Dem Rheintal verbunden geblieben

16 Jahre lang war er bei der Leica tätig, neun davon als CEO. Heute ist Hans Hess Präsident von Swissmem, dem Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro und Metallindustrie. Hess hat das Rheintal nicht vergessen – und ist gegen eine Kontingentierung von Grenzgängern.

Remo Zollinger
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Hans Hess, früherer CEO der Leica und heute Präsident von Swissmem, referierte bereits 2001 am Rheintaler Wirtschaftsforum. (Bilder: Remo Zollinger/Monika von der Linden)

Hans Hess, früherer CEO der Leica und heute Präsident von Swissmem, referierte bereits 2001 am Rheintaler Wirtschaftsforum. (Bilder: Remo Zollinger/Monika von der Linden)

Herr Hess, Sie haben spontan als Referent am Wirtschaftsforum zugesagt. Wie kam es dazu?

Hans Hess: Nachdem Bundesrätin Doris Leuthard ihre Teilnahme diese Woche wegen eines Todesfalls in der Familie abgesagt hat, wurde ich gefragt, ob ich einspringen könne. Ich habe sofort zugesagt, weil ich schon geplant hatte, als normaler Teilnehmer dabei zu sein.

Die Anfrage kam sehr kurzfristig. Mussten Sie Termine verschieben?

Hess: An meinen Abendtermin komme ich zu spät, sonst gibt es keine Komplikationen.

Sie waren lange im Rheintal tätig. Wie kennen Sie das Wifo?

Hess: Ich kenne das Forum und seine Organisatoren gut. Es hat immer interessante und aktuelle Themen und gute Referenten. Früher bin ich häufiger dabei gewesen und auch schon als Referent aufgetreten, damals noch als CEO von Leica Geosystems.

Wie sieht Ihre heutige Tätigkeit aus?

Hess: Ich stehe immer noch um sechs Uhr auf, im Sommer manchmal sogar früher. Heute gehe ich aber zuerst eine Stunde reiten. Zu 50 Prozent bin ich als Präsident von Swissmem tätig. Die andere Hälfte arbeite ich für meine eigene Firma und die vier Unternehmen, in denen ich Verwaltungsrat bin. Bei zwei davon bin ich Präsident, was ein deutlich grösseres Engagement ist. Meine Agenda ist also immer noch sehr voll – auch an Wochenenden. Aber meine Arbeit ist interessant und vielseitig. Sie macht mir Spass.

Verfolgen Sie das wirtschaftliche Geschehen im Rheintal noch?

Hess: Natürlich. Es hat im Rheintal ja viele spannende und auch sehr erfolgreiche Industrieunternehmen. Ich bin überzeugt, dass diese im Rheintal eine gute Basis haben, um weiterhin international erfolgreich zu sein.

Gibt es noch etwas, was Sie mit der Region verbindet?

Hess: Ich habe 16 Jahre, rund die Hälfte meines beruflichen Lebens, im Rheintal verbracht. Es ist sozusagen meine berufliche Heimat, dieser bleibt man ein Leben lang verbunden.

Besitzen Sie Ihre Leica-Aktien noch?

Hess: Leider nicht. Ganz am Schluss des Übernahmekampfes gegen Hexagon wurde klar, dass die neuen Besitzer über 90 Prozent der Aktien angeboten erhalten hatten. Da habe auch ich meine Aktien an Hexagon verkauft. Ich habe aber nie eine einzige Hexagon-Aktie besessen.

Gibt es Rheintaler Firmen, die mit Ihren Anliegen speziell an Sie gelangen, da Sie hier bekannt sind?

Hess: Nicht mehr und nicht weniger als aus anderen Regionen. Ich bin mit vielen Unternehmern in Kontakt und versuche, sie mit meinen Kollegen so gut wie möglich zu unterstützen.

Welche Anliegen haben Sie denn?

Hess: 2015 hat Swissmem so viele Beratungen gemacht wie wohl nie zuvor. Wir helfen den Unternehmen in arbeitsrechtlichen Fragen und unterstützen sie im Zusammenhang mit dem Gesamtarbeitsvertrag. Wir organisierten auch Veranstaltungen, an denen sich Unternehmer darüber austauschen konnten, welche Massnahmen gegen den starken Franken sinnvoll und angemessen sind und welche nicht.

Vor welchen Herausforderungen steht die MEM-Branche?

Hess: Die Situation ist nach wie vor angespannt. Das volle Ausmass der Konsequenzen der Frankenstärke wird sich erst im Verlauf dieses Jahres zeigen. Vielen Firmen geht es primär darum, wieder in die Gewinnzone zu kommen. Das ist die unabdingbare Bedingung, um wieder Mittel für Investitionen und Innovationen zu generieren. Die Frankenstärke wird Spuren hinterlassen, aber die Schweizer Industrie wird nicht untergehen.

Gibt es Themen, die speziell Grenzregionen wie das Rheintal betreffen?

Hess: Wirtschaftlich sind sie gleich, einschneidender sind die politischen Herausforderungen. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative verlangt eine Kontingentierung der Grenzgänger – obwohl diese gar nicht zur ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz gehören. Falls dies so umgesetzt wird, werden viele bedeutende Arbeitgeber im Rheintal massive Probleme bekommen. Die Abwanderung einzelner Betriebe über die Grenze wäre wohl unvermeidbar. Ich setze mich für eine wirtschaftsverträgliche Umsetzung der Initiative ein und bin gegen die Kontingentierung von Grenzgängern.

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