Das neue Jahr sanft eingespielt

Der Verein Konzerte lud zum Neujahrskonzert in die Kirche Oberegg ein. Das Quartett Laseyer und Maja Bösch auf der Orgel verwöhnten das Publikum mit gediegener Volkstümlichkeit.

Rolf Rechsteiner
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Das Quartett Laseyer begeisterte vollends (von links): Albert Graf, Martin Dobler, Daniel Bösch und Barbara Giger-Hauser. (Bild: Rolf Rechsteiner)

Das Quartett Laseyer begeisterte vollends (von links): Albert Graf, Martin Dobler, Daniel Bösch und Barbara Giger-Hauser. (Bild: Rolf Rechsteiner)

oberegg. Den Sturmwind, der dem Quartett Laseyer den Namen gab, liessen die vier Musiker zu Hause. War das neue Jahr Stunden zuvor mit Knallern und Feuerwerk begrüsst worden, so wurde in der Pfarrkirche Oberegg ein Kontrapunkt gesetzt. Sanfte Töne dominierten das äusserst vielfältige Programm, das sich als Einladung zum Hinhören verstand, zum sorgsamen Umgang miteinander vielleicht. So sorgsam, wie die Musiker mit ihren Instrumenten umzugehen pflegen.

Sie taten es mit sichtlicher Spielfreude, mit Inbrunst bisweilen, die vergessen machte, dass hier mit höchster Präzision nicht gespielt, sondern gearbeitet wurde – und das am ersten Tag des Jahres.

Hiesigs ...

Das Konzert war in vier Blöcke unterteilt. Geboten wurde «Hiesigs vo geschter», dann «Frönts vo geschter» und anschliessend beides «...vo hüt». Zwischenapplaus hatte sich KIK-Präsident Tim Haas namens der Musiker verbeten. Die kurzen Pausen seien in angespannter, konzentrierter Stille zu geniessen, regte er an.

Und das war gut so. Den Auftakt bildete das Ruggusseli «Alphorn» von Josef Dobler, das die Organistin singend intonierte, bevor Dani Bösch am Akkordeon das Thema übernahm und in gefühlvollem Wechsel mit der «grossen Schwester» zelebrierte. Maja Bösch überzeugte in ihrer Eigenkomposition «Alphorngruess» und im « En Altfrentsche» von Jakob Anton Broger gleichermassen durch gekonnte Registratur und stilsichere Interpretation.

– Das Quartett zelebrierte traditionelle Stücke in Moll, wobei die Orgel im Schottisch spannende Akzente setzte. «Hiesigs vo hüt» war zunächst der Walzer «Am Fählensee» von Josef Dobler (Hornsepp), der Orgelchoral und Andachtsstück in einem wurde durch die äusserst feine Interpretation aller fünf Beteiligten, allen voran dem Geiger Martin Dobler, der das musikalische Erbe seines Vaters sorgsam pflegt.

Das Stück «Töbi in Caracas» von Töbi Tobler bot Albert Graf die Möglichkeit, einfach alles aus seinem Hackbrett herauszuholen. Sein «Mölchstuel-Ruggusseli» bildete einen Gegenpart, sanft untermalt mit tiefem Holz der Orgel – «zom Blegge schö!».

... ond Frönts

Dass «Frönts» (Fremdes) nicht von auswärtigen Komponisten stammen muss, erschloss sich dem Zuhörer aus dem gedruckten Programm.

Eine Mazurka vom «Gehrseff» war dabei, ein Csardas von Adrian Wettach, und ein Tango stammte aus der Feder von Arto Järvelä. Besondere Qualitäten zeigten die Laseyer in einem traditionellen Stück aus Irland, das ihnen förmlich auf die Haut geschneidert schien. Dem irrwitzigen Tempo begegneten sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Insgesamt bewies sich das Quartett als erstklassige Formation.

Die Vielfalt der Stücke, der lückenlose Wechsel von einer Stilrichtung zur andern, der scheinbar kurze Sprung von Kontinent zu Kontinent – das alles kam sehr gut an. In bester Erinnerung bleiben wohl die Mazurka «La tschaindra» des Bündners Domenic Janet mit einer irritierend schrägen Passage und eine besonders gelungene Version von «Jingle Bells», in welcher Barbara Giger mit flottem Zupfbass brillierte.

Toller Applaus

Das Publikum forderte am Ende hartnäckig zwei Zugaben ein, die gerne gegeben wurden. Das Repertoire wäre längst nicht erschöpft gewesen, genau so wenig wie die Zuhörer. Aber 70 Minuten voller Überraschungen mussten genügen.

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