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Das Paar bestimmt die Richtung

Seit September leitet Yvonne Menzi die Paar- und Familienberatung Rheintal. Sie unterstützt Ratsuchende darin, eine Standortbestimmung ihrer Beziehung zu machen. Das kann in einer Krise oder vor dem Start in eine Ehe sein.
Monika von der Linden
Spielfiguren setzt Yvonne Menzi gerne in der Beratung ein, um Beziehungen in einer Familie darzustellen. «Das fällt Ratsuchenden manchmal leichter, als sich mit Worten auszudrücken.» (Bild: Monika von der Linden)

Spielfiguren setzt Yvonne Menzi gerne in der Beratung ein, um Beziehungen in einer Familie darzustellen. «Das fällt Ratsuchenden manchmal leichter, als sich mit Worten auszudrücken.» (Bild: Monika von der Linden)

Yvonne Menzi, welche Eindrücke haben Sie gewonnen, seitdem Sie die Stellenleiterin sind?

Yvonne Menzi: Ich habe im September die Aufgabe von Felix Häne übernommen. Er baute die Beratungsstelle auf und prägte sie dreissig Jahre lang. Mein Eindruck ist, dieses Angebot entspricht einem Bedürfnis und wird gut genutzt.

Setzen Sie einen anderen Schwerpunkt als Ihr Vorgänger?

Menzi: Felix Häne hat viele Paare beraten. Ich will Unterstützung in verschiedenen Situationen bieten, sei es für Einzelpersonen, Paare oder Familien. Dort geht es um Beziehungen von Eltern und Kindern. Auch haben erwachsene Söhne und Töchter das Bedürfnis, offene Fragen zu klären.

Ist es für Ihre Klienten eine Überwindung, zu Ihnen zu kommen?

Menzi: Ich weiss, es ist Mut nötig, zu einer Beratungsstelle zu gehen. Deshalb sage ich bereits beim ersten Kontakt am Telefon, dass wir uns zunächst auf ein erstes Gespräch beschränken. Die Ratsuchenden können danach zu Hause in Ruhe überlegen und besprechen, ob sie die Gespräche fortsetzen wollen.

Sie arbeiten zu einem kleinen Pensum als Pfarrerin noch in Goldach. Haben Sie eine Zusatzausbildung absolviert?

Menzi: Bereits während meines Studiums der evangelischen Theologie wusste ich, dass ich gerne in der Beratung und Begleitung arbeiten würde. Deshalb machte ich eine ausserkirchliche Weiterbildung als Einzel-, Paar- und Familienberaterin. Die Vielfältigkeit in der Beratung entspricht mir. Es verbinden sich nun zwei Wege.

Worin besteht der Unterschied in der Beratung in einem Pfarramt und der Beratungsstelle?

Menzi: Im Pfarramt ging ich meistens zu den Menschen nach Hause. Kontakte waren punktuell – oft verbunden mit Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten. Nun kommen sie mit einem Anliegen zu mir in die Beratungsstelle: eine ungeklärte Frage oder ein ungelöstes Problem. Im Pfarramt begleitete ich Menschen oft in akuter Not und weise sie manchmal an entsprechende Beratungsstellen weiter.

An eine Fachstelle wie diese hier?

Menzi: Ja, hier kann ich intensiv und langfristig begleiten.

Sie sprechen von Begleitung. Erwarten Sie von den Ratsuchenden eine grosse Eigenverantwortung?

Menzi: Ja, meine Klienten kommen freiwillig. Sie bestimmen, welchen Auftrag ich erfüllen soll, in welche Richtung die Gespräche führen und mit welchem Tempo wir vorgehen. Ich unterstütze sie an dem Punkt, an dem sie gerade sind und helfe ihnen, die Perspektive zu wechseln, um ihre Situation aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.

Sind Sie wie ein Katalysator, Sie beschleunigen eine Reaktion, ohne selbst beteiligt zu sein?

Menzi: Manchmal setze ich einen Prozess in Gang. Zum Beispiel indem ich Klienten helfe, ihre Beziehung unter einer Lupe anzuschauen. Viele entdecken so positive Erfahrungen wieder. Sie erinnern sich, was sie am anderen einmal fasziniert hat. Möchte allerdings jemand keine Veränderung, ist das sein Recht.

Haben Sie hier bereits besonders schöne Erfahrungen gemacht?

Menzi: Schön ist, wenn sich ein Paar nach dem zweiten Gespräch bedankt und gleichzeitig einen dritten Termin absagt, weil es sicher ist, nun alleine weiterzukommen. Dann habe ich einen Prozess in Gang gesetzt.

Worin besteht für Sie die grösste Schwierigkeit?

Menzi: In der Paarberatung neutral zu sein. Es ist manchmal schwer, aber wichtig, nicht Partei zu ergreifen. Auch schütze ich mich davor, dass mich Probleme anderer belasten. Der Träger unterstützt mich mit einem Jahresbudget für eine Supervision.

Wer finanziert die Stelle?

Menzi: Die katholischen und evangelischen Kirchgemeinden sowie die politischen Gemeinden zwischen Rüthi und Staad. Sie zu nutzen, ist an keine Voraussetzung geknüpft.

Welches strategische Ziel haben Sie?

Menzi: Es ist keine neue strategische Ausrichtung nötig. Ich will den administrativen Aufwand gering halten und mir Zeit für die Ratsuchenden nehmen. Ziel muss sein, dass es die Stelle in zwanzig Jahren noch gibt. Das ist nicht selbstverständlich.

Bisher haben wir überwiegend über Krisen gesprochen. Sie arbeiten aber auch in der Ehevorbereitung.

Menzi: Ja, im Dekanat Altstätten bieten Diakon Carsten Wolfers und ich einen Ehe-Impulstag an. Ich finde es schön, wenn sich Paare in der Hochzeitsvorbereitung Zeit nehmen für die inhaltliche Gestaltung. Sie wollen ihre Ehe von Beginn an pflegen.

Welche Inhalte hat der Kurs?

Menzi: Mein Thema ist die Beziehungspflege, wodurch ein Paar stark wird und bleibt. Carsten Wolfers spricht mit den Paaren über ihre Herkunft, welchen Rucksack sie mit in ihre Ehe bringen. Auch sprechen sie über das Verständnis von Ehe und wie sie die Liturgie der Hochzeit konkret mitgestalten können.

Ist ein solcher Ehevorbereitungskurs heute nicht mehr obligatorisch?

Menzi: In der katholischen Kirche war der Kurs einmal Voraussetzung zur kirchlichen Heirat. Bei den Reformierten kenne ich diese Tradition nicht.

Bischof Vitus Huonder, Chur, forderte kürzlich in der «SonntagsZeitung», ungenügend vorbereitete Paare sollten nicht kirchlich getraut werden. Was sagen Sie dazu?

Menzi: Diese Forderung setzt voraus, dass jemand den Anspruch erhebt, entscheiden zu können, ob jemand beziehungsfähig ist. Das Paar entscheidet, ob es miteinander den Weg gehen will. Die Entscheidung kann nicht an ein Gremium delegiert werden. Ich empfehle jedem Paar eine Standortbestimmung und sich Zeit für ihre Beziehungspflege zu nehmen. Die Verantwortung liegt aber auch hier beim Paar.

Ein erster Kurs fand am 25. Januar statt. Für einen weiteren, am Samstag, 26. April, gibt es noch freie Plätze.

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