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Schlangen, Spinnen, Skorpione – weshalb ein Rheintaler Exoten in seiner Wohnung hält

Sie sind die grössten ihrer Art und bestechen durch intensive Farben: die Exoten von Yves Bregenzer.
Benjamin Schmid
Noch ist der Grüne Hundskopfschlinger aus dem Amazonasbecken orange-rötlich gefärbt. (Bild: Benjamin Schmid)Noch ist der Grüne Hundskopfschlinger aus dem Amazonasbecken orange-rötlich gefärbt. (Bild: Benjamin Schmid)
Yves Bregenzer mit der ungiftigen Hakennasennatter. (Bild: Benjamin Schmid)Yves Bregenzer mit der ungiftigen Hakennasennatter. (Bild: Benjamin Schmid)
Einer der grössten seiner Art: der Kaiserskorpion aus den tropischen Wäldern West- bis Zentralafrikas. (Bild: Benjamin Schmid)Einer der grössten seiner Art: der Kaiserskorpion aus den tropischen Wäldern West- bis Zentralafrikas. (Bild: Benjamin Schmid)
Klein, aber extrem giftig: die Schwarze Witwe. (Bild: Benjamin Schmid)Klein, aber extrem giftig: die Schwarze Witwe. (Bild: Benjamin Schmid)
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Das Nonplusultra unter den Exoten

Leicht nervös betrete ich Yves Bregenzers Wohnung. Kaum bin ich durch die Tür, lasse ich meinen Blick durch den Raum schweifen und erblicke unweigerlich ein Terrarium. Ich rücke näher und entdecke, auf einem Ast eingerollt, den Liebling des Rheineckers züngeln: der Grüne Hundskopfschlinger.

Das knapp einjährige Weibchen ist nicht die einzige exotische Mitbewohnerin des 28-Jährigen. Er besitzt ausserdem eine rote Regenbogenboa, zwei Hakennasennattern, fünf Leopardgeckos und einen Kaiserskorpion sowie eine Malaysische Erdtiger-Vogelspinne, eine Blaue Jemen-Vogelspinne, eine Südliche Schwarze Witwe und eine Goliath-Vogelspinne.

Mitten in der Umfärbung

«Ich war schon als kleiner Bub von diesen Tieren fasziniert», sagt Yves Bregenzer, «von ihrem Verhalten, ihrer Lebensweisen, ihrer Fortpflanzung und Ernährung.» Nebst diesen Punkten war er stets auch von der grossen Artenvielfalt bei Schlangen, Spinnen und Echsen beeindruckt. Bereits mit sieben Jahren durfte er zwei im Tessin gefundene Skorpione behalten und pflegen. Mit neun Jahren hatte er seine erste Schlange bekommen – seither blieb das Interesse an Exoten. Von den vielen Tieren, die ihn umgeben, begeistert ihn vor allem eines: Das Grüne Hundskopfschlinger-Weibchen. Speziell an dieser knapp anderthalb bis zwei Meter langen Schlange aus dem Amazonasbecken ist, dass die Jungtiere bei Geburt ziegelrot bis rotbraun sind und sich in den ersten Jahren über mehrere Häutungen hinaus umfärben. «Letzten Dezember war sie noch ganz rot, jetzt im Juli ist der Kopf schon fast ganz grün und der Körper voller grüner Stellen», sagt der Besitzer.

Sein Plan ist es, ein passendes Männchen zu finden, womit er eigene Tiere züchten kann. Der Akt der Fortpflanzung und eine erfolgreiche Zucht seien komplex und sehr spannend zu beobachten, ausserdem lassen sich die Haltungskosten mit dem Verkauf von Jungtieren senken. Während der Grüne Hundskopfschlinger weder besonders gross noch besonders gefährlich ist, dafür umso schöner anzuschauen, gehören der Kaiserskorpion und die Goliath-Vogelspinne zu den grössten Tieren ihrer Art. Mit einer Länge von bis zu 20 Zentimetern ist der Kaiserskorpion weltweit einer der grössten Skorpione.

