«Das Grundwasser wäre gefährdet»

RÜTHI. Die spitz zulaufende Geländemulde zwischen Autobahn und Rhein auf Höhe des Ortsteils Büchel ist als Deponie im Gespräch. Nach Ansicht des langjährigen Betriebsleiters der Rüthner Wasserversorgung, Werner Büchel, wäre sie unverantwortbar.

Max Tinner
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Die lang gezogene, am Ende spitz zulaufende Wiese zwischen Autobahn und Rheindamm auf Höhe des Ortsteils Büchel ist als möglicher Deponiestandort in die kantonale Richtplanung aufgenommen worden. Werner Büchel fordert, dass dies rückgängig gemacht wird. (Bild: Max Tinner)

Die lang gezogene, am Ende spitz zulaufende Wiese zwischen Autobahn und Rheindamm auf Höhe des Ortsteils Büchel ist als möglicher Deponiestandort in die kantonale Richtplanung aufgenommen worden. Werner Büchel fordert, dass dies rückgängig gemacht wird. (Bild: Max Tinner)

Mit dem Bau der Autobahn ist auf Höhe des Ortsteils Büchel zwischen der vielbefahrenen Verkehrsader und dem Rheindamm eine spitz zulaufende, künstliche Mulde entstanden, von jeglichem anderen Landwirtschaftsboden abgeschnitten, fast wie übrig geblieben. Geradezu ideal, um sie mit Aushub aufzufüllen, sollte man meinen – wo die Deponiemöglichkeiten für die Baubranche ohnehin knapp sind und der nächste Deponienotstand mit dem Abschluss der Deponie Unterkobel bei Oberriet in ein paar Jahren absehbar ist.

In Richtplan aufgenommen

Tatsächlich hat der Kanton die 20 000 m2 grosse Wiese, die der Ortsgemeinde Rüthi gehört, als möglichen Deponiestandort in den Richtplan aufgenommen. «Unverantwortbar», sagt Werner Büchel dazu. Er ist der Ansicht, dass eine Deponie hier das als Trinkwasser genutzte Grundwasser gefährden würde.

Büchel war 38 Jahre lang Betriebsleiter der Rüthner Wasserversorgung. Eine kompetente Einschätzung der Situation ist ihm also durchaus zuzutrauen. Er stützt sich auf Untersuchungen der Grundwasserströme und weist auf das nahe gelegene Grundwasserpumpwerk Neufeld hin und auf einen Grundwasserschacht unter der Autobahn. Dieser Schacht, der über ein Tor in der Autobahnböschung zugänglich ist, wird zwar zurzeit nicht genutzt. Er ist aber von Bedeutung, wenn es zu einem Wassernotstand käme. Dann könnte von hier aus mit einer mobilen Pumpe und einer Verbindungsleitung Wasser ins Leitungssystem der Wasserversorgung eingespeist werden.

Ist sauber wirklich sauber?

Problematisch wäre eine Deponie auf dem Spickel zwischen Autobahn und Rheindamm nach Ansicht Büchels hauptsächlich aus zwei Gründen. Zum einen fürchtet er die Verunreinigung des Grundwassers. «Selbst wenn hier nur sauberer Aushub abgelagert werden dürfte», fragt er, «wer kontrolliert, ob der Aushub tatsächlich sauber ist?» Er verweist auf die verheerenden Dorfbrände Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts: 1854 brannte Lienz ab, 1887 der Weiler Büchel mit seinen damals 97 Häusern, und 1890 legte eine weitere, noch verheerendere Feuersbrunst mit 216 Häusern den Grossteil Rüthis und hinter dem Hirschensprung sämtliche 71 Häuser des Weilers Moos in Schutt und Asche.

«Was hat man danach gemacht?», fragt Werner Büchel und beantwortet die Frage gleich selbst: «Man hat die Überreste niedergemacht und drüber gebaut.» Selbst vermeintlich sauberer Aushub gerade auch aus Rüthi und den umliegenden Dörfern könnte also belastet sein, denkt er.

Als zweites Risiko nennt Büchel das Eigengewicht der Deponie. Die provisorische Deponieplanung geht von einem Volumen von 150 000 m3 aus, also von durchschnittlich 7,5 m3 Schüttgut pro Quadratmeter, das auf die Grundwasser führenden Schichten drücken würde.

Wasser ist wichtiger

Werner Büchel ist klar, dass es Deponien braucht und die Gemeinde auch für solche Hand bieten soll. Dass der Gemeinderat die Aufnahme des Areals Neufeld in die kantonale Deponieplanung begrüsst, stösst ihm aber sauer auf.

Er kritisiert die Prioritätensetzung. Der Schutz der Trinkwasserreserven muss seiner Meinung nach vorgehen.

Rechtlich zulässig

Vorderhand habe es noch keine Detailprüfung gegeben, sagt Gemeindepräsident Thomas Ammann dazu. Er erachtet eine Deponie auf dem Landstreifen auch für weit weniger problematisch als Werner Büchel. Nach den kantonalen Richtlinien ist eine Deponie für unverschmutzten Aushub im Gewässerschutzbereich tatsächlich zulässig. Amman weist aber auch darauf hin, dass der Kanton die Wegleitung für die Deponieplanung und den dazu gehörenden Kriterienkatalog momentan überarbeitet. Sollte nach den künftigen Richtlinien eine Deponie im Gewässerschutzbereich nicht mehr zulässig sein, so werde der Gemeinderat die Streichung der Fläche aus der Liste verlangen, versichert Thomas Ammann.

Werner Büchel genügt dies nicht. «Geht es um das Trinkwasser, darf man nicht das geringste Risiko eingehen», sagt er. Zumal gerade dieses Grundwasser von erstklassiger Qualität und selbst ohne Aufbereitung trinkbar sei. Umso wichtiger sei es, dieses Volksvermögen zu schützen. Deswegen sähe Büchel die wenige Meter weiter unten beginnende Grundwasserschutzzone um das Pumpwerk Neufeld auch am liebsten um den fraglichen Landstreifen erweitert. Die Auflagen wären strenger, die Deponie nicht mehr möglich.

Zuvor sollte es ein Kiesdepot sein

Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass der Wieslandstreifen zwischen Autobahn und Rheindamm im Gespräch für eine solche Nutzung ist. Bereits vor zehn Jahren war hier ein Kiesdepot vorgesehen.

Damals musste davon abgesehen werden, weil nicht klar war, wie weit eine solche Nutzung dem Entwicklungskonzept Alpenrhein zuwiderlaufen würde, an dem noch gearbeitet wurde. Ausserdem wehrten sich Anwohner der Werkstrasse, die der Autobahn entlang am Ortsteil Büchel vorbeiführt, dagegen, weil sie erheblichen Lastwagen-Mehrverkehr fürchteten.

Vorerst dürfte aber in Rüthi Aushub ohnehin woanders deponiert werden: Nächstens soll das Auflageverfahren für eine Deponie im einstigen Steinbruch im Gebiet Feld, an der Staatsstrasse auf halbem Weg zwischen Rüthi und Lienz, eröffnet werden. Die Deponie hätte eine Kapazität für um die 130 000 m3 Aushub. Wie bald sie voll wäre, hängt von der Bautätigkeit in der Region während der nächsten Jahre ab.