«Das Lächeln der Kinder sichern»

DIEPOLDSAU. Am 8. März wählen die Diepoldsauer ihren neuen Schulpräsidenten. Gestern stellten sich die vier Kandidaten im Freihofsaal den Fragen Michael Jägers und des Publikums und mussten dabei unter anderem ihre Meinung zum Lehrplan 21 und zur Kopftuchfrage offenlegen.

Max Tinner
Drucken
Teilen
Sarah Bösch (Bild: Max Tinner)

Sarah Bösch (Bild: Max Tinner)

Es war wohl klar, dass sie kommen mussten. Darum überliess Moderator Michael Jäger die spannendsten Fragen dem Publikum. Wie sie denn zur Kopftuchfrage stünden, wollte dieses etwa von Sarah Bösch, Thomas Kobler, Patrick Spirig und Marcel Weber wissen.

Sarah Bösch würde sich nach der Schulordnung richten und dieser zufolge einem Mädchen das Kopftuchtragen auch verbieten. Bei der heutigen unsicheren Rechtslage hofft sie aber auf einen massgebenden Grundsatzentscheid des Bundesgerichts. Für Thomas Kobler ist ein Kopftuch tragendes Mädchen kein Problem– solange es für die Gschpänli in der Klasse kein Problem sei, meinte er. Wenn es aber Probleme geben sollte, wäre auch für ihn die Meinung des Bundesgerichts Richtschnur. Marcel Weber beantwortete die Frage aus einem anderen Blickwinkel: Für ihn steht im Vordergrund, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat – «egal ob es Kopftuch trägt oder nicht», meinte er und nahm damit einen konträren Standpunkt zu so manch anderem Mitglied seiner Partei, der SVP, ein. Patrick Spirig argumentiert ähnlich, kommt aber zum gegenteiligen Schluss. Die Schule hat auch einen Integrationsauftrag, betonte er. Weil er davon ausgeht, dass ein Kopftuch tragendes Mädchen gehänselt oder anderweitig benachteiligt würde, stünde er für ein Verbot ein.

Auch was die vier Kandidierenden vom Lehrplan 21 halten, interessierte – vor allem Carmen Bruss, eine der engagiertesten Gegnerinnen. Nichts werde so heiss gegessen, wie es gekocht werde, meinte Marcel Weber beschwichtigend. Er wies darauf hin, dass vieles aus dem neuen Lehrplan bereits umgesetzt sei. Thomas Kobler erachtet den neuen Lehrplan sogar für dringend nötig. Die Schule müsse der heutigen Gesellschaft gerecht werden. Sarah Bösch und Patrick Spirig sehen es ähnlich. Es gelte, einen hohen Bildungsstandard zu bewahren, meinte Spirig, «unsere Kinder sollen nicht dümmer aus der Schule kommen, als sie hinein gehen». Auch Sarah Bösch hält den neuen Lehrplan für nötig: «Die Kinder sind heute nicht mehr die Eliteschüler wie sie es vor 20 Jahren waren», meinte sie.

Weil Diepoldsau eine Einheitsgemeinde ist, ist die Wahl ins Schulpräsidium auch eine Wahl in den Gemeinderat. Michael Jäger wollte darum von den Kandidaten auch wissen, was sie für Diepoldsaus Entwicklung als wichtig erachten. Die Antworten deckten sich weitgehend. Alle vier Kandidaten sprachen sich für ein gemässigtes Wachstum aus, wobei es im Besonderen das Verkehrsproblem in den Griff zu bekommen gelte. Auch darin, dass in der Schule das Wohl der Kinder im Mittelpunkt stehen muss, waren sie sich einig. Mit Applaus wurde Patrick Spirigs Antwort quittiert: «Das Lächeln der Kinder zu sichern, muss uns oberstes Gebot sein.»

Diepoldsau darf sich glücklich schätzen. Nicht überall finden sich für ein wieder zu besetzendes Amt gleich vier Kandidaten – falls überhaupt. Dies veranlasste zur Frage, ob diese denn wüssten, wie hoch ihr Lohn als Schulratspräsident ausfallen würde. Sie wurde bejaht. Offenbar war Gemeindepräsident Roland Wälter an einer frühzeitigen Aufklärung aller Kandidaten gelegen. Ein, zwei Kandidierende liessen sich sogar zur Bemerkung hinreissen, sie wären auch für weniger angetreten. Womit man wisse, worüber man bei der nächsten Budgetdebatte im Gemeinderat reden könne, meinte Michael Jäger augenzwinkernd in die Tischreihe, in welcher der Gemeindepräsident sass.

Marcel Weber (Bild: Max Tinner)

Marcel Weber (Bild: Max Tinner)

Patrick Spirig (Bild: Max Tinner)

Patrick Spirig (Bild: Max Tinner)

Thomas Kobler (Bild: Max Tinner)

Thomas Kobler (Bild: Max Tinner)