«Das Kind steht an erster Stelle»

Letzte Woche hat er sich entschieden, am Mittwoch stand er als Erster öffentlich dazu: Der Bauverwaltungs-Leiter Patrick Spirig will Christian Sepins Nachfolge antreten und Diepoldsaus neuer Schulratspräsident werden.

Seraina Hess
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Patrick Spirig hat auf seinen Reisen viele Schulen besucht. Unter anderem in Brasilien, in Tansania und auf den Kapverdischen Inseln. (Bild: Seraina Hess)

Patrick Spirig hat auf seinen Reisen viele Schulen besucht. Unter anderem in Brasilien, in Tansania und auf den Kapverdischen Inseln. (Bild: Seraina Hess)

Herr Spirig, Sie sind in der Bauverwaltung und in der IT tätig. Weshalb kommt ein Wechsel ins Schulwesen für Sie in Frage?

Patrick Spirig: Für mich ist es nicht wirklich ein Wechsel in eine unbekannte Branche. Während der letzten 13 Jahre habe ich nebenbei immer als Dozent gearbeitet und schon von Amtes wegen viel mit der Schule Diepoldsau zu tun gehabt.

Inwiefern?

Spirig: Der Unterhalt der drei Schulhäuser ist Sache der Bauverwaltung. Damit sind viele Abläufe der Schule verbunden, die mir deshalb bekannt sind. Auch mit Christian Sepin hatte ich durch meine Tätigkeit in der Bauverwaltung oft zu tun.

Sie bringen zwar Erfahrung mit, sind aber parteilos. Könnte das im Wahlkampf ein Nachteil sein?

Spirig: Nein. Die Wahl des Schulratspräsidenten ist eine Personen-Wahl. Gewählt wird, wer Kompetenzen vorweisen kann. Der FDP wird es zudem schwerfallen, einen eigenen Kandidaten durchzubringen, da sie im Gemeinderat schon stark vertreten ist. Das neue Verfahren, Kandidaten zu finden, ist übrigens für alle Bewerber von Vorteil.

Weshalb?

Spirig: Vor achteinhalb Jahren gab es eine Findungskommission, die die Bewerbungen um das Amt mit Hilfe eines Personalberaters aussortierte und den Wählern nur einen Kandidaten – Christian Sepin – präsentierte. Ich habe mich schon damals beworben, wovon die Bürger aber nie etwas erfahren haben.

Können Sie sich erklären, warum sie damals von der Findungskommission nicht als Kandidat ausgewählt wurden?

Spirig: Nein, Erklärungen dazu gab es keine. Ich habe schon damals vielseitige Berufserfahrungen mitgebracht – den Bürgern wurde das Mitspracherecht aber vorenthalten. Das Verfahren stand deshalb in der Kritik.

Welchen Führungsstil erwartet man von einem Schulratspräsidenten?

Spirig: Bevor ich mich letzte Woche für die Kandidatur entschieden habe, hatte ich mit verschiedenen Personen gesprochen und festgestellt: Für die Lehrer ist es eine grosse Belastung, nicht zu wissen, wer der neue Schulratspräsident werden wird. Sie wollen keinen patriarchalischen Führungsstil mit zweitrangiger Pädagogik.

Wie wäre Ihr Führungsstil?

Spirig: Die Pädagogik hätte für mich immer Priorität. Aber natürlich ist es nicht die Angelegenheit des Schulratspräsidenten, die schulische Entwicklung im Alleingang zu bestimmen. Das ist Sache des Schulrats, der Schulleiter und in der Umsetzung ganz klar Sache der Lehrer. Zu den Aufgaben des Schulratspräsidenten gehört vor allem die schulischen Ansprüche und die Finanzen in Einklang zu bringen.

Was schätzen Sie an der Schule besonders?

Spirig: Kinder stehen immer im Vordergrund, egal, um welche Entscheidung es geht. Steht eine Veränderung zur Debatte, sei diese baulich oder den Unterricht betreffend, wird sie nur vorgenommen, wenn den Schülern und ihrem Lernen damit gedient ist.

Speziell ist: Sie selbst haben keine Kinder, aber dennoch grosses Interesse an Bildungsfragen.

Spirig: Dass ich keine Kinder haben werde, war nicht geplant. Das Interesse an der Schule geht aber nicht zwingend mit der Elternschaft einher. Ich interessiere mich dafür, weil ich hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und im Dorf verwurzelt bin.

Kennt man Sie in der Gemeinde?

Spirig: Davon gehe ich aus. Ich bin als Mitglied der Theatergruppe im Vereinsleben integriert, und aufgrund meines Berufs bin ich bestimmt einem Drittel der Diepoldsauer Bevölkerung bekannt – immerhin habe ich in den letzten Jahren über 1000 Baugesuche behandelt.

Gibt es etwas in der Schule, mit dem Sie nicht zufrieden sind?

Spirig: Eines meiner Hobbies ist das Reisen. Ich habe auf vielen Kontinenten Schulen besucht und gesehen, unter welchen Umständen unterrichtet werden muss. Ich vermisse, dass sich in der Schweiz nicht alle Schüler bewusst sind, was für ein Privileg Bildung ist. Aber unsere Wertvorstellungen sind anders, daran kann man wenig ändern.

Würden Sie gewählt, hätte die Gemeinde ein neues Problem: Die Stelle des Bauverwaltungs-Leiters wäre vakant.

Spirig: Zum Glück gibt es eine gute Stellvertretungs-Regelung und genügend qualifizierten Nachwuchs. Zudem bliebe mein Know-how in der Gemeinde und der Übergang wäre fliessend.

Falls Sie nicht gewählt werden: Können Sie ihren Job behalten?

Spirig: Bestimmt. Roland Wälter sieht die Bewerbung um ein Amt als Recht eines jeden Mitarbeiters und hat meine Weiterbeschäftigung im Falle einer Nichtwahl nicht in Frage gestellt.