Das Marbach der Zukunft planen

MARBACH. Nach 35 Jahren bekommt die Gemeinde Marbach einen neuen Richtplan. Gestern wurde der Entwurf im Kronensaal vorgestellt. Jetzt ist die Bevölkerung eingeladen, Anregungen zur Korrektur und Verfeinerung einzureichen.

Max Tinner
Drucken
Teilen
Richtplan, Richtplan an der Wand, welches ist das schönste Dorf im ganzen Land? Ebendieser Richtplan soll dazu beitragen, dass Marbach auch künftig dem Ideal nahe kommt. (Bild: Max Tinner)

Richtplan, Richtplan an der Wand, welches ist das schönste Dorf im ganzen Land? Ebendieser Richtplan soll dazu beitragen, dass Marbach auch künftig dem Ideal nahe kommt. (Bild: Max Tinner)

Ende letztes Jahr hatte Marbach 2051 Einwohner. Gemeindepräsident René Zünd weiss: Manchen wäre dies genug. Doch der Gemeinderat geht davon aus, dass die Gemeinde weiter wachsen wird, wenn auch nicht mehr so stark wie in den letzten Jahren. 4500 Einwohner soll Marbach zwar nie zählen, maximal 2500 bis 3000 sollen es dereinst sein. «Marbach braucht eine gewisse Entwicklung», betont Zünd, «wir müssen schauen, dass unsere Schulhäuser gefüllt bleiben.»

Aktueller Plan fast 35 Jahre alt

Wo Marbach wachsen darf und wo nicht, legt der Gemeinderat im Richtplan fest. Der heute gültige ist 1978 verabschiedet worden. Er ist damit schon sehr in die Jahre gekommen und gibt nicht auf alle Planungsfragen, die sich heute stellen, eine Antwort – etwa zum Umweltschutz oder zu Naturgefahren. Eine Planungskommission hat ihn darum generalüberholt. Gestern wurde im Kronensaal der Entwurf vorgestellt.

Mehr geschützter Ortskern

Es seien viele Interessen zu berücksichtigen gewesen, sagte Hanspeter Woodtli vom Raumplanungsbüro Strittmatter und Partner AG. Manche seien nicht mit anderen vereinbar, weshalb man in diesen Fällen habe Interessenabwägungen machen und Kompromisse eingehen müssen. So ist vorgesehen, den geschützten Ortskern zu erweitern und einen ganzen Streifen alter Häuser westlich der katholischen Kirche und an der Staatsstrasse zusätzlich in den Ortsbildschutz aufzunehmen. Marbach hat viel Charme, und den möchte man erhalten. Darum sollen auch die Landschaft prägende Flächen – speziell heutige und ehemalige Rebhänge – als solche bezeichnet und von einer denkbaren künftigen Baulandeinzonung ausgeschlossen werden.

Der Richtplan legt grob die künftige Siedlungsgrenze fest. Ob alle Bauzonenerweiterungen, welche man in Betracht zieht, tatsächlich machbar sein werden, ist nicht sicher. Zum Teil sind eigentlich der Landwirtschaft vorbehaltene Fruchtfolgeflächen betroffen. Dafür will man heute als übriges Gemeindegebiet ausgeschiedene Baureserveflächen der Landwirtschaft überlassen.

Freie Sicht auf Schloss Weinstein

Zu diskutieren gab gestern auch die vorgesehene Wiedereinzonung eines vor Jahren an der Tannerstrasse ausgezonten Streifens Bauland. Ausgezont hatte man ihn damals, weil man die Sicht aufs Schloss Weinstein nicht verbauen lassen wollte. Die Planungskommission ist nun der Ansicht, hier stehende Häuser würde man vom Talboden aus gar nicht sehen. Manche sehen dies anders.

Mitreden können die Bürger zwar. Sie sind auch eingeladen, bis Ende Jahr schriftliche Änderungswünsche einzureichen. Abstimmen werden sie über den neuen Richtplan aber nicht können, weil er lediglich behörden-, aber nicht grundeigentümerverbindlich ist. Das heisst nicht, dass Bodenbesitzer künftig machen können, was sie wollen. Was möglich ist, sagt der Zonenplan, den man nächstes Jahr auf Basis des Richtplans überarbeiten wird. Gegen jene Planänderung kann man hingegen, so man es denn für nötig erachtet, Einsprache erheben oder im weiteren Verfahrensverlauf das Referendum ergreifen.

Der Richtplan kann von der Internetseite der Gemeinde heruntergeladen werden: www.marbach.ch

Aktuelle Nachrichten