Das Jahrhundert der Trennungen

Das 18. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Trennungen und Teilungen.

Drucken
Teilen
Ausschnitt aus der Urkunde vom 13. April 1793 im Ortsgemeinde-Archiv in Eichenwies. (Bild: pd)

Ausschnitt aus der Urkunde vom 13. April 1793 im Ortsgemeinde-Archiv in Eichenwies. (Bild: pd)

Das 18. Jahrhundert war ein Jahrhundert der Trennungen und Teilungen. Bevölkerungswachstum, Klimaverschlechterungen, Missernten mit Getreideversorgungskrisen, steigende Wuhrkosten gegen die zunehmenden Rheinüberschwemmungen und eine daraus folgende Häufung von Konflikten führten zur Trennung von Höfen (Gemeinden) oder Hofteilen (Rhoden) und zur Aufteilung und Privatisierung von gemeinsam genutzten Allmenden, um eine intensivere Landwirtschaft zu ermöglichen.

Komplizierte Teilung

Die Teilungswelle erfasste auch den grossen Hof Oberriet. 1789 trennte sich Diepoldsau wegen «Zerwürfnis» und der «grossen Entlegenheit». Diese Abspaltung gab offenbar den Ausschlag für eine klare Teilung der anderen fünf Rhoden Kriessern, Montlingen, Eichenwies, Oberriet und Holzrhode (Kobelwald).

Der komplizierte Prozess dauerte bis ins Jahr 1793. Es wurden Grenzverläufe festgelegt, gemeinsam benutzte Allmenden einzelnen Rhoden zugesprochen, Gemeindegüter vertauscht und die Rheinwuhrkosten nach der Rhodsbürgerzahl verteilt.

Unentbehrliche Pferdestärken

Ein Zeugnis dieses Teilungsprozesses liegt im Archiv der Ortsgemeinde Eichenwies. Am 13. April 1793 äusserte die Rhode Eichenwies die Befürchtung, dass durch die Zuteilung von Allmenden an einzelne Bürger das Weideland für die Pferde und damit der Pferdebestand abnehmen könnte. Damit werde der Unterhalt der Rheinwuhre in Frage gestellt. Die natürlichen Pferdestärken waren unentbehrlich, um die Wagen mit Steinen und Holz für den Dammbau an den Rhein zu ziehen. Die Sorge der Rhode Eichenwies ist ein Beleg unter vielen, wie der Kampf gegen die Rheinüberschwemmungen im 18. Jahrhundert zu einem zentralen Thema wurde – ein Kampf, dessen Ursprung durch Abholzungen in Graubünden auch in Menschenhand lag. Über weitere Funde im Rahmen des Projekts «Rechtsquellen und Geschichte des Rheintals» wird demnächst berichtet. (Werner Kuster)