notrufsäule.

Meist melden auch die korrekt fahrenden Automobilisten sehr schnell, wenn ein Geisterfahrzeug unterwegs ist. Ganz klar sagt der Verkehrsprofi: «Nie versuchen, bis zur nächsten Ausfahrt weiterzufahren oder zu wenden!»

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