«Den nannte man Tschutter Henri»

Die Altstätter Bibliothek Reburg stellt in der warmen Jahreszeit dem Haus Viva eine Bücherkiste zur Verfügung. Bücher daraus benützen die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch fürs Gedächtnistraining.

Kurt Latzer
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Im Haus Viva hat sich gezeigt: Lesen bildet nicht nur, Bücher sind unterhaltsam, lassen der Phantasie freien Lauf und bieten Stoff für interessante Gespräche. (Bild: Kurt Latzer)

Im Haus Viva hat sich gezeigt: Lesen bildet nicht nur, Bücher sind unterhaltsam, lassen der Phantasie freien Lauf und bieten Stoff für interessante Gespräche. (Bild: Kurt Latzer)

ALTSTÄTTEN. Es ist ein wunderschöner Vormittag. Elsbeth Fritschi – sie ist seit März im Haus Viva als Aktivierungs-Fachfrau angestellt – führt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Gedächtnistraining durch. Zudem hat sie die Seniorinnen und Senioren auf den Besuch der Zeitung und das Thema Bücherkiste vorbereitet.

Viele Erinnerungen geweckt

Bei der Kiste handelt es sich um einen wasserdichten Kunststoffbehälter, der im Garten des Hauses Viva aufgestellt und für jedermann zugänglich ist. «Wer hat schon Bücher aus der Kiste gelesen?», möchte Elsbeth Fritschi wissen. Einige aufgestreckte Hände zeigen, dass das Angebot der Bibliothek Reburg rege genutzt wird. Schnell zeigt sich, dass nicht nur das Lesen ein gutes Gedächtnistraining ist, sondern auch das Diskutieren über Bücher.

Als die Aktivierungs-Fachfrau der Kiste ein Buch über General Guisan entnimmt, meldet sich ein Bewohner zu Wort. «Das ist der Guisan. Wie haben wir den gleich wieder genannt…? Ach ja, er war ein grosser Fussball-Fan, darum sagten wir ihm <Tschutter Henri>.»

«War der nicht selbst einmal in der Fremdenlegion?», will eine Frau wissen, als Elsbeth Fritschi ein Buch von Witzwanderweg-Initiant Peter Eggenberger aus dem Kunststoffbehälter nimmt. «Ja klar», antwortet ein Bewohner, «der hat ja auch das Buch <Mord in der Fremdenlegion> geschrieben.»

Mit jedem neuen Buch aus der Kiste tauchen bei den Seniorinnen und Senioren laufend Erinnerungen auf. Daraus wiederum entwickeln sich sehr interessante Unterhaltungen: über den Sinn von Märchenbüchern etwa oder Reisen in ferne Länder.

Auch einmal vorlesen

Da hat der pensionierte Lehrer und heutige Bewohner des Hauses Viva, Josef Bärlocher, eine glänzende Idee. «Wenn Ihr Lust habt, könnte ich einmal aus Büchern vorlesen. Ab und zu eine Lesestunde wäre nicht schlecht.» Elsbeth Fritschi ist begeistert. Gerne nehmen sie und die Anwesenden im Garten die Anregung entgegen. «Das können wir gerne versuchen», meint die Aktivierungs-Fachfrau, die den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses Viva ausser Gedächtnistraining auch Turnen und Werken bietet.

Die Bibliothek wächst

«Das Echo auf die Bücherkisten ist gut», weiss Barbara Gerber, Leiterin der Bibliothek Reburg. Meist bekomme man eine Rückmeldung, wenn Bücher ausgetauscht würden. Die «Reburg» stellt solche Kisten für die Zeit von Frühling bis Herbst auch in der Altstätter und in der Oberrieter Badi sowie bei der Forstkapelle auf.

Neben dem Angebot aus der Kiste können die Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses Viva auch Bücher der hauseigenen Bibliothek entnehmen. «Anfang Jahr haben wir mit dem Aufbau unserer Bibliothek begonnen. Hans Bärlocher hat sich ihrer angenommen», sagt Urs Trinkler, Leiter des Hauses Viva.

Aus der Hinterlassenschaft des verstorbenen Bewohners Hans Müller habe man viele Bücher geschenkt bekommen. Auch eine zukünftige Bewohnerin und die «Reburg» unterstützen die «Viva-Bücherei».