Das Tarzan-Seil hängt nicht mehr

Diepoldsau  Wer ist der Spassverderber? Die Jugendlichen fragen sich, wer die beliebten Seile für waghalsige Sprünge in den Alten Rhein abgeschnitten hat. Die Gemeinde jedenfalls war es nicht.

Hildegard Bickel
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Unter mutigen Badegästen sind die Seile die Hauptattraktion am Ufer des Alten Rheins. Viele ziehen die Seile, die wie Lianen von den Bäumen hängen, sogar dem Sprungturm in der Badi vor. Ein Platz, der besonders gern besucht wird, ist in der Nähe von den Gemüsefeldern des Fahrmaadhofs. Doch seit letzter Woche ist das Seil weg. Abgeschnitten wie ein Henkersseil. Das Ende baumelt vom stattlichen Baum in fast unerreichbarer Höhe.

Der Lieblingsplatz verliert seinen Reiz

Vier Schüler aus Götzis kamen mit dem Velo und ihren Badesachen extra auf die Schweizer Seite des Alten Rheins: «Es war das beste Seil, weil wir damit weit springen konnten.» Sie finden es schade, dass jemand scheinbar vorsätzlich den Badespass verdirbt. Sie machen es nun wie die enttäuschten Rheintaler Springer, klettern auf den Wurzeln des Baums herum und suchen dort eine abenteuerliche Absprungstelle. Die Jugendlichen haben sich schon überlegt, ob sie ein neues Seil anbinden sollen, doch sie trauen der Belastbarkeit der Äste nicht. Wurden die Seile möglicherweise wegen Sicherheitsaspekten abgeschnitten?

Behörden haben nichts dagegen

Nachgefragt bei der Gemeinde Diepoldsau verneint Guido Seiz, Leiter des Unterhaltsdienstes. Zuständig für den Wald am Alten Rhein sei das Rheinunternehmen. Dort wundert sich auch der stellvertretende Leiter Claudio Senn. Es werde zwar nicht empfohlen, von den Seilen zu springen, «aber wir schneiden sie auch nicht ab». Gehandelt werde nur, wenn Unfallgefahr bestehen sollte. Falls ein Ast morsch wäre oder Bäume wegen Sturmschäden gestutzt werden müssen. «Ich bin selber schon von diesen Seilen gesprungen», sagt Senn. Er vermutet, dass es ein Streich war. Wer sich vor Ende der Badesaison trotzdem mit einem Gefühl wie Tarzan erfrischen will, muss auf andere Badeplätze ausweichen. Höhe Schmitter-Zollamt oder Kopfloch sind beispielsweise noch ein paar Seile zu finden.