«Das Leben geht ganz normal weiter»

Worauf muss sich die Bevölkerung Diepoldsaus einstellen?

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Robert Brocker Kommandant Regionale Zivilschutzorganisation Mittelrheintal

Robert Brocker Kommandant Regionale Zivilschutzorganisation Mittelrheintal

Worauf muss sich die Bevölkerung Diepoldsaus einstellen?

Das Leben geht für sie ganz normal weiter. Es geht um maximal 100 Leute, denen wir kurzfristig Asyl bieten, bis sie ans Empfangs- und Verfahrenszentrum in Altstätten weitergeleitet werden können. Sie werden im Dorf nicht gross auffallen, wobei wir die Menschen nicht ganz verstecken können und dürfen. Die Diepoldsauer werden davon nicht viel merken.

Wie begegnen Sie einer Person aus Diepoldsau, die Angst hat vor den Flüchtlingen?

Ich lade sie gerne persönlich in die Anlage ein, wo sie sich selbst vor Ort ein Bild von der Lage machen kann. Es kann vorkommen, dass Leute Vorurteile haben, aber wir hatten andernorts bisher keine Probleme. Im Gegenteil, wir machten viele positive Erfahrungen. Die meisten Flüchtlinge sind hilfsbereit und freundlich.

Welche Vorkehrungen mussten Sie vor der Öffnung der Notunterkunft treffen?

Wichtig ist, dass wir getrennte Räume für Familien und Einzelreisende haben, wobei wir auf die Nationalität der Flüchtlinge Rücksicht nehmen. Auf die Religion achten wir nur insofern, dass wir kein Schweinefleisch servieren, ansonsten ist sie für uns kein Thema. Zentral ist die Kommunikation: Wir mussten einen Router einrichten, um Handy-Empfang zu haben. Dies primär für uns selbst, damit wir stets erreichbar sind. Äusserlich wird sich nicht viel verändern, am markantesten wird das Trenngitter zwischen Unterkunft und Pausenplatz des Oberstufenzentrums Kleewies sein.

Die Temperaturen sinken, es wird kalt. Haben Sie einen Vorrat an Winterkleidern?

In Gams erhielten wir in kürzester Zeit jede Menge Winterkleider. In Diepoldsau verfügen wir über einen kleinen Vorrat, wissen aber nicht, ob dieser reicht. Neben Winterkleidern fehlt es uns an Hygieneartikeln, Frotteetüchern und Kinderspielzeug. Diese Dinge nehmen wir gerne entgegen (nur nach telefonischer Absprache Mittwoch- und Donnerstagmorgen, Telefon 079 202 37 36). (rez)