«Das war einer der schönsten Jobs»

Heinz Wiget war seit 2008 Standortleiter bei libs, dem Verein «Industrielle Berufslehren Schweiz». Auf dieses Lehrjahr hin hat der 62-Jährige die Leitung an seinen Nachfolger übergeben.

Sabrina Schmid
Merken
Drucken
Teilen

Herr Wiget, was ist das für ein Gefühl, Ihre Position als libs-Standortleiter von Heerbrugg nach acht Jahren abzugeben?

Heinz Wiget: Es ist befreiend, da ich meine Verantwortung abgeben konnte. Für mich beginnt jetzt ein neuer Lebensabschnitt. Ich bin zudem viel flexibler in der Arbeitseinteilung.

Was war Ihre Funktion?

Im Wesentlichen handelte es sich um eine Führungstätigkeit. Dazu gehörte das Führen der Berufsbildenden und Ausbildungsverantwortlichen. Mit den Lehrlingen hatte ich eher wenige Berührungspunkte. Nebst der Personalführung gehörten auch die Standortvertretung in der Geschäftsleitung, das Koordinieren von Anlässen und Öffentlichkeits- und Akquirierungsarbeit dazu.

Sie werden Ende Januar 2017 in Pension gehen. Wieso haben Sie die Leitung bereits jetzt abgegeben?

Ich habe das mit meinem Vorgesetzten genau besprochen und den Wunsch geäussert, meinen Posten per Lehrstart 1. August 2016 an meinen Nachfolger zu übergeben. Ich wollte nicht, dass den neuen Lehrlingen ein Führungswechsel bevorsteht. Für mich ist das eine gute Sache, denn ich arbeite noch 60 Prozent und so ist das nicht ein allzu abrupter Abgang.

Welche Aufgaben übernehmen Sie bis zu Ihrer Pension?

Bis im Januar werde ich eine reibungslose Übergabe der laufenden Geschäfte an meinen Nachfolger sicherstellen. Zudem werde ich für diverse Projektaufgaben eingesetzt. Wir befinden uns in einer Übergangszeit und können nicht alles planen.

Was bedeutet das?

Mein Nachfolger Peter Van Caenegem, der Berufsbildner und Ausbildungsverantwortlicher im Bereich Konstruktion war, übergibt jegliche Arbeiten seiner Nachfolge und führt diese in die neue Arbeit ein. Ich mache im Moment genau dasselbe und bin froh um die Einführungszeit. Für Peter Van Caenegem sind viele Tätigkeiten neu und ich werde ihn im nächsten halben Jahr bei allem unterstützen. Eigentlich kann man sagen, dass ich immer noch in den bisherigen Tätigkeiten drin bin. Ich gebe meine Arbeiten jetzt einfach sukzessive ab.

libs übernimmt die Selektierung, wenn es darum geht, die Lernenden einer Mitgliedfirma zuzuführen. Werden die Lehrlinge dadurch nicht eingeschränkt?

Der Lernende weiss, mit welchen Firmen wir zusammenarbeiten – das legen wir offen. Der Lernende erfährt bis zum zweiten Lehrjahr nur nicht, in welcher Firma er den zweiten Teil seiner Ausbildung absolvieren wird. Im zweiten Lehrjahr beginnen wir dann mit der Zuteilung – wir lassen den Lernenden aber mitbestimmen. Wir kennen die Lernenden sowie die Versetzungsplätze beim Mitglied sehr gut und können dadurch die Lernenden gut beraten.

Wie läuft das ab?

Wir schauen, in welche Richtung sich ein Lernender entwickelt, ermitteln, in welchem Gebiet er am ehesten tätig sein kann und geben aufgrund dieser Überlegungen unsere Empfehlung ab. Wenn ein Lernender jedoch den Wunsch äussert, in eine spezifische Firma zu gehen, richten wir das ein. Wichtig ist, dass man den Lehrlingen die Chance gibt, sich durch Schnuppern ein eigenes Bild zu machen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Firmen erlebt?

Sehr positiv. Ich kam in der Zeit der Finanzkrise und die Firmen haben sich den damaligen Schwankungen nicht unterworfen und trotzdem Lernende ausgebildet. Das ist wichtig für eine langfristige Zusammenarbeit.

Haben Sie Jahre erlebt, die einen Mangel oder einen Überfluss an Lehrlingen mit sich brachten?

Um solche Schwankungen grundsätzlich ausgleichen zu können, stellen wir immer mehr Lehrlinge ein, als wir brauchen. Das machen wir, damit wir unsere Versprechen gegenüber den Firmen einhalten können. 2009 war das einzige Jahr, in dem wir zwei Lernende zu wenig hatten – ansonsten haben wir immer alle Stellen besetzt. In den restlichen Jahren kam es auf die Situation und den Trend an. Manchmal mussten wir bis zum Schluss warten, um alle Stellen zu besetzen. Je nachdem, wie die jungen Leute eingestellt sind, also ob ein Beruf als «in» oder «out» angesehen wird, hat man bei einigen Berufen weniger Probleme, genügend Lehrstellen zu besetzen, bei anderen mehr.

Gibt es weitere Gründe für diese Schwankungen?

Die Demographie hat sicherlich gegen uns gesprochen. Man kann feststellen, dass intellektuell bessere Schüler häufig den gymnasialen dem dualen Bildungsweg vorziehen. Folglich hat es weniger Lehrlinge für uns. Nichtsdestotrotz steigen unsere Lehrlingszahlen stetig. Als ich 2008 zu libs kam, haben 108 Lehrverträge bestanden. Per Lehrstart 2016 waren es bereits 141. Das ist sehr erfreulich.

Welche Rückmeldungen erhält libs von den Lehrlingen?

Ich denke, wir haben einen guten Stand. Bei unseren Umfragen fielen die meisten Antworten mit «gut zufrieden» aus. Klar gibt es Ausreisser, die eine weniger gute Bewertung abgeben, aber mit solchen Rückmeldungen müssen wir auch umgehen können. Im Allgemeinen hat libs ein gutes Echo. Viele Menschen sind der Überzeugung, dass man bei uns eine gute Lehre absolvieren kann – und darauf bin ich stolz.

Welches sind aus Ihrer Sicht die Vorteile von libs?

Wir begleiten die Lernenden durch den Lehrprozess und bieten ihnen in den ersten beiden Jahren ein gesichertes Umfeld. Zudem sind die Lehrlinge im ständigen Kontakt mit anderen Lernenden. Dadurch ermöglichen wir unseren Lernenden einen sanfteren Einstieg in die Berufswelt. Bei unseren eidgenössischen Berufsbildnern und den attraktiven Firmen sind die Lernenden sehr gut aufgehoben.

Gibt es auch Nachteile?

Vermutlich, dass die Lernenden nicht von Anfang an wissen, in welcher Firma sie im zweiten Teil ihrer Ausbildung arbeiten werden.

Was hat Ihnen die Zeit bei libs persönlich gebracht?

Ich hatte erfolgreiche acht Jahre hier und diese möchte ich nicht missen. Ich habe die Arbeit sehr gerne gemacht. Die Industrieerfahrung aus meinen früheren Tätigkeiten habe ich zu libs mitgenommen und konnte so gute Beziehungen mit den verschiedenen Firmen pflegen. Auch die Entwicklung der jungen Menschen miterleben zu dürfen, hat meine Zeit in Heerbrugg bereichert – schliesslich konnte ich unseren jungen Lernenden täglich bei der Arbeit zusehen. Das war einer der schönsten Jobs in meiner beruflichen Karriere.