Dem Volk vertrauen

Stichwort

Gert.bruderer@rheintalmedien.ch
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Lieber Christian Sepin

In Au-Heerbrugg hatte sich niemand erkundigt, was Sie als Gemeindepräsident verdienen. Dafür dankten Sie dem Volk am Montag, denn es habe so Vertrauen ausgedrückt.

Da ist wohl etwas Wahres dran. Anderseits hat sich vielleicht niemand zu fragen getraut, weil er hätte befürchten müssen, die Frage könnte als Misstrauensvotum empfunden werden. (Sie selbst legen dies nahe, indem Sie das Nichtfragen als einen Vertrauensbeweis interpretieren.)

Anstatt abzuwarten, ob jemand fragt oder nicht, hätten Sie natürlich schon im letzten Jahr hinstehen und sagen können: «Geschätzte Bürgerinnen und Bürger – ermuntert vom Öffentlichkeitsgesetz, möchte ich euch meinen Lohn bekanntgeben.»

Anstatt abzuwarten, ob das Volk Ihnen und dem Gemeinderat schweigend Vertrauen entgegenbringt, hätten Sie dem Volk die Entscheidung abnehmen und so beweisen können, dass Sie ihm vertrauen.

Der Präsident dem Volk, nicht das Volk dem Präsidenten.

Freundliche Grüsse

Gert Bruderer

gert.bruderer@rheintalmedien.ch