David spielt mit Eva Mattes

Paläontologe. Diesen Berufswunsch hat David Frei umgestossen. Er will jetzt Schauspieler werden. Seine erste Rolle hat er schon gespielt. Er kommt im nächsten «Tatort» mehrmals vor – und darf auch reden.

Gert Bruderer
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David Frei ist 11 Jahre alt und hat fünf Drehtage in Deutschland hinter sich. Am Ende applaudierte die «Tatort»-Crew allen mitwirkenden Buben und schenkte ihnen ein «Tatort»-Leibchen und einen (von allen signierten) Ball. (Bild: Gert Bruderer)

David Frei ist 11 Jahre alt und hat fünf Drehtage in Deutschland hinter sich. Am Ende applaudierte die «Tatort»-Crew allen mitwirkenden Buben und schenkte ihnen ein «Tatort»-Leibchen und einen (von allen signierten) Ball. (Bild: Gert Bruderer)

DIEPOLDSAU. David Frei ist 11, hat schon mit Star-Schauspielerin Eva Mattes Worte gewechselt und vom Beruf eines Schauspielers zumindest diese klare Vorstellung: Er ist schön, aber anstrengend. An fünf Drehtagen in Konstanz, Baden-Baden und Karlsruhe fiel David abends regelrecht ins Bett. Das war im letzten Herbst. Da entstand die «Tatort»-Folge «Nachtkrapp», die am Sonntag, 7. Oktober, im Fernsehen gezeigt wird. Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und ihr Kollege Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) ermitteln; der Aargauer Roland Koch tritt erstmals als neuer Schweizer «Tatort»-Kommissar in Erscheinung. Und David Frei ist einer von drei Buben, die im ersten Drittel des Films gleich mehrmals in Erscheinung treten. Beat wird entführt, Moritz sorgt sich. Fabio, der Kollege der beiden, wird von David Frei gespielt.

Schöne Gage

Doch wie kommt ein Bub aus Diepoldsau zu einer «Tatort»-Rolle? Antwort: Über die Kinderagentur Swiss, die Kinder ab der Geburt bis 15 Jahre, aber auch ganze Familien für Werbung und Film vermittelt. Bei dieser Agentur war David (wie sein Bruder Samuel, der bisher in zwei Werbespots dabei war) registriert. Bereits das erste Angebot betraf den «Tatort». Beim Casting in Zürich war David einer von 15. Jeder musste sich vorstellen, ein paar auswendig gelernte Sätze vorsprechen und in einer kurzen, gut zweiminütigen Szene mitwirken. Das war im Sommer des letzten Jahres. – Und David bekam die Rolle.

Von der Zeit in Deutschland, wo an fünf Tagen gefilmt wurde, schwärmt auch Mutter Christa Frei. «Super war alles organisiert.» 3- oder 4-Sterne-Hotel, Catering, Fahrspesen, Taxidienst, Kinderbetreuung, es fehlte an nichts. Sogar eine Gage gab es für den Sohn. Doch das sei nebensächlich, sagt die Mutter. «Die Erfahrung ist ja unbezahlbar.» Die 500 Franken, die David pro Tag bekam, mussten in Deutschland versteuert werden. Und weil Davids unverhoffte «Tatort»-Rolle unter Kinderarbeit fällt, war etwas Bürokratie unumgänglich.

Gefordert waren die Bescheinigung der tadellosen körperlichen Verfassung durch den Hausarzt und die Bestätigung der Schule, dass Davids schulische Leistung unter der (Freizeit-)Schauspielerei nicht leide.

Zur Premiere eingeladen

In der 5. Klasse spielte David Frei bei einer Dschungelbuch-Schüleraufführung Balu, in einem Skatermusical hatte er ebenfalls eine tragende Rolle. Aber in einem berühmten TV-Krimi dabei sein, das sei halt schon etwas ganz anderes. Zuerst, berichtet er, habe er eher etwas zu laut gesprochen. Doch anders als auf der Bühne, wo man nur eine Chance habe, lasse sich eine misslungene Filmszene so lange wiederholen, bis alles passt.

Wie es geworden ist, erfuhr David Frei gestern Abend, in Konstanz, wo er als Mitglied der Filmcrew bei der Premiere von «Nachtkrapp» dabei sein durfte.

Immer gut durchatmen

Früher war David Frei fasziniert von Dinosauriern. Er las viel über sie und hatte vor, Paläontologe zu werden. Das «Tatort»-Engagement hat diesen Berufswunsch zunichte gemacht und einen anderen entstehen lassen: Filmschauspieler möchte David später sein. Er kennt bereits die ersten Kniffs, zum Beispiel den, dass es von Vorteil ist, vor einer Szene einen Schluck zu trinken und gut durchzuatmen.

Regelrecht begeistert hat den Buben, dass er sich an den gelernten Text nicht strikt zu halten hatte. «Einen Satz anders zu sagen, etwas wegzulassen oder hinzuzufügen, war möglich», sagt David. Als ein Kollege beim Fussballspielen ins Tor traf, kommentierte David spontan: «Ronaldo könnte es nicht besser.» Das habe dem Regisseur gefallen. «Cool», habe er gemeint, wahrscheinlich bleibe dieser Satz im Film.

«Tatort»-Folge «Nachtkrapp» mit David Frei: Sonntag, 7. Oktober, 20.05 SF1 (Mundart), 20.15 ARD (Hochdeutsch, mit Davids Originalstimme)