Das Sonnensystem tanzt

Bis auf den letzten Platz war das Diogenes-Theater am Samstag gefüllt: Das neue Programm des St. Galler Stimmentänzers Martin O. liess man sich nicht entgehen.

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Martin O. lässt in seinem neuen Programm die Planeten tönen. (Bild: pd)

Martin O. lässt in seinem neuen Programm die Planeten tönen. (Bild: pd)

Altstätten. Mit seinem ersten Soloprogramm war Martin O. gleich der nationale Durchbruch gelungen, und er wurde auch international zum gefragten Artisten. Damit war die Latte für die zweite Produktion hoch gelegt.

Mit «Cosmophon» vermochte Martin O. die hohen Erwartungen zu erfüllen. Er präsentiert eine Weiterentwicklung seiner bisherigen Arbeit, bietet neue Variationen und zeigt sich locker und verspielt. Neben der Stimme lässt er nun auf der Bühne auch das Piano und die Geige erklingen und experimentiert in höchster Präzision mit neuen grafischen Möglichkeiten der modernen Technologie.

Ein grosses weisses Rondell wird zur Leinwand, welche zuerst fürs Schattentheater, später als Projektionsfläche eingesetzt wird. Fast wie ein Zauberer zieht und schiebt Martin O. Grafiken und Bilder darauf hin und her, kommentiert und besingt sie, lässt Planeten erklingen, um sie dann wieder in der Unendlichkeit des Universums verschwinden zu lassen.

Die Handschrift beibehalten

Martin O. erscheint in seinem neuen Stück witziger und verspielter als zuvor. Er hat sich vom Purismus der Stimme verabschiedet und baut neue Elemente mit ein. Es scheint, als hätte die Pflanze neue Knospen getrieben, die jetzt ein Eigenleben entwickeln und lustvoll mit den Möglichkeiten spielen, die sich da bieten. Und trotzdem ist die klare Handschrift des Stimmentänzers erkennbar in all seinen Liedern, Geschichten und Bewegungen. Die Stimme ist das tragende Element, gepaart mit der eindrücklichen Klarheit der Bewegungen und der Mimik des Künstlers.

Neue Hörerlebnisse

Schon der Titel des Programms sagt aus, was es zu bieten hat: «Cosmophon» lässt das Sonnensystem tanzen, das Universum klingen. Es verführt in ferne Galaxien, in neue Hörerlebnisse, die das Publikum ganz einfach fesseln und zum Staunen bringen. Wie ist es möglich, dass ein einziger Mensch mit seiner Stimme und dem Loop, mit welchem Sequenzen aufgezeichnet und wiedergegeben werden können, solch intensive Klangerlebnisse schaffen kann? Wie Martin O. das schafft, das bleibt offen. Sicher ist aber, dass er es schafft. Und sicher ist auch, dass das Diogenes-Publikum am vergangenen Samstagabend vollends begeistert war von diesem Konzert der besonderen Art. (pd)

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