Das Paradies für neue Firmen

Mit Firmengründungen belegt das Rheintal im Kanton einen Spitzenplatz. Gemäss Bundesamt für Statistik sind im Jahr 2014 insgesamt 344 neue Unternehmen entstanden.

Seraina Hess
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Mit der stattlichen Anzahl Firmengründungen steht das Rheintal zwar nur auf dem zweiten Platz der Liste. Der Wahlkreis St. Gallen hat mit 615 Firmengründungen die Nase deutlich vorn. Setzt man die 344 neuen Unternehmen im Rheintal aber in Relation zur Wohnbevölkerung, zeigt sich: Auf 1000 Einwohner kommen 4,8 Gründungen, in St. Gallen sind es knapp 4,9. Eine so hohe Dichte erreicht kein anderer Wahlkreis im Kanton, nicht einmal Wil, mit 338 Neugründungen auf Platz drei. Im ganzen Kanton sind insgesamt knapp 2300 neue Unternehmen entstanden.

Rheintal hat am stärksten zugelegt

Als Neugründungen gelten gemäss Bundesamt für Statistik Firmen, die «Aus dem Nichts» entstanden sind und auch «tatsächlich marktwirtschaftliche Aktivität entfalten». Dazu gehören auch Selbständigerwerbende, Start-ups oder Neuansiedlungen ausländischer Unternehmen. Ausgeklammert bleiben Gründungen, die durch Unternehmensfusionen oder Firmenübernahmen entstanden sind. Nicht gezählt werden ausserdem landwirtschaftliche Betriebe.

Wie der Statistik zu entnehmen ist, hat sich das Rheintal im Vergleich zu 2013 deutlich gesteigert. Damals wurden 257 Gründungen verzeichnet, 2014 fast 34 Prozent mehr. Im kantonalen Vergleich stellt diese Zahl die grösste Zuwachsrate dar. Im Wahlkreis St. Gallen sind die Firmengründungen um knapp 20, in Wil um 31 Prozent gestiegen. Geringen Zuwachs gab es im Wahlkreis Werdenberg (4 Prozent) und im Wahlkreis Sarganserland (knapp 9 Prozent). Der Rheintaler Anteil an den gesamten Firmengründungen im Kanton betrug 2014 über 15 Prozent, 2013 waren es knapp 14.

Das Rheintaler Ergebnis klingt zwar gut. Ökonom Peter Eisenhut gibt aber zu bedenken: «Um die Höhe der Gründungen zu beurteilen, wird üblicherweise die Neugründungsquote – Neugründungen im Verhältnis zu bestehenden Unternehmen – berechnet. Dabei schliesst das Rheintal sowohl im Vergleich mit anderen Wirtschaftsregionen als auch mit der Gesamtschweiz durchschnittlich ab.»

2014: Wachstum in der ganzen Schweiz

Generell habe die gute Konjunktur im Jahr 2014 mit einem Bruttoinlandprodukt-Wachstum von 2 Prozent zum Wachstum der Neugründungen in der ganzen Schweiz geführt. Zudem geht Eisenhut davon aus, dass im Rheintal mehr Neugründungen im industriell-gewerblichen Bereich stattgefunden haben als in anderen Regionen. «Neugründungen in diesen Branchen reagieren stärker auf Konjunkturschwankungen als beispielsweise im Dienstleistungssektor», erklärt Eisenhut.

Spannend ist die Verteilung auf die Gemeinden. Regionaler Spitzenreiter im Jahr 2014 ist Altstätten mit 60 Gründungen, gefolgt von Au (45), Widnau (42) und Diepoldsau (38). Mit Firmengründungen gehen auch neue Arbeitsplätze einher – allerdings ist nicht klar, wie viele Stellenprozent diese betragen. Jede beschäftigte Person, unabhängig vom Beschäftigungsgrad, zählt als Arbeitsplatz.

71 neue Arbeitsplätze in Altstätten

Nicht gerade überraschend, dass das Rheintal auch hier gut abschneidet: Durch Neugründungen sind 2014 insgesamt 432 Arbeitsplätze entstanden. In St. Gallen waren es mit 822 am meisten, Wil liegt mit 448 knapp vor dem Rheintal. Aufgeschlüsselt nach Gemeinden führen in diesem Wahlkreis Altstätten (71), Au (54), St. Margrethen (53) und Widnau (51).

Peter Eisenhut geht davon aus, dass die Neugründungen nach Aufhebung der Wechselkursuntergrenze für den Euro und der deutlich abgeschwächten Konjunkturdynamik im Jahr 2015 wieder abgenommen haben – diese Zahlen sind allerdings noch nicht bekannt. «2016 hat die Industrie auf einen sanften Erholungspfad umgeschwenkt, das BIP-Wachstum ist wieder auf etwa 1,6 Prozent gestiegen, was den Neugründungen wohl wieder etwas Rückenwind verleiht, der auch im kommenden Jahr halten sollte.»