Das halbe Stark-Areal wird neu

Die Stark AG braucht mehr Platz. Wegen des erfreulichen Wachstums baut die Platten- und Baustofffirma je eine neue Lager- und Verladehalle. Es ist das letzte grosse Bauprojekt von Geschäftsführer Hans Peter Oberle.

Hildegard Bickel
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Geschäftsführer Hans Peter Oberle und seinem Team steht eine Grossbaustelle bevor. Neben der grauen Halle (links) entstehen zwei neue Hallen. Dafür müssen das Gebäude mit der Holzfassade (rechts) sowie eine weitere Halle abgebrochen werden. (Bild: hb)
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Die Höhe der Halle 6 wird jener der Halle 5 angepasst. Die Verladehal­- le 8 dazwischen fällt etwas niedriger aus. (Bild: pd)

Geschäftsführer Hans Peter Oberle und seinem Team steht eine Grossbaustelle bevor. Neben der grauen Halle (links) entstehen zwei neue Hallen. Dafür müssen das Gebäude mit der Holzfassade (rechts) sowie eine weitere Halle abgebrochen werden. (Bild: hb)

Baulärm hallt durch das Bürogebäude. Hier entstehen in einer ersten Etappe neu aufgeteilte Arbeitsplätze im Erdgeschoss. Hans Peter Oberle steigt über eine Gerüsttreppe in den dritten Stock in eine etwas ruhigere Ecke und faltet auf einem massiven Holztisch den Bauplan auseinander. In roter Farbe sticht das Herzstück der Erweiterung hervor, die zwei neuen Hallen. Nummeriert wie auf dem Olmage­lände. Halle 4 muss der neuen Verladehalle 8 weichen. Die mit Wellblech bedeckten Hallen 1 und 2 machen der künftigen Halle 6 Platz.

Hans Peter Oberle öffnet das Fenster und zeigt auf das Areal. «Der neue Baukörper besteht aus zwei Teilen, einer Lagerhalle und einer Durchfahrtshalle.» In der fast 20 Meter breiten und 85 Meter langen Durchfahrtshalle können bis zu vier Lastwagen gleichzeitig Material be- und entladen. «Wir mussten keine neuen Landflächen dazukaufen. Wir optimieren die Logistik auf dem bestehenden Areal.»

Die Fläche der neuen Hallen beträgt 4800 Quadratmeter und belegt knapp die Hälfte des Firmengeländes. Der Abhol-Shop bleibt bestehen.

An Grenzen gestossen

In den vergangenen Jahren war das Unternehmen gefordert vom wirtschaftlichen Umfeld und der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Die Stark AG behauptete sich, ohne Kurzarbeit oder Lohneinbussen auszusprechen. «Doch wir mussten mehr ‹drüllen›», sagt Hans Peter Oberle. Das Wort verwendet er oft und beschreibt damit den Warenumschlag. In der Folge stiess man an Lagerkapazitätsgrenzen, trotz der im Jahr 2011 eröffneten Halle 5. «Es ist natürlich positiv, dass wir uns erneut Gedanken über eine Erweiterung machen konnten», sagt der Geschäftsführer.

Innert so kurzer Zeit hätte er aber nicht damit gerechnet. Doch das Unternehmen, das Schreiner und holzverarbeitende Betriebe mit Platten, Türen und vielen weiteren Holzwerkstoffen beliefert, dürfe den Anschluss nicht verpassen. Die älteste Halle stammt aus dem Jahr 1951, Moos wächst auf dem Dach. Auch wenn er den Funken Wehmut der Besitzerfamilie versteht, scheut sich Hans Peter Oberle nicht vor Investitionen. «Nur so können wir in Zukunft erfolgreich auf dem Markt bestehen.»

Als die Pläne im Juli 2018 bei der Stadt zur Einsicht auflagen, brauchte die Geschäftsleitung Geduld. Es gab Einsprachen, die Hans Peter Oberle pragmatisch hinnahm. «Wer schon mal baute, weiss, dass ein Verfahren selten geradlinig wie auf einer Autobahn verläuft.» Verkehrstechnische Anpassungen führten zu Diskussionen und Verzögerungen. Sie wurden jedoch gütlich und mit Einbezug eines unabhängigen Verkehrsplaners geregelt.

Selber ins Rathaus angerufen

Schliesslich behandelte der Stadtrat am 18. Februar die Baupläne. Gespannt, wie der Entscheid ausfiel, rief Hans Peter Oberle am Tag danach selber ins Rathaus an. Er erhielt grünes Licht – und nach der abgelaufenen Rekursfrist ist der Entscheid nun rechtskräftig. Anfang April beginnt der Abbruch auf dem Gelände. Während der Bauphase ist die Stark AG mit ihren Lagerbeständen in den nahe gelegenen Räumen der ehemaligen Schollglas AG eingemietet. Der gewünschte Baufahrplan sieht vor, dass die neuen Hallen im Herbst 2020 bezugsbereit sein sollen.

Die Befürchtung, ob durch optimierte Abläufe in den Neubauten Arbeitsplätze verloren gehen, entschärft Hans Peter Oberle mit einem Zahlenvergleich: «Als ich vor 15 Jahren ins Unternehmen einstieg, waren 52 Mitarbeiter angestellt. Heute sind es 56 Mitarbeiter bei steigendem Umsatz.» Zum Kostenpunkt möchte Hans Peter Oberle keine Zahlen nennen. «Wir bauen aus einer Position der Stärke.» Er schmunzelt und ergänzt: «Wir können es bezahlen.» Gefragt, ob dies sein letztes grosses Projekt sei, antwortet der 61-Jährige entschieden und ohne zu zögern mit «Nein». Er lacht. Und relativiert. Vom Baulichen her sei es durchaus das letzte grosse Projekt.

Ein anderes Grossprojekt, das er weiter vorwärtstreibt, ist hingegen die Entwicklung des E-Shops. Mit dieser Lösung für Bestellungen nimmt die Stark AG im deutschsprachigen Raum eine Vorreiterrolle ein. Dank Kooperationen mit mehreren Partnern aus der Schweizer Holzbranche stärkt das Altstätter Unternehmen den Auftritt auf dem Markt. Vorerst dient der E-Shop Geschäftskunden, künftig sollen sich auch Privatkunden informieren können. Ziel ist es, 70 Prozent des Gesamtumsatzes über diesen Kanal abzuwickeln.

«Ich warte nicht auf die Pension»

Hans Peter Oberle schweift unweigerlich aus in Verkaufsphilosophie und digitale Entwicklung. Dank mehr Online-Bestellungen bliebe mehr Zeit für den per­sönlichen Kundenkontakt. Denn einer seiner Leitsätze lautet: «Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht.»

Hans Peter Oberle arbeitet gern, sagt, er gehöre nicht zu den Menschen, die die Jahre bis zur Pension zählen. «Ich geniesse das Leben jetzt, dazu gehört auch die Arbeit.» Solange er gesund bleibe und Ideen habe, wie man die Firma weiterbringen könne, möchte er sich dafür einsetzen.