Das Kleintheater Lumière gibt auf

Die Hauptversammlung des Theatervereins Lumière hat zehn Jahre nach der Gründung die Auflösung beschlossen. Es fehlte zunehmend an Zeit, an weiteren engagierten Ehrenamtlichen für die Mitarbeit im Vorstand und während der Aufführungen oft auch an Besuchern.

Max Tinner
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Das Theater Lumière ist Geschichte. Claudia Rohrhirs packt ihren Koffer für neue Projekte. (Bild: Max Tinner)

Das Theater Lumière ist Geschichte. Claudia Rohrhirs packt ihren Koffer für neue Projekte. (Bild: Max Tinner)

REBSTEIN. Trauermärsche wurden nicht gespielt an der Hauptversammlung des Vereins Lumière. Mit dem Quartett Gad'ase klang der Abschied vielmehr beschwingt. Die Vorstandsmitglieder Martin Wäspi, Stelinda Fini, Silvia Nüesch und Claudia Rohrhirs hätten dem Verein ja ein Weiterbestehen gewünscht. Dafür hätten sich aber Nachfolger für den Vorstand finden müssen, die sich eben nicht fanden.

Der Verein Lumière ist aus dem Förderverein Bunterkunt hervorgegangen. Die Vorstellungen fanden die ersten sieben Jahre auf einer früheren Heubühne im Stallanbau eines alten Bauernhauses an der Alten Landstrasse statt. Dies verlieh dem Rebsteiner Kleintheater einen rustikalen Charme, der sowohl den Künstlern als auch dem Publikum gefiel.

Haus und Anbau gehörten Claudia Rohrhirs, der Initiantin und Seele des Theaters. Das Hausrecht wäre dem Theater also sicher gewesen. Vor gut zwei Jahren hat sie sich aber entschieden, die Liegenschaft der benachbarten Sonnenbräu zu verkaufen. Sie ermöglichte damit zum einen der Brauerei die Erweiterung. Zum andern hatte die Bühne im Stall den Nachteil, dass die meiste Zeit des Winterhalbjahrs – in der Hauptsaison für ein Theater – keine Aufführungen möglich waren, weil das Theater nicht beheizbar war.

Im Stall war vieles einfacher

Der Vereinsvorstand suchte danach eine Alternative und fand sie im Gewölbekeller der Rebsteiner Burg. Die Theatermacher vom Lumière waren von diesem Raum fast genauso begeistert wie von der Heubühne. Es zeigte sich aber, dass der Aufwand nun um einiges grösser geworden ist. «Früher im eigenen Theater war vor den Vorstellungen alles schon parat – nun mussten wir uns stets neu einrichten», erklärt Claudia Rohrhirs. Weil die Vorstandsmitglieder kaum je auf freiwillige Helfer zurückgreifen konnten, war es an ihnen selbst, diese Arbeiten zu erledigen. Weil aber mit Ausnahme von Claudia Rohrhirs alle längere Anfahrtswege hatten und praktisch alle nebst dem Berufs- und Familienleben selbst noch Kulturschaffende sind, sei der Aufwand zu gross geworden. «Wir taten ja alles ehrenamtlich, aus Freude an der Sache», meint Rohrhirs. Hinzu kommt, dass die Besucherzahlen zuletzt, mit Ausnahmen, bescheiden waren. «Das Angebot wäre da gewesen – offenbar fehlt die Nachfrage», folgert sie. Möglicherweise werde die Nachfrage auch durch die weiteren Kulturangebote in der Region schon genügend gedeckt.

Noch nicht ganz ausgeträumt

Auch wenn Claudia Rohrhirs hinter dem Entscheid, aufzuhören, steht – ein wenig Wehmut klingt in ihrer Stimme doch mit. Sollten sich doch noch Leute finden, die das «Lumière» weiterführen möchten, werde man trotz des Auflösungsbeschlusses der Versammlung sicher «einen Rank finden», meint sie.

Claudia Rohrhirs selbst will nun neben ihrer Arbeit als Bewerbungscoach für Stellensuchende vermehrt als Geschichtenerzählerin auftreten. Auch Theaterprojekte, aus denen das Theater Bunterkunt und damit das Lumière hervorgegangen ist, wird sie weiterhin anbieten, auch in Schulen. Sie erachtet solche als wichtig: Die Kinder lernten, sich in eine andere Rolle einzufühlen und gleichzeitig sich selbst wahrzunehmen. «Das wird ihnen im späteren Leben zugute kommen.» Und ja, gibt Claudia Rohrhirs zuletzt zu: Vom eigenen Theaterraum träumt sie noch immer ein wenig.

Ein Theatertraining für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre steht gerade in Diepoldsau im «Freiraum» an der Rheinstrasse 6 bevor. Am 25. Februar beginnt es mit einer Schnupperstunde. Mehr auf www.geschichtenetc.ch.

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