So lang, wie der Arm eines Kindes

Auf Störungen reagiere er mit der charakteristischen Drohhaltung, indem er seinen Schwanz mit dem Giftstachel und die Scheren aufstellt. «Der Stich ist für Menschen schmerzhaft, das Gift jedoch ungefährlich», sagt der 28-Jährige. Vor ein paar Jahren wurde er von einem Jungtier gestochen. Es habe sich wie ein Mückenstich angefühlt. Nachdem er die Stichstelle gekühlt hatte, spürte er leichte Kopfschmerzen und ein Brennen um die Verletzung. Das Kopfweh verschwand nach wenigen Stunden, das Brennen blieb noch einige Tage spürbar.

Besonders interessant sei das Fortpflanzungsverhalten der Skorpione, das er leider noch nie live miterlebt habe. «Das Männchen greift die Scheren des Weibchens und es wirkt, als würden sie tanzen», sagt der Rheinecker. Allerdings suche das Männchen nur nach einem Untergrund, um das Spermienpaket abzusetzen, welches das Weibchen dann über eine Geschlechtsöffnung aufnimmt. «Wer nicht an Arachnophobie, der Angst vor Spinnen, leidet, staunt über die Körpermasse der Goliath-Vogelspinne», sagt Yves Bregenzer, «mit bis zu zwölf Zentimetern Körperlänge und einer Beinspannlänge von bis zu 30 Zentimetern ist sie nicht nur im Guinness-Buch der Rekorde, sondern auch so lang, wie der Arm eines Kindes.»

Femmes fatales der Spinnenwelt

In Yves Bregenzers Sammlung finden sich zwei weitere spezielle Vertreter: Eine Schwarze Witwe und eine Blaue Jemen-Vogelspinne. Während erstere ihre viel kleineren männlichen Geschlechtspartner unmittelbar nach oder noch während der Paarung frisst und sich selber zur Witwe macht, kommt Letztere nur auf der Insel Sokotra im Indischen Ozean zwischen dem Horn von Afrika und der jemenitischen Küste vor.

«Die Schwarze Witwe ist winzig, kaum grösser als eine dicke Erbse», sagt der Automechaniker. Die Männchen sind nur halb so gross und laufen Gefahr, nach der Paarung vom Weibchen gefressen zu werden, denn sie gelten als Femmes fatales der Spinnenwelt. Von diesem Verhalten her rührt ihr Name, doch in Wahrheit frisst sie ihren Partner seltener, als kolportiert wird.

Obschon sie giftig ist, kommt es selten zu Bissen und noch seltener führen diese zum Tod. «Ich wurde noch nie gebissen», sagt der Rheinecker. Die Folgen eines Bisses können Muskellähmungen, Atemnot und extreme Bauch- und Kopfschmerzen auslösen. Bei der Haltung ist also äusserste Vorsicht geboten, schliesslich kostet das Gegengift mehrere Tausend Franken.

Etwas weniger giftig ist die Blaue Jemen-Vogelspinne. «Ne-ben der blauen Färbung des Tiers ist ihr Sozialverhalten aussergewöhnlich für Vogelspinnen», sagt Bregenzer, «die Weibchen betreiben Brutpflege.» Ausserdem könne man sie in Gruppen halten, was für Vogelspinnen sehr speziell sei.

So naturgetreu wie möglich

Der gelernte Automechaniker ist sich bewusst, dass seine Tiere keine Kuscheltiere sind. Dennoch kümmert er sich mit voller Hingabe um die Zwei- bis Achtbeiner. Er scheut keine Mühe, um die Terrarien so naturgetreu wie möglich zu gestalten.

«Ich gestalte sie selber und lege grossen Wert auf eine möglichst tiergerechte Unterbringung.» Natürlich müsse man auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit achten, aber insgesamt sei der Aufwand überschaubar. «Meine Schützlinge stinken und haaren nicht, müssen nicht Gassi gehen oder fortwährend gepflegt werden», sagt Yves Bregenzer. Bei gewissen Exemplaren müsse man vorsichtig sein, um nicht gebissen oder gestochen zu werden, sonst lassen sie sich problemlos in Wohnungen halten. Wichtig sei, dass die Tiere aus Nachzuchten und nicht von Wildfängen stammen.

«Es gibt nichts Schlimmeres, als die Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung zu reissen und unter übelsten Bedingungen zu halten, um sie gewinnbringend zu verkaufen.»

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