David besiegt Goliath

SCHACH. In der siebten und letzten Runde der Mannschaftsmeisterschaft der 3. Liga bekam es Rheintal II mit einem schweren Brocken zu tun: Davos. Doch der Favorit wankte nicht nur, er fiel sogar.

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Während Toni geduldig auf einen Spielpartner wartet, geht im nahen Gasthaus Drei König die Post ab. (Bild: Kurt Kaufmann)

Während Toni geduldig auf einen Spielpartner wartet, geht im nahen Gasthaus Drei König die Post ab. (Bild: Kurt Kaufmann)

Elo-Punkte sind im Schachsport das A und O. Die Skala beginnt bei 1000 (Anfänger) und endet bei etwa 2800 Punkten (Weltmeister). Davos protzte mit einem Elo-Durchschnitt von 1970 Punkten, die Gastgeber brachten es gerade mal auf bescheidene 1710 Punkte. Statistisch betrachtet hätten die Rheintaler mit 1,5:4,5 Punkten untergehen müssen. Taten sie aber nicht.

Davos mit viel Respekt

Der Wettkampf hatte erst so richtig begonnen, da machte Dragan Vulevic am ersten Brett schon ein Friedensangebot. Er handle eben im Interesse seiner Mannschaft, fügte er beschwichtigend hinzu. Er dachte wohl, dass seine Kollegen und insbesondere sein Bruder Vjekoslav schon die Kohlen aus dem Feuer holen würden. Rudolf Gautschi suchte sein Heil ebenfalls in einem Remisangebot, allerdings nicht aus mannschaftstaktischen Gründen, sondern weil ihn Kurt Lesjak gehörig unter Druck setzte. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach, dachte sich Lesjak angesichts der ungleichen Elo-Verhältnisse und schlug ein.

Den Vogel aber schoss Markus Zoller ab, der dem um 464 Elo-Punkte höher eingestuften Vjekoslav Vulevic Paroli bot. Anfangs diktierte der hohe Favorit das Geschehen, doch dann befreite sich Zoller mit einem Bauernopfer und erhielt gutes Gegenspiel. Der FIDE-Meister büsste den Mehrbauern wieder ein und musste sich in absolut gleichwertiger Stellung mit einem halben Punkt begnügen.

Schmählich im Stich gelassen

Die Weichen zum Mannschaftssieg stellte Ismail Osmani. Zuerst eroberte der grosse Taktiker einen Springer, dann setzte er Daniel Weber mit viel Getöse ausser Gefecht. Den entscheidenden Punkt zum ganz grossen Coup steuerte Kurt Kaufmann bei. Während die schwarze Lady untätig am Damenflügel herumstand, erhielt ihr Gatte auf der anderen Brettseite ungebetenen Besuch. Der schwarze Monarch wurde eine leichte Beute der weissen Schwerfiguren.

Der einzige Rheintaler, der in Berneck mit der Niederlage Bekanntschaft machte, war Mario Milo. Sein schwarzer Rappen fand nach einem Geländeritt nicht mehr in den heimischen Stall zurück. (kuk)

3. LIGA Rheintal II – Davos 3,5:2,5 Pius Steiger (Elo 1746) – Dragan Vulevic (1908) 0,5:0,5; Ismail Osmani (1758) – Daniel Weber (1765) 1:0; Kurt Kaufmann (1901) – Renato Bollhalder (2013) 1:0; Markus Zoller (1857) – Vjekoslav Vulevic (2321) 0,5:0,5; Kurt Lesjak (1519) – Rudolf Gautschi (1971) 0,5:0,5; Mario Milo (1478) – Jakob Hew (1846) 0:1.