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Das «Sacher» ist ihr Ziel: 19-jährige Rheintalerin bäckt in Wien

Carline Hutter ist in die Stadt der Zuckerbäcker gezogen, um Pâtissière zu werden. Bis zum Traumjob im prestigeträchtigsten Wiener Café dürfte es noch dauern – die erste Stelle hat sie aber gerade angetreten.
Seraina Hess
Touristen kennen es, Einheimische sowieso: Das Hotel Sacher ist in Wien ein Begriff und bekannt für seine gleichnamige Torte. (Bild: Archiv)

Touristen kennen es, Einheimische sowieso: Das Hotel Sacher ist in Wien ein Begriff und bekannt für seine gleichnamige Torte. (Bild: Archiv)

Die Decke, an die Carline Hutter an diesem Morgen blickt, als sie auf dem Bett liegt und den Hörer in der Hand hält, ist besonders hoch. So, wie in vielen Wohnungen der Stadt. Es ist aber nicht der Baustil, die Vielzahl an historischen Sehenswürdigkeiten oder das pulsierende Leben rund um ihr Lieblingsviertel, das Museumsquartier, das die Diepoldsauerin aus der Heimat ins gut 600 Kilometer entfernte Wien geführt hat. Es war die bestandene Aufnahmeprüfung für den Lehrgang zur Pâtissière an einer der prestigeträchtigsten Gastronomiefachschulen. Durchsetzen musste sie sich gegen Mitbewerber aus der ganzen Welt, aufgenommen wurden in ihrem Jahrgang gerade einmal 18 Personen.

Das Telefonat in die Heimat, ins Rheintal, ist eines von vielen. Die junge Frau, erst 19-jährig, hält engen Kontakt zur Familie. Dass Mutter und Schwestern so weit entfernt lebten, sei der einzige Nachteil am neuen Wohnort. Ein- bis zweimal pro Monat fährt sie deshalb übers Wochenende nach Hause, obschon eine Zugfahrt sechs bis sieben Stunden dauert.

Feines Handwerk in der Küche

Seltener geworden sind die Besuche Anfang Sommer, als die Abschlussprüfungen bevorstanden. Die Kochlehre, die sie im letzten Jahr im Spital Heiden abgeschlossen hatte, kam ihr zwar zugute. «Die Praxis ist aber etwas ganz anderes, die Arbeit viel präziser und umständlicher als jene eines Kochs», erklärt Hutter. Doch genau das habe sie sich seit ein paar Jahren gewünscht: Sich den Lebensmitteln mit Geduld und exaktem Handwerk widmen zu können, wie es in einer Grossküche mit Dauerstress eben kaum möglich ist.

Per Definition ist eine Pâtissière eine Küchenkonditorin oder eine Feinbäckerin und somit eine Spezialisierung des Grundberufs der Köchin. Pâtissières sind meistens in Hotels mit mehreren Sternen oder in gehobenen Restaurants tätig und kümmern sich um Desserts. Den Abschluss mit Diplom gibt es im Gegensatz zu jenem des Konditors weder in der Schweiz noch in Deutschland, sondern einzig in Österreich – der Grund, weshalb die gelernte Köchin die Ausbildung in der Ferne auf sich nahm. Dass die Familie in der Stadt der Zuckerbäcker eine Ferienwohnung besitzt, kam ihr zugute.

Viele Kaffeehäuser zur Auswahl

Die Prüfungen sind inzwischen Geschichte, die Ausbildung zur Pâtissière – und zusätzlich zur Konditorin, weil sich die Gelegenheit zur Prüfung ergab – mit Bestnoten abgeschlossen. Zurück nach Hause zieht es die 19-Jährige trotzdem nicht. «Ich bin sehr glücklich hier, die Anonymität der Stadt ist im Vergleich zum Dorf befreiend», sagt sie. Der Entschluss, zu bleiben, dürfte einerseits damit zusammenhängen, dass sie ihren Freund an der Schule kennen gelernt hat, mit dem sie heute zusammen ist. Andererseits damit, dass die Hauptstadt Österreichs einer ambitionierten Berufsfrau ihrer Branche mehr zu bieten hat als das Rheintal: Der Hofzuckerbäcker Demel oder das Café Central sind nur zwei Beispiele.

Für sich selbst hat Carline Hutter das wohl bekannteste Hotel als Karriereziel auserkoren: das Hotel Sacher, das sich gleich hinter der Staatsoper befindet und für seine Torte auf der ganzen Welt bekannt ist. «Bis man dort angelangt ist, kann es lange dauern», sagt Hutter. «Man muss in möglichst vielen Betrieben gearbeitet und sich einen Namen gemacht haben.»

Ein weiterer Schritt in diese Richtung ist bereits getan. Vor ein paar Wochen hat Carline Hutter die erste Stelle als Pâtissière angetreten. Zur Auswahl standen ein grosses Hotel und ein kleines Restaurant. Nach den hektischen Lehrjahren in der Grossküche in Heiden fiel die Entscheidung leicht: Der Kleinbetrieb als Einstieg auf dem Weg zu den Grossen passt der Diepoldsauerin ganz gut.

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